Destiny Beta

(Artikel)
Paul Rubah, 28. Juli 2014

Destiny Beta

War gut.

Destiny, falls ihr es nicht wisst, da ihr die letzten Jahre zur E3 und Gamescom regelmäßig auf eine einsame Insel gefahren seid, ist Bungies neuestes Spiel. Diesmal nicht unter den Fittichen von Microsoft, sondern Hand in Hand mit Publisher Activision. Als ich Destiny zum ersten Mal sah, ging ich wegen seiner MMO-Anleihen davon aus, es würde ein Borderlands: Halo werden. In der Beta stellte sich heraus, dass es tatsächlich ein Halo: Borderlands ist.

Das liegt in erster Linie an dem unverkennbaren Shooter-Stil der Halo-Schöpfer. Seien es nun die Laufgeschwindigkeit, die Sprunghöhe oder die Waffenauswahl, die von den Sounds, den Schussfrequenzen und sonstigen Eigenheiten nur so Halo schreien. Natürlich gibt es kleine Unterschiede: Da Destiny die RPG-Schiene fährt, lassen sich häufig benutzte Waffen mit kleinen Schmankerln upgraden, so dass man nicht jede Wumme eintauschen sollte, nur weil die nächste etwas mehr Power hat. Auch besitzen die drei Klassen ein paar unterschiedliche Fähigkeiten: eine an die Klasse gebundene Granate und ein Angriff, den man in MOBA-Terminologie "Ulti" nennen würde. Dieser lädt elendig lange auf, tötet aber so ziemlich alles, was ihm in die Quere kommt. Bei den Titans ist es ein schneller Sprung mit anschließendem HULK SMASH, die Hunter bekommen temporär eine Knarre mit Instadeath-Munition und die Warlocks schmeißen eine thaumaturgische Bombe auf den Boden. Diese Fähigkeiten können mit der Zeit verstärkt und Effektänderungen unterzogen werden. Aus der Votexgranate des Warlock wird dann eine Splittergranate. Die Wahl von Waffen und Fähigkeiten lässt sich jederzeit ändern - sogar im Multiplayer.


Vom Shooter zum MMO-Shooter
Statt nun mit bis zu zwei Kompagnons durch Missionsschläuche zu hänseln, wählt der Spielleiter einen Auftrag aus. Anschließend landet die Gruppe in einer ziemlich, ziemlich großen Hub-Welt. Hier darf man sein Vehikel beschwören, explorieren, kleine Missiönchen erledigen, anderen Spielern bei aufploppenden Events zur Hand gehen oder auch einfach munter Feinde töten und Herausforderungen erledigen. Letztere geben einem Abzeichen und Respekt, welche man wiederum gegen richtig stilvolle Ausrüstung eintauschen kann. Betritt man das Missionsgebiet, wird nahtlos eine Instanz gestartet. Ab diesem Zeitpunkt ist die Feuergruppe auf sich allein gestellt und der Respawntimer nach dem Ableben ist von fünf Sekunden auf eine halbe Minute hochgesetzt. Ist das ganze Team auf einmal ausgelöscht, muss man zum letzten Checkpoint zurück.
Bisher sind die Missionen nett, aber nichts Besonderes. Einzig die härteste Storymission kann etwas Aufsehen erregen, denn nacheinander muss man eine Stellung halten, einem sehr anspruchsvollen Miniboss das Handwerk legen und anschließend den Boss legen. Das Ganze dauert entsprechend lange, aber am Ende der Herausforderung fühlt man sich doch ein wenig badass, dass man es hinter sich gebracht hat.

Offensichtlich hat Destiny MMO-Anleihen, lässt sich aber auch problemlos von Introvertierten spielen. Nichtsdestotrotz: Kein MMO ohne Loot und Item-Management. Das fällt in Destiny wunderbar komfortabel aus. Die Charaktermenüs sind simpel gehalten, die Navigation funktioniert problemlos und man kann zu jeder Zeit überflüssige Items verkaufen. Die Action wird dadurch kaum unterbrochen und nur ab und an muss man einen Pitstop im Tower, der letzten Stadt der Menschheit, einlegen. Auch hier profitiert die Dynamik von den handlichen Shops und Menüs. Items sind in wenigen Minuten ge- und verkauft, neue Missionen angenommen, und wichtige Ereignisse werden durch auffällige, grüne Marker angezeigt. Wenig später ist man wieder da, wo man sein will: Im Kampf gegen Mutanten, Aliens und Roboter.

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Geschichte, Geschichte
Die Story befindet sich derzeit auf Alibi-Niveau. Dass die Menschheit vor der Ausrottung steht, davon ist wenig zu spüren, da der Tower so verdammt friedlich ist und kaum Knappheit an irgendetwas besteht. Draußen geht die Welt unter, aber man geistert relativ munter durch die Storymissionen, bekommt seinen Flavortext von Peter Dinklage aufgesagt und letzten Endes wird sowieso der Traveler - diese die Menschheit beschützende Himmelskugel - irgendwie explodieren und alle Feinde der Menschheit mit sich nehmen. Bungie lässt Probleme gerne per Nuke lösen, und alle Zeichen deuten darauf hin, dass Destiny keine Ausnahme sein wird.

Ich kann an dieser Stelle nicht anders, als das Charakterdesign der Spielerfiguren positiv zu erwähnen. Im Grunde ist jeder Charakter eine vermummte Person, aber egal, wie viele Klamotten ich meinen Leuten anziehe: Es sieht irgendwie immer gut aus. Der visuelle Stil des Spiels zeigt sich hier sehr gut, dieses leicht Verlotterte, Wüstenräuberige, Guerilla-artige. Zudem gibt es Synchronsprecher für männliche sowie weibliche Figuren (auch wenn sie generell nicht viel sagen) und ich persönlich finde es großartig, dass sich die Geschlechter im Spiel fast bis zur Unkenntlichkeit nicht unterscheiden. Ich nenne das gutes Figurendesign in einem MMO. Andere mögen es faul nennen. Nichtsdestotrotz denke ich, dass sich Spielerinnen in diesem Shooter wesentlich mehr repräsentiert und respektiert fühlen werden als in manch einem Fantasy-RPG, das die Spielfigur mit entblößtem Bauchbereich neben einem männlichen, voll ausstaffierten Ritter doch etwas inadäquat ausschauen lässt.

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Bungie weiß, wie man Multiplayer
Puncto Multiplayer zeigt die Beta, dass Bungie nichts von ihrem Know-How in Sachen Onlinestabilität eingebüßt hat: Dreispieler-Koop funktionierte tadellos, auch weitere Guardians außerhalb der Instanzen haben nie für irgendwelche Einbrüche gesorgt. Ab und an kommt es vor, dass Mitspieler kurze Distanzen lagteleportieren, aber selbst dieser Umstand ist mit einem kleinen Spezialeffekt versehen, so dass man es nicht so stark als Fehler wahrnimmt. Es wirkt fast gewollt.

Dementsprechend macht auch der Multiplayer 6 vs 6 keinerlei Querelen. Spielbar war der Modus Control: eine Mischung aus Domination (Punkte auf der Karte halten) und Deathmatch. Teams können hier durch Abschüsse und durch Eroberungen sowie gehaltene Punkte dem Sieg näher kommen. Eigentlich eine interessante Idee, die mir persönlich aber das Konzept der Domination etwas zu sehr aufweicht. Häufig kommt es vor, dass man als Halter von zwei Punkten in Rückstand fällt, weil das andere Team seinen Score mit Tötungen erhöht. Warum sich dann überhaupt großartig um Eroberungen kümmern?

Weitere Multiplayermodi waren außerdem einsehbar, allerdings noch ausgegraut: Clash ist wohl das übliche Deathmatch, Rumble ist ein Free For All, Combined Arms ist ein vehikelbasiertes Deathmatch, Skirmish ist die 3-vs-3-Version von Clash und Salvage scheint ein missionsbasierter Modus für zwei Dreierteams zu sein.

Das "Problem" mit dem Multiplayer ist Folgendes: Es ist Halo. Das ist an sich nichts Schlechtes (deswegen kann man "Problem" in gar nicht genug Anführungszeichen klammern), aber nach dem Generationensprung und in einem Genre Post-Titanfall wirkt das auch nicht mehr wie eine Leistung. Klar, man kann seine eigenen Loadouts ins die Kämpfe mitnehmen und der strategische Einsatz der Spezialfähigkeiten lässt ein wenig MOBA-Luft durch die Gemäuer wehen - das sind nette Features. Letztendlich ist der kompetitive Multiplayermodus aber nur vorhanden, weil Bungie in- und auswendig weiß, wie er funktioniert und Spaß macht. Es wäre Verschwendung gewesen, keinen einzubauen.

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Sieht nett aus
Da wir uns noch im ersten Jahr einer neuen Konsolengeneration befinden, muss jedes Spiel zwangsläufig kurz aus der grafischen Perspektive behandelt werden. Destiny sieht nett aus. Das war's. Es ist kein optisches Spektakel, aber die Gegenden sind hübsch und abwechslungsreich, die Feindmodelle wirken rund, die Spezialeffekte haben einen ordentlichen, aber keinen übertriebenen Umpf! Ich würde an dieser Stelle lieber über Marty O'Donnels Soundtrack sprechen, aber es gibt noch zu wenige Stücke, um treffend prognostizieren zu können, ob der Maestro wieder die alte Form erreichen wird.

Die Destiny-Beta machte Spaß. Daran habe ich auch nie wirklich gezweifelt. Allerdings bestätigt sich auch mein Eindruck, dass Bungie mit ihrem neuesten Projekt auf Nummer Sicher gehen. Alles funktioniert, alles ist gut, aber kein Feature bewegt zum Augenöffnen. Unterm Strich ist es Halo mit Charakterentwicklung und Gegrinde in fröhlicher Runde. Aber damit kann ich leben.

Kommentare

Haris
29. Juli 2014 um 22:05 Uhr (#1)
Um ehrlich zu sein ist genau das auf Nummer Sicher gehen das, was mich am meisten an Destiny stört. Es fühlt sich genau an, wie ich es erwartet hätte: ein Mix aus 80% Halo und 20% Borderlands. Und genau da ist dann für mich auch der Knackpunkt zu finden.

Es wirkt wie eine Kopie, eine Kopie, die den Originalen sehr, sehr nahe kommt (oder sie in manchen Aspekten sogar übertrumpft, beispielsweise Musik von Halo 4 vs. Destiny) aber dennoch eine Kopie bleibt. Ich spiele Destiny und denke mir, dass ich doch gerne ein MMO-Halo spielen würde oder von mir aus auch ein normales Halo. Es fällt mir schwer, Destiny als eigenständiges Produkt wahrzunehmen, weil ich den dauernden Vergleich it Halo vor Augen habe. Ich hoffe einfach nur, dass die Monate bis zum Release reichen, damit die Story von Destiny noch etwas an Substanz gewinnt, statt nur eine Art neuer Farbanstrich für das altbekannte Halo-Gameplay zu werden.
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19. November 2017 um 00:24 Uhr
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RELEASE
09. September 2014
PLATTFORM
Playstation 3
Plattform
Playstation 4
Plattform - Die Playstation 4 (PS4) von Sony ist eine Spielkonsole der 8. Generation. Sie erschien am 29. November 2013 europaweit als Nachfolger der Playstation 3.
Xbox 360
Plattform
Xbox One
Plattform - Nachfolger der Xbox 360 von Microsoft. Angekündigt am 21. Mai 2013, ist die Heimkonsole am 22. November 2013 in Deutschland und weiten teilen Eruopas erschienen.

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