The Division vs. Destiny

(Artikel)
Benjamin Strobel, 16. März 2016

The Division vs. Destiny

Die MMO-Shooter im großen Namensvergleich

Destiny ist Bungies großer RPG-Shooter mit Zehnjahresplan, The Division ist Ubisofts jüngste Antwort auf den Genremix. Obwohl die Spiele durchaus unterschiedlich sind, haben sie einige Gemeinsamkeiten. So gibt es viele gute Gründe, beide miteinander zu vergleichen. Der offensichtlichste Gemeinsamkeit liegt jedoch in den Namen. Beide Titel fangen mit einem D an. Zufall? Nur ein Idiot würde an Zufälle glauben.

Man liest dieser Tage eine Menge über The Division. Es ist aber auch viel Unsinn dabei. Um den Diskurs wieder mit Niveau anzufüttern, möchte ich in diesem Beitrag die sträflich vernachlässigte Namensähnlichkeit zwischen Destiny und The Division besprechen. Doch das Thema ist schwierig und voraussetzungsreich, ich möchte mich also in aller Förmlichkeit entschuldigen, wenn bei den intellektuellen Höhenflügen jemand abgehängt wird.

Die Buchstaben in der Analyse
Das Offensichtliche zuerst: Beide Titel fangen mit D an. Das wäre nicht so schockierend, wenn es dabei bliebe, doch die Liste der Ähnlichkeiten wächst, je genauer man hinschaut: So lässt sich anmerken, dass beide sowohl Is als auch Ns beinhalten. An dieser frühen Stelle des Vergleichs kann man bereits festhalten, dass The Division in Sachen Is die Nase vorn hat. Ein Verhältnis von 3:1 beim neunten Buchstaben des Alphabets ist deshalb so bedeutsam, weil eine derart hohe Quote nur selten erreicht wird. Nehmen wir beispielsweise den RPG-Shooter Borderlands. Nach reiflicher Prüfung stellt man fest: keine Is.

Was Destiny bei den Is fehlt, macht es mit einem stylischen Y wieder wett. Die Häufigkeit des Ypsilons in englischen Texten liegt bei unter zwei Prozent und beim englischen Scrabble gibt es immerhin 4 Punkte. Hier kontert The Division mit einem eleganten V, das zwar etwas seltener vorkommt als ein Y, bei Scrabble aber nur 3 Punkte einbringt. Müsste ich mich zwischen V und Y entscheiden, würde ich dem Y klar den Vorzug geben, weil es typographisch einfach mehr überzeugen kann (es ist quasi ein V auf einem Podest, also das bessere V - denkt mal drüber nach).

Man darf aber nicht vergessen, dass Division einen Buchstaben mehr hat als Destiny. Nimmt man noch den Artikel dazu, ist das rein zahlenmäßig eine echte Klatsche. Insgesamt stellt sich das Buchstaben-Battle somit als Kopf-an-Kopf-Rennen heraus, bei dem sich beide Spiele gut präsentieren können.

Bedeutung und Herkunft
Haben wir uns eben noch auf Buchstabenlevel mit den beiden Titeln beschäftigt, wechseln wir nun auf die deutlich komplexere Wortebene. Beide Namen sind dreisilbig und stammen aus dem Englischen. Da wir an der Oberfläche offensichtlich nicht weiterkommen, müssen wir tiefer in die Bedeutungen eintauchen.

Mit Destiny (englisch für Bestimmung) hat sich Bungie einen bedeutungsschweren Topos ausgesucht, der in der Philosophie vielfach diskutiert wurde. So findet Arthur Schopenhauer, dass die Bestimmung eigentlich nur eine Manifestation des Lebenswillens ist. Das muss man erst mal sacken lassen. Der geschulte Leser aber sieht sofort: Für das Shooter-Genre hat der Titel eine wichtige Bedeutung, da das Überleben essentieller Bestandteil des Gameplays ist. Denn wer stirbt, der verliert! Das ist zutiefst existentialistisch. Nur wer einen großen Lebenswillen hat, kann sich letztlich in Destiny behaupten. Durch den Titel wird den Spielern dieser Lebenswille quasi mit auf den Weg gegeben - eine tolle Geste der Entwickler.

The Division kann dem philosophischen Riesen kaum etwas entgegensetzen. Mir ist auch völlig rätselhaft, warum Ubisoft sich bei allen verfügbaren Grundrechenarten ausgerechnet für die Division (das Teilen) entschieden hat. Etwas mathematisch zu teilen bedeutet, dass man im Ergebnis weniger hat als vorher. Nehmen wir etwa eine so kleine Zahl wie die Zwei. Teilt man etwas nur einmal durch zwei, hat man sofort nur noch die Hälfte. Es ist frappierend! Was möchte Ubisoft uns damit sagen? Halber Spielspaß? Halbe Spielzeit? An diesem Beispiel könnt ihr ganz anschaulich nachvollziehen, warum Division kein guter Titel ist. Dabei sind andere Grundrechenarten viel positiver konnotiert, etwa die Addition (= mehr) und die Multiplikation (= viel mehr).

Um sich von dem früher erschienen Destiny doch noch positiv abzuheben, bedient sich Ubisoft eines gewieften Tricks: Das eingängige Substantiv wird zusätzlich durch einen bestimmten Artikel ergänzt. Vollständig also The Division. Der Artikel verleiht dem Namen noch mal etwas Nachdruck und drückt dadurch Bestimmtheit aus. Es liegt deshalb nah, dass das Studio mit der Metapher der Bestimmtheit bewusst versucht, mit dem Konzept der Bestimmung zu konkurrieren. So macht The Division seine Patzer unterm Strich wieder wett. Erneut sind beide Spiele im Vergleich auf einer Höhe.

Eine Entscheidung
Da beide Titel in wichtigen Aspekte gleich auf sind, haben wir noch tiefer recherchiert und sind auf einen wichtigen Hinweis gestoßen: Destiny ist nicht nur ein Spiel, sondern auch ein Song der Band Zero 7. Und was passiert, wenn man sieben durch null teilt? Also dividiert? Das darf man nicht! Ganz klar ist das ein Hinweis darauf, dass die Entwickler beider Spiele nicht wollen, dass man die Spiele miteinander vergleicht.* Das kommt uns irgendwie entgegen, weil wir uns ohnehin für keinen Sieger entscheiden können. Egal. Das Wichtigste ist doch, am Ende einen wichtigen Beitrag zum Diskurs geleistet zu haben. Ben

*Dies könnte außerdem ein versteckter Hinweis auf den Release von Half-Life 3 sein. Denn drei ist ebenfalls nicht durch null teilbar, die Allegorie schlägt hier sehr deutlich durch.

Kommentare

Rian
16. März 2016 um 23:42 Uhr (#1)
Also, für mich hat hier The Division ganz klar gewonnen. Ist schließlich THE Division. Also die einzig wichtige. Da braucht es keine anderen mehr!

Destiny dagegen, pfff. Wessen Destiny? Meins? Deins? Das von Gerda, der Bohnenkellnerin? Ich weiß nicht mal, was eine Bohnenkellnerin ist, aber will ich deswegen mit ihrem Schicksal zu tun haben? Ja. Aber das tut hier nichts zur Sache. Wäre Destiny jetzt The Destiny, dann wäre das schon ein Schlag ins Gesicht. Das würde ja gleich alle anderen Schicksale invalidieren. Wenn du nicht The Destiny gespielt hast, dann kannst du auch gleich in der Vergessenheit verblassen. Aber Gerda gegen die einzig wahre Division? Da ist doch nun wirklich der Sieger eindeutig.
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25. August 2016 um 22:05 Uhr
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