Spielespaß im Mittelmaß

(Artikel)
Kristin Riedelsberger, 08. Dezember 2012

Spielespaß im Mittelmaß

Jack Keane und das Auge des Schicksals

Eigentlich lehne ich es ja kategorisch ab, Adventure-Fortsetzungen zu spielen ohne mich zuvor durch sämtliche Vorgänger gequält zu haben. Doch um ehrlich zu sein war mein Adventurehunger nach meinem harten Arbeitstag in Hegenstedt so groß, dass ich einfach nicht anders konnte, als meine Prinzipien über Bord zu werfen und Jack Keane und das Auge des Schicksals trotzdem zu spielen. Und siehe da: es geht auch ohne Vorbildung!

...auch wenn ich zugeben muss, immer noch nicht genau zu wissen, worauf hinauslaufen soll, was ich so tue. Und das, obwohl ich zum Zeitpunkt meines Reviews über die Hälfte des Spiels hinter mir habe.


Jack befindet sich zu Spielbeginn in irgendeinem chinesischen Gefängnis, wo ihm sogleich ein dubioser, aber offenbar ganz netter Schamane eins auf die Omme gibt, um ihm irgendwelche Hinweise auf einen geheimnisvollen Ort ins Hirn zu hypnotisieren - angeblich wartet dort so etwas wie der ultimative Schatz auf unseren geltungssüchtigen Egomanen. Leider segnet den alten Mann noch während der Prozedur das Zeitliche, sodass die wichtigen Informationen unter Jacks sonderbaren Hoffnungen, Ängsten und Zukunftsvorstellungen verschüttet werden. Im Laufe des Spiels wechselt Jack – meist durch schmerzhafte Fremdeinwirkung - immer wieder zwischen Realität und Traumwelt, löst Rätsel, springt über Kisten und kämpft gegen wildgewordene Schädelbrecher, um dem Geheimnis von Ukumba näher zu kommen. Den Rücken stärkt ihm dabei die resolute Piratenbraut Amanda, die ihn zwar auf der einen Seite wirklich mag, sich aber nicht so ganz sicher zu sein scheint, ob sie wirklich mit jemandem ihr Leben verbringen will, dem Reichtum und Ruhm viel wichtiger sind als Freundschaft oder die Liebe.

Anzügliche Anspielungen zünden immer! Oder?

Wie es sich für ein Adventure vom alten Schlag gehört, sind nicht nur die wiederkehrenden Traumsequenzen, sondern auch die Szenen in der Realität zum Teil wunderbar absurd. So begegneten mir hüpfende Riesenschuhe mit Megaphon, Bananenrezepte studierende Gorillas und nackte kleine Chinesen, die peinlich berührt vor meinen Blicken flohen, als ich mit Amanda die Gemeinschaftsduschen des Gefängnisses stürmte. Alles in allem ist der Humor von Jack Keane allerdings, ich würde sagen, solide mittelmäßig und entlockte mir bis auf wenige Ausnahmen eher müde Schmunzler als herzhafte Lacher. Besonders gelitten habe ich bei den Szenen am Hamburger Hafen, bei denen die Truppe von Deck 13 gerade die Humorlosigkeit der Deutschen sehr bemüht auf die Schippe zu nehmen versucht, dabei aber nur sehr mäßig erfolgreich ist.

Mittelmäßig sind leider auch die Rätsel, denn eigentlich gibt es bei Jack Keane gar nicht so viel zu tun. Man betreibt eher eine Art Adventure-Tourismus: Während des Spielverlaufs besucht man zwar unzählige hübsche Kulissen, doch meistens ist ein Kapitel nach vier bis fünf Amtshandlungen auch schon wieder abgeschlossen und es geht zum nächsten Ort. Da das Inventar niemals wirklich voll wird (ich hatte äußerst selten mal mehr als vier Gegenstände in der Tasche) und einem die Questanzeige immer sehr klar sagt, was als nächstes zu tun ist (die Reihenfolge ist also vorgegeben), fühlte sich mein erprobtes Abenteurergehirn nicht sonderlich herausgefordert.

Wie in vielen Adventures gibt es natürlich auch bei Jack Keane Referenzen zu anderen Computerspielen. Hier: Donkey Kong. Sogar mit passender Musik!

Besonders dumm finde ich ja immer Türen, hinter denen sich nichts befindet, oder Orte, die so weitläufig sind, dass man zwar lange braucht, um hin und her zu gehen, der Weg selbst aber keinerlei Bewandtnis hat. Leider traf ich bei Jack Keane auf beides. Das Hin- und Hergelaufe war allerdings nicht nur deshalb lästig, weil es mich nicht nur wertvolle Zeit kostete, sondern auch wegen der zum Teil sehr abenteuerlichen, seekrankenden Kameraführung. Aber gut, immerhin muss man die nicht selbst justieren; Jack Keane und Amanda lassen sich einfach mit gedrückter linker Maustaste steuern. Und ja, mit der Leertaste können sie springen! Warum man dieses Feature eingebaut hat, verstehe ich zwar absolut nicht (Adventures sind Adventures, Jump&Run ist Jump&Run. Man sollte schon wissen, was man tut, wenn man die beiden mischt. Bisher hat das Feature zumindest noch nichts Wesentliches zum Spielprinzip beigetragen), aber gut, es war jetzt auch nicht weiter störend.

Auch Jacks Kampfsystem hat sich mir noch nicht so richtig erschlossen. Die immer wiederkehrenden Zweikämpfe mit irgendwelchen Rüpeln vermitteln dem Spieler zwar den Anschein, es handele sich bei ihnen um abwechslungsreiche Minispiele; im Grunde verlangen sie einem aber auch nichts weiter ab, als innerhalb von ein paar Sekunden auf den richtigen Angriff oder die richtige Verteidigung zu klicken, wobei das stets diejenigen sind, die einem direkt zuvor beigebracht wurden. Hm.

Dschungelkönig für Affenmenschen!

Aber gut, zum Abschluss möchte ich dann aber doch noch etwas Lob walten lassen: Die Grafik ist wirklich hübsch anzusehen, die Kulissen sind abwechslungsreich gestaltet, die Sprecher gut und die Story fließt meinem Gefühl nach einem spannenden Twist entgegen. Ich werde also trotz aller kleineren Wehwehchen weiterspielen!

Je schöner die Grafik, desto lästiger die Bugs...

Ach, und liebes Deck 13 – Team: Ein Patch wäre echt toll, denn hin und wieder war bei mir der Bildschirm einfach mal... schwarz.

Quis.

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