Syndrome im Test

(Artikel)
Torsten Ingendoh, 15. November 2016

Syndrome im Test

Indie-Horror im All

Horrorspiele haben sich in den letzten Jahren mehr zu einer Indie-Nische entwickelt. Die großen Studios scheinen wohl kein Potential mehr in diesem Genre zu sehen, weswegen sich klassische Serien wie Resident Evil sich mehr zu Actionspielen entwickelt haben. Der finanzielle Misserfolg von Alien: Isolation half da auch nicht. Doch Spiele wie Amnesia zeigten, dass die Indie-Szene das Genre alleine am Leben halten kann. Und hier möchte auch Syndrome ein Zuhause finden. Angepriesen als eine Indie-Variante von Alien: Isolation schickt es uns ins Weltall. Und dort kann euch niemand schreien hören.

Man schlüpft in die Rolle eines ganz normalen Besatzungsmitglieds an Bord eines zivilen Frachters. Um ein paar Mücken dazu zu verdienen, willigt ihr ein, ein paar Soldaten und ihre Fracht mitzunehmen. Und damit fangen die Probleme an. Als ihr aus dem Kryoschlaf erwacht, treibt das Schiff gespenstisch durchs Weltall, von der Besatzung finden sich nur Leichen. Was ist passiert? Das sollt ihr herausfinden. Und natürlich möchtet ihr nach Hause, wobei zwei der Überlebenden euch helfen wollen, die sich aber gegenseitig nicht trauen. Und ihr genau in der Mitte.

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Der Vergleich zu Alien: Isolation kommt nicht von Ungefähr. Man ist im Spiel spärlich bewaffnet unterwegs, man trifft auf Gegner, die man töten kann, man Gewalt besser einfach vermeidet, und es gibt einen Gegner, der unbesiegbar ist und auf jeden Fall gemieden werden muss. Die häufigsten Gegner sind ehemalige Crewmitglieder, die von einem Artefakt aus der Fracht in den Wahnsinn getrieben wurden. Diese Gegner haben sich selbst Gliedmaßen amputiert und durch mechanische Arme und Beine ersetzt. Sie bewegen sich wie Zombies und wollen euch ans Leder. Glücklicherweise sind sie langsam und lassen sich leicht umgehen.

Gefährlicher ist da die Kreatur, welche nur "the Beast" genannt wird. The Beast kann nicht getötet werden, hat aber eine große Schwäche: es ist blind. Dafür kann es alles hören, also ist schleichen angesagt. Aber mit "alles hören" meine ich auch alles hören. Dazu gehören auch sich öffnende Türen, Lampen mit Bewegungssensor und euer Husten, wenn ihr durch Dampf oder Rauch schreitet. Solange es euch nicht gefunden hat, stampft es mehr oder weniger ziellos umher und wartet darauf, dass es was für die Ohren gibt. Glücklicherweise kann man auch einige Objekte in der Umgebung finden, um sie zu werfen. Das lenkt the Beast auch von euch ab.


Ich muss leider sagen, dass Syndrome mich nicht überzeugen konnte. Dabei zeigt das Spiel durchaus Potential. Ich mag das Design des Schiffs, der Räume. Es sieht sehr nach dem aus, was es ist: ein Frachter, der nicht mit Schönheit punkten muss. Doch dann gibt es so seltsame Kleinigkeiten hier und dort, wie die übermäßige Verwendung von lizenzfreien Bildern als Dekoration, die nicht so passend gewählt wurden. Irgendwer auf dem Schiff scheint dieses alte Albert-Einstein-Bild mit der rausgestreckten Zunge sehr zu mögen, es findet sich recht oft an irgendwelchen Wänden. Am unpassendsten sind wohl die Fotos im Trainingsraum des Schiffes, denn dort findet man Abbildungen aus Fitnesstudios unserer Zeit. Dass die Synchronsprecher hörbar unprofessionell sind, sorgt eigentlich für einen gewissen Charme, manchmal sind die Betonungen aber so schlecht, dass man nur mit den Augen rollen kann.

Und das größte Hindernis für mich ist die einfache Tatsache, dass mich das Spiel zwar nervös macht und für eine gewisse Anspannung sorgt, jedoch immer knapp daran scheiterte, mir Angst einzuflößen. Zum einen, weil dem Spiel im Look einfach der Feinschliff fehlt. Es wirkt alles irgendwie klobig, wie ein altes Gamecube-Spiel, nur mit mehr Polygonen. Die Gegner selber wirken auch nicht sonderlich bedrohlich auf mich, habe ich doch sehr schnell gelernt, wie ich ihnen aus den Weg gehen konnte. Schlimmer noch: Mit etwas Übung kann man die normalen Gegner ohne große Mühe niederstrecken. Einfach mit dem großen Schraubenschlüssel auf sie zugehen, dabei zuschlagen und während sie in der Stolperanimation sind, muss man nur einen Schritt zurück gehen. Das wiederholt man solange, bis der Gegner tot ist. Umkreisen und in den Rücken schlagen geht übrigens nicht, die Gegner können sich auf der Stelle binnen eines Frames zu euch umdrehen. Und the Beast auch kann man sehr leicht austricksen.

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Hinzu kommen weitere Ärgernisse. Die Steuerung ist etwas schwammig und man kann die Tastenbelegung nicht ändern. Das wäre nicht so schlimm, aber manche Tasten sind doch etwas ungünstig verteilt. So muss man C gedrückt halten, um geduckt zu bleiben. Wenn man Konsolen bedient oder Logs liest, dann muss man mit der Maus extra auf "Schließen" drücken, man kann nicht per ESC oder einer anderen Taste das Menü verlassen. Schlimmer noch: Wenn man ein Gamepad angeschlossen hat, dann bevorzugt das Spiel das Gamepad. Sämtliche Bildschirmaktionen werden dann mit Xbox-One-Tasten angezeigt, egal, womit man steuert. Das Gamepad ausstöpseln ändern daran nichts. Schlimmer noch, man kommt ohne Gamepad nicht mehr aus den Computern und Logs heraus, da man die Maus nicht mehr bewegen darf. Speichern kann man übrigens nur an bestimmten Terminals und auch diese hätte man vielleicht ein wenig großzügiger verteilen können. Das Missionsdesign selber verlässt sich auch zu sehr auf die Formel "Latsch ans eine Ende, tu was, werde von Gegnern überrascht und lauf dann zu einem anderen Ende, nur um dann zum nächsten Ende laufen zu müssen." Abwechslung wäre nett gewesen.

Zusammenfassend kann ich nur sagen, das Syndrome es wirklich versucht mit dem Horror und gar nicht mal so falsch liegt. Mit dem nötigen Feinschliff und besserer Steuerung hätte man durchaus was draus machen können. Die Gegner sind mehr nervig als angsteinflößend und viele der Schreckmomente sind doch etwas zu vorhersehbar. Oh nein, wer hätte gedacht, dass Monster auftauchen, sobald man dieses wichtige Item aufgesammelt hat? Wer mal wieder ein neues Horrorspiel braucht, der kann sich vielleicht mit Syndrome anfreunden. Ich konnte es leider nicht.

Syndrome wurde auf dem PC getestet. Ein Testmuster wurde uns von 1C Company zur Verfügung gestellt.

Syndrome

(Ranking)
C
RANK
Gut gemeint. C-Spiele haben ihre strahlenden Momente, aber in entscheidenden Situationen wird großes Potential verschenkt. Über keine anderen Spiele kann man sich so sehr ärgern.

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16. Dezember 2017 um 04:27 Uhr
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