Nachfolger-Problematik

(Artikel)
Christin Kämke, 15. Juni 2012

Nachfolger-Problematik

Shut up and take my money?

"Diablo 3, darauf habe ich zehn Jahre gewartet!" - Wieso eigentlich?
2012 scheint ein Jahr der Fortsetzungen zu sein. Neue Teile von bekannten Titeln, Helden und Schurken schießen wie Pilze aus dem Boden: Max Payne 3, Prototype 2, Risen 2, The Darkness 2. DLCs in Hülle und Fülle, Vorgeschichte, Nacherzählung, wie geht’s weiter und was denkt eigentlich Charakter XY davon? Innovative Konzepte, experimentelle Versuche und neue Ideen scheinen fehl am Platze.

"Kennst du schon Mega Run?", fragte mich meine Kommilitonin und zeigte mir das angeblich süchtig machende Spiel mit dem roten Monster. Was vielleicht beim springenden Vorgänger Mega Jump noch neuartig war (wohoo, man muss das Handy neigen!), verkommt zum Nachahmer. Man rennt und rennt vorwärts, sammelt Münzen und springt fiesen Fieslingen auf den Kopf, damit die sterben. Na, woher kommt uns das denn nur bekannt vor?


Mega Run? Mega alt.

Hmpf! Sind alle Entwickler denn wirklich zu Einfaltspinseln verkommen? Geht es ihnen nur noch darum uns möglichst schnell viel Geld aus der Tasche zu ziehen?

Nicht rumweinen – Schuld sind wir Gamer auch irgendwo. Der Mensch ist nun mal ein gemütliches Gewohnheitstier, alte Liebesbriefe schmeißen wir genauso ungern weg wie unser treustes, zerdrücktes Kuscheltier. Wenn einem das Gericht im Restaurant gefällt, probiert man das nächste Mal nur selten etwas Neues: Hat jeschmeckt, nemme ma‘ noch mal.
Und so werden wir auch den 40ten Teil von Final Fantasy, Tomb Raider und Mario Kart kaufen und spielen. Selbst wenn uns eventuell schon der Vorgänger tierisch auf die Palme gebracht hat – irgendwie liebt man eben diese Welt, den Charakter und die Idee dahinter. Und die Nachfrage bestimmt nun mal das Angebot.

Wer das Meckern dann nicht sein lassen kann, sollte sich fragen, ob es sinnvoll ist, den bekannten Titeln weiterhin die Treue zu schwören. Vielleicht sollte man einfach mal aufhören den neuen Teilen nachzujappeln? Als Vorsatz zum neuen Jahr, zum Beispiel, neben dem Gebot mehr Sport zu machen und endlich das Rauchen aufzugeben?

Mutige könnten sogar ihre Freunde anregen, mitzumachen; ohne direkte Konfrontation, fällt es eben doch meist leichter auf Annehmlichkeiten zu verzichten und keinen Rückfall zu erleiden. Aber wie das so mit Vorsätzen für neue Jahre ist: Halten tut man sie beinah nie. Dini

Kommentare

Nils
16. Juni 2012 um 10:52 Uhr (#1)
Guter Artikel, aber ein Aspekt fehlt mir da durchaus. Meines Erachtens ist das Problem auch, dass es für die Entwickler(studios) ein nicht unerhebliches finanzielles Risiko ist, ein innovatives Spiel zu entwickeln. Die moderneren Spiele können von den Kosten her durchaus mit einigen Filmen mithalten. Dazu kommt die Produktionszeit von einigen Jahren (bis hin zu Jahrzehnten bei einigen Spielen). Da werden sich die Entwickler doch zweimal überlegen, ob sie alles bisherige über Bord werfen und vom Reißbrett neu entwickeln oder die bereits erfolgreiche Reihe fortsetzen...
Ben
16. Juni 2012 um 12:27 Uhr (#2)
Da muss ich Nils Recht geben. Von einem finanziellen Standpunkt aus ist es wohl das Klügste, bekannte Formeln, die sich als erfolgreich ehrausgestellt haben, wiederzuverwenden.

Wenn man Nintendo betrachtet, findet man jedoch das Gegenteil. Die Entwicklung der Wii war ein gigantisches Risiko. Aber letztlich haben sie damit eine der erfolgreichsten Konsolen aller Zeiten verkauft, zumindest die mit Abstand erfolgreichste der auslaufenden Generation. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt! Denn wenn man durch Innovation der Konkurrenz etwas Voraus hat, ist der Erfolg umso größer.

Rian
16. Juni 2012 um 13:48 Uhr (#3)
Ich denke, dieser Aspekt wurde - jetzt mal die allgemeine Länge des Artikels betrachtet - mit dem Aufruf, dass man halt jenseits der großen Franchises kaufen sollte, ausreichend zur Sprache.
Gast
13. Dezember 2017 um 12:27 Uhr
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