Serious Sam 3: BFE

(Artikel)
Haris Odobašić, 07. November 2012

Serious Sam 3: BFE

Der Kontakt vor dem ersten Kontakt

Es ist schon fast kurios, dass ein kleines Team aus Kroatien es schafft seit über 11 Jahren ihre Shooter-Serie am Leben zu erhalten. Aber der eigene Humor in Serious Sam, zusammen mit dem klassischen Gameplay, hat seine Fans klar gefunden. Auch der neueste Teil, Serious Sam 3: BFE, Before First Encounter, hatte schon auf dem PC seine Fanbase gefestigt und erschien im Oktober auch für die Xbox 360, genauer: Xbox Live Arcade. Wir schauen uns an, ob der Port was taugt.

Das Spiel hat eine Quick-Save-Taste! Auch nach intensivstem Spielen bin ich nicht hinter den Sinn dieser gekommen, alleine schon weil das Spiel alle paar Minuten eh automatisch speichert.
In vielen Aspekten fühlt sich Serious Sam wirklich wie ein PC-Spiel der späten 90er an. Alleine schon, dass man so viele Optionen hat, ist heutzutage ungewöhnlich, gehörte aber lange Zeit am Computer zum absoluten Standard. Blutfarbe, Art des Fadenkreuzes, FPS-Anzeige - alles kann personalisiert werden. Und fängt man dann zu spielen an, könnte man auch glatt den Eindruck haben, dass Halo, Gears of War oder Modern Warfare nie passiert wären. Alleine schon die Steuerung ist interessant: Der A-Knopf, der schon laut der Bibel einzig und alleine fürs Springen dient, bringt keine Distanz zwischen euch und dem Fußboden. Stattdessen ist darauf eine sinnlose Nahkampfattacke belegt und ihr hüpft per Schultertaste. Um die populärsten Serious-Sam-Gegner zu zitieren: AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAH!
Auch das Waffenauswahlmenü ist etwas hakelig, hat man doch mehr als ein Dutzend Waffen zur Auswahl, die man per Steuerkreuz auswählen soll. Klappt sehr gut bei Waffen, die in die normalen vier Richtungen gelegt sind, aber wenn man schräg gehen muss, passiert es gerne mal, dass man die falsche Waffe erwischt. Leider bietet einem das Spiel auch keine wirklichen Alternativen -- alle Steuerungsvoreinstellungen haben mindestens ein großes Manko.

Der Eindruck, hier ein Relikt aus grauen Vorzeiten zu spielen, festigt sich nur mehr, wenn man dem Spielgeschehen näher auf die Beißerchen fühlt. Denn so was wie regenerierbare Energie, ein Deckungssystem oder Waffenlimits sind Sam fremd, taktisches Gameplay nicht in seinem Vokabular. Stattdessen wird geballert, bis die Läufe qualmen, und das mit einer Auswahl an allem, was man in einem Shooter erwartet: Maschinengewehre, explosives Geschütz und natürlich auch die ein oder andere speziellere Waffe wie der Sirian Mutilator, eine Art Laserlasso, mit dem ihr nicht nur kleinere Gegnergruppen und größere Feinde problemlos einfangen könnt, sondern sie auch auf besonders brutale und explosive Art und Weise vernichtet. Diese setzt man gegen einen Mix aus typischen Serious-Sam-Gegnern wie die genauso kultigen wie kopflosen Fußtruppen oder Skelette und natürlich einige ganz neue Feinden wie Amazonenkriegerinnen und groteske Mutanten ein. Manche Gegner machen richtig Spaß, andere nerven eher rum -- und weil Serious Sam darauf besteht, einem auch wirklich jeden Gegner hundertfach vor die Flinte laufen zu lassen, ist der Spielspaß demnach abwechselnd ebbend und flutend.

Dem hilft auch nicht das Level-Design, welches mich an meine kindlichen Experimente mit UnrealEd -- einem Leveleditor, der Half-Life beilag -- erinnert. Manche dieser Levelabschnitte hätte nämlich auch der kleine Haris locker hingekriegt. Gelegentlich wird es nämlich sehr simpel und detaillos. Ein großes Außenreal, abgegrenzt durch vier Wände, dazu eine sehr einfache Struktur in der Mitte -- nicht mehr als ein Raum mit Dach und trotzdem noch eines der aufwändigeren Beispiele.

Doch all diese Irregularitäten und Eigenheiten, Schwächen und Macken halten Serious Sam nicht davon ab, manchmal vor allem eines zu machen: verdammt viel Spaß! Die Rückbesinnung auf die Anfänge des Genres, die die Serious-Sam-Serie repräsentiert, ist immer noch erstaunlich erfrischend und bietet pausenlose Action, bei der man einfach das Gehirn abschalten kann ohne sich mit Taktik oder anderem Firlefanz rumärgern zu müssen. Außerdem treffen Sams Einzeiler fast so oft wie die Kugeln, die man in die Gegner verballert, während die teils ziemlich abgedrehten Widersacher ebenfalls zu überzeugen wissen. Ich glaube, wenn es mehr Spiele wie Serious Sam gäbe, dann wäre das ganze extrem schnell ausgelutscht -- aber dem ist nicht der Fall und so hat man gelungene Abwechslung zu den sonst hyperernsten Ego-Shootern. Dies gilt zwar nur bedingt für den Einzelspielermodus, der schnell auch mal öde werden kann, aber gerade im Ko-Op geht es gerne mal gut ab. Eines der Highlights ist es ohne Frage, sich zu mehreren durch wirklich hunderte von Gegnern zu ballern.

Serious Sam ist so 08/15 wie ein Ego-Shooter nur sein kann und dabei doch stimulierend anders. Eine Art zweite Generation des Retro, verzichtet Sam auf das ganze Fett, das den typischen Ballerspielen heutzutage anliegt, und präsentiert ein aufs Wesentliche reduziertes Machwerk: Ballerei. Das wird vor allem alleine ziemlich schnell langweilig, aber der Ko-Op kann das etwas raushauen. Zu zweit wird es lustig, zu viert richtig spaßig. Der normale Multiplayer hingegen kann nur als Snack gesehen werden, weil hier einfach dann doch das ganze Drumherum fehlt, was nun zum Standard bei allen erfolgreichen Multiplayer-Shootern geworden ist. Dennoch ist Serious Sam 3: BFE für alle Shooter-Fans mit Lust auf neues Altes einen Blick wert, gerade wenn man sich mit dem Humor anfreunden kann. Evil

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24. September 2017 um 08:57 Uhr
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