Knack

(Artikel)
Benjamin Strobel, 20. Dezember 2013

Knack

3D-Plattforming ohne Überraschungen

Sonys Launchoffensive, Teil 2: Der 3D-Plattformer Knack vom hauseigenen Entwickler SCE Japan Studio stellt neben Killzone: Shadow Fall die zweite Säule, die den Launch der PS4 trägt. Der Exklusivtitel setzt mit niedriger Schwierigkeit und lockerem Gameplay auf eine breite Zielgruppe. Aber ist Knack wirklich ein Muss?

In einer Welt voller Orks tun die Menschen alles daran, sich der ruppigen Kreaturen zu entledigen. Um sich zu wehren, werden Waffen und Pläne geschmiedet. Kampfroboter mit modernster Technologie sind dabei nur die Spitze des Eisberges. Die Geheimwaffe Knack besteht aus Artefakten, denen eine uralte Kraft innewohnt: In seinem Körper rotieren Einzelteile und formen sich zu Gliedern. Je mehr Einzelteile Knack findet, desto größer und mächtiger wird er. Das genügt als Exposition, nicht wahr?

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Ständig diese Ork-Fallen.

Der Spieler steuert Knack durch Areale, die räumliche und feindlich-lebendige Hindernisse bereithalten. Mit Doppelsprung und der Fähigkeit, an einigen Wänden zu klettern, hüpft und kraxelt man durch streng lineare Level. Feinden kann man im Nahkampf begegnen und seine Fäuste spielen lassen, um sich gegen sie durchzusetzen. Das Prügeln ist dabei wenig anspruchsvoll, da es kein Kombosystem und keine größere Variation als Springen und Schlagen gibt. Die Feinde vertragen nur wenige Treffer, dasselbe gilt aber auch für Knack. Besonders im ersten Drittel des Spiels ist das aber kein großes Problem, da die Gegner nicht sehr aggressiv sind und im Kampf auch nur selten andere Strategien erfordern als schnelles Schlagen. Aus diesem Grund kann ich mich an die ersten zwei Stunden des Spiels nicht mehr erinnern. Knack benötigte keinerlei Aufmerksamkeit und so erledigte ich Sprungpassagen und Kämpfe einfach nebenher. Erst im weiteren Verlauf des Spiels treten neue Feinde auf, die auch neue Taktiken erfordern (z.B. Gruppen von Fernkämpfern oder Gegner mit Panzerung). Bekommt man es mit vielen oder starken Feinden zu tun, ist es an der Zeit, einen Spezialangriff zu entfesseln. Mit einer kurzen Tastenkombination kann man verschiedene Nah- und Fernkampfangriffe starten, die von der obligatorischen Spezialenergie zehren, die hier und da gesammelt werden kann.
Wenn dann der Punkt einsetzt, ab dem es nötig wird, beim Spielen auch mal hinzuschauen (angenehme Schwierigkeit), führt das Spiel ein neues Problem ein: schlecht gesetzte Checkpoints. So muss man oftmals viel zu lange Abschnitte wiederholen, in denen die Kämpfe anspruchslos bleiben, bis man wieder am Flaschenhals mit einem starken Feind ankommt.

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Spezialangriff: Wirbelwind!

Abwechslung erlangt Knack durch sein Key-Feature: Immer wenn der kleine Racker neue Einzelteile sammelt, wächst er ein Stück und mit ihm seine Energieleiste, effektive Kampfreichweite und Schlagkraft. Hier punktet die Präsentation und das Spielgefühl gewaltig. So geht mit einer Größenänderung auch eine Veränderung der Stimme einher. Es ist sehr gelungen, wie das Wachsen der Figur sich in so zahlreichen Ebenen ausdrückt. Ab einer bestimmten Größe reißt Knack im Gehen auch Aufbauten der Orks einfach ein, kann Schutzwälle mit einem einzigen Schlag vernichten oder zerstörte Panzer auf andere Feinde werfen. Großartig! Die ausgeprägte Linearität und der streng levelbasierte Aufbau des Spiels bedingen allerdings, dass stets genau feststeht, wie groß und stark man an jeder Stelle eines Levels ist. Die zusätzlichen Teilchen befinden sich an festen Orten und können eben dann eingesammelt werden, wenn das Spiel es angemessen findet. Am Ende eines Abschnitts gibt es dann häufig eine Stelle, für die Knack wieder schrumpfen muss, um weiterzukommen, was dementsprechend automatisch abläuft. Dieses Prinzip setzt sich dann zyklisch Level für level fort.
Einen kleinen Aufbruch erfährt die Wiederholung mit einem weiteren Gimmick. Knack kann neben den gewöhnlichen Teilchen auch verschiedene Elemente, wie Eis und Metall, aufnehmen, durch er neue Kräfte erhält. Wie immer sind diese Aufwertungen nur temporär und müssen nach entsprechenden Passagen wieder abgegeben werden.

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Bigger. Better. Bigger.

Optisch haut Knack den Spieler nicht gerade aus den Socken, etabliert aber einen konsistenten Stil, der auffällig an einen DreamWorks-Film erinnert. Mit zahlreichen Witzchen versucht das Spiel sich umso näher an der Vorlage der Animationsfilme zu platzieren, doch zumindest in der deutschen Übersetzung zündet der Humor nur selten. Die verschiedenen Level sind optisch abwechslungsreich gestaltet und führen den Spieler gleichermaßen durch Innen- und Außenareale. Die orkische Architektur ist an vielen Stellen allerdings zu eben und gleichmäßig - wenig überzeugend. Visuelle Abwechslung ist zwar geboten, es fehlt aber an der Liebe zum Detail

Knack ist ein lockeres Spiel für zwischendurch. Mit wenigen Höhen und Tiefen erfüllt es alle Erwartungen und Befürchtungen eines Launchtitels. Man macht hier nicht viel verkehrt, wenn man Futter für seine PS4 sucht, denn viel gibt es ja nicht. Aber spielerisch gibt es kaum etwas Neues zu sehen und auch technisch ist es keine Bombe, die nachhaltig einschlägt. Eine Empfehlung gibt es nur eingeschränkt und auf Zeit, denn schon in einigen Monaten könnte es mehr Auswahl geben und Knack besitzt nur wenig Potential herauszustechen. Ben

Knack

(Ranking)
B
RANK
Anständig. Stärken und Schwächen halten sich die Waage. Positive Überraschungen sind genauso selten wie negative. Unterm Strich muss man seine Spielzeit keinesfalls bereuen.

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16. Dezember 2017 um 04:26 Uhr
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RELEASE
29. November 2013
PLATTFORM
Playstation 4
Plattform - Die Playstation 4 (PS4) von Sony ist eine Spielkonsole der 8. Generation. Sie erschien am 29. November 2013 europaweit als Nachfolger der Playstation 3.

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