Warum mich Destiny enttäuschte

(Artikel)
Torsten Ingendoh, 16. Dezember 2014

Warum mich Destiny enttäuschte

Eine Analyse

Wer Großes geleistet hat, hat es nicht leicht. Der Erfolg muss wiederholt werden. Was man einmal geschafft hat, das schafft man doch sicher auch ein zweites mal. Für Bungie war diese Leistung definitiv die Halo-Serie. Mit dem Ende des Exklusivvertrages mit Microsoft und dem darauffolgenden Wechsel zu Activision war der Erwartungshaltung groß. Destiny, ihr erstes Spiel ohne Master Chief, löste große Hypewellen aus, ein Zehnjahresplan wurde angekündigt, Bungie beglückt Spieler im Jahr 2014 mit dem heißesten Game seit der Erfindung von Steinofenpizza. Das Ergebnis? Ernüchternd. Destiny ist kein schlechtes Spiel. In der Zeit, in der ich es aktiv gespielt habe, hatte ich durchaus meinen Spaß damit. Doch Bungies MMO-Shooter fehlte es an Substanz und dem gewissen Etwas. Was das konkret heißt, das möchte ich ein wenig näher erforschen. Dabei werde ich nicht nur den Vergleich zu anderen MMOs ziehen, sondern auch zum Hype und seinen Versprechungen.

Die Story
Bungie weiß, wie man eine Geschichte erzählt. Das haben sie mit Halo - in manchen Kreisen auch das Star Wars der Videospiele genannt - bewiesen. Es ist also kein Wunder, dass von Destiny ein ähnliches Weltraum-Epos erwartet wurde. Wir bekamen es nicht. Destinys Hauptproblem ist hier ein gewisser Mangel an epischem Gefühl. Wir kennen die Welt nicht, die wir schützen sollen, genauso wenig kennen wir die Feinde - die ominöse Darkness oder die einzelnen Alienrassen. Warum also erklärt niemand, was eigentlich gerade passiert? Bezeichnnendste Stelle ist hierfür der erste Dialog mit dem Speaker, der Stimme des Traveler - dem außerirdischen Beschützer der letzten Menschen. In diesem Dialog hält er dem Spieler vor, was für Geschichten er uns erzählen könnte, es aber nicht tut. Niemand erzählt uns irgendwas. Im Laufe der Story schickt uns Dinklebot von Planet zu Planet, gibt uns irgendwelche Aufgaben und hoppla, das war ja der Endkampf. Gut gemacht, Erde gerettet.

Dabei ist durchaus eine Menge Lore in Destiny vorhanden. Man kann jede Menge Grimmoire-Karten freischalten, um dann auf Bungie.net alles nachzulesen. Und das ist das große Problem. Nichts davon ist im Spiel. Wer sind die Fallen, wo kommen sie her, was wollen sie? Wer sind die Hive, wer sind die Vex, wer sind die Cabal? Wer das wissen will, der muss das Spiel verlassen und selbst recherchieren. Tut ihr das nicht, dann habt ihr keine Ahnung, wovor ihr überhaupt die Erde und den Traveler rettet. Was auch immer die Darkness tut, ich merk davon nichts.

destiny-2Es war nicht gerade ein Storybollwerk.

So muss das nicht sein. MMO-Primus World of Warcraft scheut sich nicht davor, dem Spieler zumindest ein Grundwissen über seine Welt zu vermitteln. Schon bei der Charaktererstellung kann man nachlesen, wer die verschiedenen Völker sind. Destiny schweigt sich aus. Such dir aus, ob du Mensch, Awoken oder Exo sein willst. Dass Awoken blau im Gesicht sind und die Exo Androiden sind, das ist alles, was man erfährt. Was wollen unsere Feinde? Nun, bei WoW wollen sie im Grunde die Weltherrschaft, jeder Feind in jedem Addon auf seine eigene Weise. Die Darkness in Destiny will den Traveler vernichten... glaub ich.

Destiny erzählt seine Story durch Missionen, die uns auf drei Planeten und den Mond führen. Der Aufbau ist dabei durchaus mit einem Singleplayerspiel zu vergleichen. Da hat die Halo-Serie einiges zu bieten gehabt. Die Schlacht um Halo, um die Erde, um das Schicksal der Menschheit - sie wurde eindrucksvoll in Szene gesetzt. Was bietet Destiny? Ziemlich unspektakulären Hickhack. Das Design der Missionen ist sehr repetitiv. Man landet am immer gleichen Startpunkt, man kriegt von Dinklebot gesagt, wo man hingehen soll, schießt ein paar Feinde ab, die blöd im Weg stehen, und tut irgendwas. Dann muss man meist die Stellung halten oder einen Boss besiegen. Mission fertig, zurück zum Schiff, nächste Mission auswählen. Und die soll ich im Endgame immer wieder spielen, weil sie gerade Tagesheroic sind?

Wo ist nun das Weltraumepos, das uns versprochen wurde? Die Story schreitet nur statisch fort, da nur der Spieler aktiv zu sein scheint. Die Aliens reagieren nur auf das, was wir tun, jegliche Veränderung in der Welt wird von uns selbst ausgelöst. Nie muss der Spieler auf irgendetwas reagieren, was die Aliens getan haben. Das ist noch ein Grund, warum die Gefahr so unwirklich erscheint. Es wird nicht der Eindruck vermittelt, dass der Traveler in naher Zukunft angegriffen wird. Von wem auch, die Aliens kloppen sich ja auch untereinander.

Die Mechaniken
In Sachen Gameplay gibt es eigentlich nicht viel zu Meckern. Es macht sehr viel Spaß in Destiny zu kämpfen, sei es gegen die Aliens, oder im Crucible gegen andere Spieler. Es ist das drumherum, dass einen fahlen Beigeschmack auslöst. Mein erster Gedanke, als ich Destiny gesehen habe, war "Borderlands in Ernst". Ganz unrecht hatte ich damit nicht. Was Borderlands aber sehr gut vermittelt, ist das Gefühl des Wachstums. Mit jedem Level werde ich stärker, kann mich Größerem widmen. Mit jeder neuen Waffe haue ich mehr auf den Putz als vorher. Vor allem kann ich alte Gebiete latschen, wo alles mindestens zehn Level unter mir ist und nach Herzenslust jeden Feind ohne Probleme niedermetzeln.

Destiny vermittelte mir das nicht. Jeder Levelup war nur ein Schritt näher ans Endgame. Bekommt man bessere Rüstung oder Waffen, so schien der Unterschied nur auf dem Papier. Ein Problem, das vor allem das Endgame plagt. Equipment levelt mit, also muss man seinen Kram länger behalten. Nach und nach darf man dann bei Waffen den Schaden erhöhen bzw. bei Rüstungen den Schutz. Und wenn man ganz genau hinguckt, dann sieht man vielleicht, dass man nur noch fünf Schüsse mit dem Autorifle braucht, und nicht mehr sechs. Dann droppt ein Gewehr, das einen höheren Level hat als das, was man gerade benutzt. Aber das Gewehr ist noch schlechter, weil es noch aufgerüstet werden muss. Freue ich mich darüber? Nein, weil ich erst mal einen Schritt zurück machen muss, bevor ich einen Schritt nach vorne machen kann.

destiny-loot-cave-insideDie Lootcave zeigte deutlich, warum das System so schlecht ist.

Grundsätzlich ist das Lootsystem eigentlich eine mittelschwere Katastrophe. Was erwartet man, wenn man in einem lootfokussierten RPG einen Boss tötet? Richtig: Loot. Was kriegt man in Destiny? Keinen Loot. Den gibt es erst, wenn man die Mission beendet hat. Und dann wird dieser Loot zufällig aus dem ganzen, verfügbaren Pool ausgewählt. Das macht es fast schon unmöglich gezielt nach neuer Ausrüstung zu suchen. Und vor allem wird man hier nicht für Leistung belohnt. So sehr ich mich damals über den Ice Breaker, eine Sniper mit regenerierender Munition, gefreut habe: die Tatsache, dass ich ihn per Zufall im Crucible nach einer grottenschlechten Partie gewonnen habe, ist eigentlich ein Schlag ins Gesicht für alle anderen.

Es hilft auch nicht, dass die Strikes ein unfassbar ödes Bossdesign an den Tag legen. Die sind durch die Bank reine Kugelschwämme. Du und dein Team müssen nur solange draufbolzen, bis der Obermotz den Löffel abgibt, dabei nur gut aufpassen, dass man selbst am Leben bleibt. Besondere Strategien sind nicht erforderlich, man muss nur wissen, wann man sich zurück zieht, um sich zu heilen. Auch hier bieten andere MMOs was Besseres. Es gibt immer irgendeine Taktik, die beachtet werden muss, sonnst liegt die Gruppe im Dreck. All das sind Mängel, die im Raid behoben wurden, aber für den Raid gibt es kein Matchmaking. Na ja, ist auch gut, dass man für Strike-Bosse keine Taktik braucht, bis vor Kurzen gab es eh keinen Voicechat unter Fremden.

Schlussgedanken
The Dark Below ist der erste DLC. Ich habe ihn mir nicht geholt. Beseitigt er meine größten Kritikpunkte? Keine Ahnung, ich finde es kommt auch zu spät. Ich habe einige Stimmen gehört, die Destiny ohne DLC als Intro zu etwas Epischerem bezeichneten. Das mag vielleicht sein, aber das wurde mir nicht versprochen und dafür habe ich auch nicht bezahlt. Andere sagen, dass man aus Destiny viele Spielstunden gewinnen kann. Das stimmt, das habe ich auch, doch diese Stunden waren nicht sonderlich aufregend. Außerdem kann man aus jedem Spiel viel Zeit rausholen. Wer beim notorisch kurzen Metal Gear Solid V: Ground Zeroes alle Nebenaufgaben erledigen will, der wird auch lange dran sitzen. Der spannendste Teil ist dennoch nach bereits einer Stunde vorbei. Destiny ist kein schlechtes Spiel. Ich hatte meinen Spaß damit und bereue nicht meine Zeit als Hüter. Doch diese Zeit ist vorbei. Ich hoffe, dass Bungie dazu lernt und den Fans mit den DLCs das Spiel liefert, dass sie verdienen.

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19. November 2017 um 00:24 Uhr
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RELEASE
09. September 2014
PLATTFORM
Playstation 3
Plattform
Playstation 4
Plattform - Die Playstation 4 (PS4) von Sony ist eine Spielkonsole der 8. Generation. Sie erschien am 29. November 2013 europaweit als Nachfolger der Playstation 3.
Xbox 360
Plattform
Xbox One
Plattform - Nachfolger der Xbox 360 von Microsoft. Angekündigt am 21. Mai 2013, ist die Heimkonsole am 22. November 2013 in Deutschland und weiten teilen Eruopas erschienen.

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