Resident Evil 7: Biohazard im Test

(Artikel)
Benjamin Strobel, 05. Februar 2017

Resident Evil 7: Biohazard im Test

Erfolgreiche Neuerfindung

Resident Evil 7: Biohazard markiert eine überraschende Wende in der Herangwehensweise von Capcom: seit Resident Evil 4 hatte sich die Reihe sukzessive von Survival-Horror zum Actionspektakel gewandelt. Resi 7 besinnt sich seiner Wurzeln und setzt statt auf Explosionen wieder auf echten Horror. Dabei erfindet sich die Reihe sogar neu.

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Es beginnt in den sumpfigen Südstaaten Nordamerikas. Das Setting ist ein alter Hut im Horrorkino, hatte in Spielen bisher aber wenig Platz. Protagonist Ethan erfährt, dass seine verschollene Frau Mia wieder aufgetaucht ist und macht sich daraufhin auf die Suche nach ihr. Bald erreicht er das Haus der Baker-Familie, in dem er sie vermutet. Seine Geliebte wartet bereits auf ihn und sie laufen Händchen haltend in den Sonnenuntergang. Nein, warte. Ethan wird kurz nach seiner Ankunft von den verrückten Bewohnern attackiert und in dem Haus gefangen gehalten. Was hat der Typ sich gedacht, als er in das Gruselhaus spazierte? Schaut der keine Horrorfilme?

Es folgen kleine Spoiler zum Setting des Spiels.

Natürlich weiß die Person hinterm Gamepad genau, dass in der Hütte schlimme Dinge passieren. Resident Evil 7 zieht dabei alle Gruselregister: alter Dreck, verfaultes Essen, Maden, Kakerlaken und surrende Insekten. Der subtile Horror und Ekel vermitteln den Eindruck einer ständigen Bedrohung, auch wenn gerade nichts passiert. Aber lasst euch von diesem Spieleinstieg nicht täuschen: Resi 7 ist ein Kaleidoskop aus Horror-Subgenres. Die Spannweite reicht von subtilem Psychoterror bis zum knallharten Splatter. Das Mashup gelingt erstaunlich gut und wird mit einem nahezu perfekten Pacing erzählt. Nur der lauwarme Protagonist lässt die Glaubhaftigkeit so manches Mal entgleiten. Wenn er das Haus auf der Suche nach Mia betritt, fällt ihm nicht ein, auch mal nach ihr zu rufen. Und wenn sich später vor ihm die abgefucktesten Szenen abspielen, kommentiert er nüchtern, dass er nun wohl alles gesehen hat, während ich hinter dem Gamepad - zitternd und eingeschissen - schreie und fluche ob der Dinge, die ich da gesehen habe. Seid nicht naiv, wenn ihr dieses Spiel einlegt. Es ist wirklich abgefuckt.

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Ein Audiovisuelles Atmosphäre-Feuerwerk
Resident Evil 7 wirft euch nicht nur stumpf den Horror entgegen. Die Atmosphäre ist meisterlich gestrickt und arbeitet mit tollen audiovisuellen Effekten. Zum ersten Mal spielt Resi aus der Ego-Perspektive, was nicht zuletzt auch daran liegt, dass es für VR konzipiert wurde. Aber es trägt dazu bei, das Spiel sehr beengt zu machen. Eine Third-Person-Kamera erlaubt euch immerhin einen guten Blick um eure Figur herum. First-Person bedeutet, dass ihr hauptsächlich seht, was vor euch liegt. Im Dunkeln ist das außerdem nicht viel. Umso mehr muss man sich auf auditive Hinweise verlassen, wenn es darum geht, Gefahr zu verorten. Mit knirschenden Balken und zufälligem Rumpeln leistet das Spiel ganze Arbeit, euch das Adrenalin durch den Körper zu jagen, auch wenn sich hinter dem Geräusch keine Bedrohung verbirgt. Ihr könnt trotzdem damit rechnen, dass das Spiel euch kalt erwischen wird, wenn ihr gerade nicht damit rechnet.

Laut Sony ist die VR-Unterstützung für 12 Monate PSVR-exklusiv. Es ist zu vermuten, dass nach diesem Zeitraum andere Plattformen dazu kommen.
Die visuellen Effekte zeichnen einen realistischen Filmlook, der oft an das erste Resident Evil erinnert. Damals waren es noch fotografische Standbilder, sechs Teile später erzeugen vollwertige 3D-Umgebungen die gleichen Eindrücke. Einige Texturen entpuppen sich als matschig, wenn man die Nase direkt heranpresst, aber in den meisten Szenen sind sie überzeugend. Beeindruckend sind die Effekte von Feuchtigkeit auf Oberflächen, schmutzige Wasserbecken und die spärliche Beleuchtung, die mitunter richtig grell in der Dunkelheit glimmt. Wenn man den Wunsch verspürt, so einen Raum mal ordentlich zu schrubben, ist der Dreck wirklich realistisch. Alle Spielversionen (PC, PS4, Xbox One) laufen übrigens in 1080p und 60 FPS, die grafischen Unterschiede sind relativ gering.

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Erfolgreiche Neuerfindung
Im Vergleich zur hereinbrechenden Actionflut der letzten Resi-Titel ist Resident Evil 7 ein langsames Spiel. Capcom schaltet wieder einen Gang zurück, das Gesamtpaket erinnert weit mehr an die ersten als an die jüngsten Resi-Spiele. Dennoch lässt es den Ballast aus alten Tagen hinter sich: Die schwierige Steuerung und die schlechte Übersicht sind einer klaustrophobischen Ego-Perspektive und präziser Steuerung gewichen. Die Kämpfe sind bei weitem nicht so frustrierend wie in frühen Resi-Tagen - und viele sind optional. Das Spiel erklärt früh, dass Weglaufen und Verstecken valide Alternativen zu erbitterten Kämpfen sein können. So spart man auch wertvolle Ressourcen wie Munition und Heilungsobjekte, die man sonst vielleicht sinnlos verfeuert hätte. Hilfreiche Items sind zwar wieder rar gesäht, aber die neue Ego-Perspektive macht ein Spiel daraus: wer genau hinsieht und die Umgebung neugierig durchschnüffelt, wird mit zahlreichen versteckten Items belohnt. Man muss schon hinter Brettern und in dunklen Einbuchtungen suchen, wenn man das gute Zeug finden will.

Das Inventar ist wieder auf wenige Slots limitiert, man darf an den zahlreichen Speicherorten aber Kisten benutzen, um Objekte zu lagern und auszutauschen. Sowohl Speicherpunkte als auch Checkpoints sind äußerst fair gesetzt - und auf unnötigen Stress mit Farbbändern wird auch verzichtet.

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Die wohl größte Errungenschaft des Spiels ist sein Fokus auf eine kleine, persönliche Geschichte. Es geht nicht darum, eine globale biochemische Katastrophe abzuwenden und sich den Weg in explodierenden Städten freizuballern. Antrieb ist vielmehr die Neugier des Spielers, die rätselhaften Ereignisse im Hause der Baker-Familie aufzuklären. Dabei bekommt man immer gerade genug Informationen, um am Ball zu bleiben, aber nie genug, um alles zu verstehen. Das Pacing des Spiels ist dabei absolut vorbildlich und wechselt Rätsel und kurze Actionpassagen mit Exploration und ruhigen Szenen ab. Fast immer bekommt man Gelegenheit, Gebiete ausführlich zu erkunden und sich alles anzusehen. Auf dem Weg durchläuft man zahlreiche Horror-Subgenres, die aber sinnvoll miteinander verknüpft sind. Das Setting entwickelt sich Stück für Stück weiter und hält sogar einen überraschenden Twist parat.

Fazit
Resident Evil 7 erzählt eine gute Geschichte in zehn Stunden, anstatt sich über 20 Stunden in drei Kampagnen und langweilige Spielabschnitte zu verstricken, über die auch ein Feuerwerk an Explosionen nicht hinwegtäuschen kann (ich schaue dich an, Resident Evil 6). Mit guten audiovisuellen Techniken wird eine tolle Atmosphäre erzeugt und das hervorragende Pacing zieht einen wie ein Sog durch das Spiel. Wie seinereit Resident Evil 4, schafft Resident Evil 7 es erfolgreich, die Reihe neuzuerfinden und bringt das ganze Genre wieder einen Schritt nach vorn.

Resident Evil 7: Biohazard wurde auf der Xbox One getestet. Ein Testmuster wurde uns von Capcom zur Verfügung gestellt.

Resident Evil 7: Biohazard

(Ranking)
S
RANK
Herausragend. S-Spiele erweitern Horizonte. Sie bieten intensive Erlebnisse oder halten den Spieler noch lange am Bildschirm gefesselt. Selbst wenn man sie nicht jedem empfehlen kann, will man doch mit jedem über sie reden.

Kommentare

Adrian
06. Februar 2017 um 15:05 Uhr (#1)
Gibt es die VR-Version eigentlich nur für PS VR, oder auch für die PC-Ableger? Hab nämlich gehört, dass sich die Immersion im VR-Modus noch mal deutlich positiv abheben soll...
Rian
06. Februar 2017 um 17:12 Uhr (#2)
Ich habe mich endlich getraut, das Let's Play von Markiplier zu gucken. Auch fürs Zuschauen ist's ziemlich nice. Und nicht ganz so schlimm wie befürchtet! https://www.youtube.com/watch?v=ANEpNH2GiUQ&list=PL3tRBEVW0hiBzIOB97URaYILQdNCMZnvn
Ben
07. Februar 2017 um 11:06 Uhr (#3)
VR-Support soll 12 Monate PSVR-Exklusiv sein. Danach wird es vermutlich auch für die andere Plattformen verfügbar.

Adrian
07. Februar 2017 um 13:12 Uhr (#4)
Danke!
Gast
16. Januar 2018 um 23:55 Uhr
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28. Januar 2017
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Plattform - PC-Spiele haben mit die älteste Tradition. Heutzutage laufen die meisten Games unter dem Microsoft Windows.
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