Press Start Button

(Artikel)
Rian Voß, 27. März 2017

Press Start Button

Oder halt irgendwas anderes, mir doch egal

Früher war alles besser. Na ja, was heißt besser. Sagen wir: eindeutiger. Früher gab's noch 256 fest definierte Farben, heute kann man froh sein, wenn die Farbauswahl irgendwo in der Nähe von 32 Bit liegt. Früher gab es maximal zwei Spieler gleichzeitig, heute treiben immer kräftigere Server die mögliche Anzahl an simultanen Kombatanten weiter in Richtung Unendlichkeit. Früher war die A-Taste immer zum Springen da. Na ja, oder die B-Taste, wenn man zu den Bösen gehört hat. Aber, das Wichtigste: Früher unterwarf man sich noch der Konsole, um ein Spiel spielen zu dürfen. Doch die richtige Reaktion auf die Aufforderung zum Drücken des Startknopfes kommt immer mehr aus der Mode.

Dieser Beitrag wurde erstmals am 8.12.2011 veröffentlicht.

Ich erinnere mich noch gut: "Press Start Button" sind wohl die ersten englischen Worte, deren Bedeutung ich je in meinem Leben gelernt habe, noch vor Game Over und Try Again. Aber ich habe laut meiner Mutter ja auch C64-Disketten gebootet, bevor ich überhaupt sprechen konnte. Egal. Jedenfalls: Während die heroische Melodie spielt und der Titel des Spiels einblendet, das Ganze noch vor einem imposanten Artwork oder einem Panoramablick auf die herausstechendste vorhandene Landschaft, war Press Start Button immer ein bekannter Wiederkehrer, der nirgendwo zu missen war. Wie habe ich ALLE ANDEREN Tasten gehämmert, um auf irgendeine geheime Kombination zu kommen, die mir die unerlaubte Macht von Cheats gewährt. Immer vergebens! Und beeilen musste man sich, denn wenn man nicht die Starttaste drückte, dann begann sehr bald das optionale Introvideo oder die Rolling Demo. Die wollte man ja höchstens einmal sehen.

Heutzutage ist natürlich die Spannung und das Mysterium des Startbildschirms abgeklungen, einerseits weil man Cheats nicht mehr selbst oder mit Freunden herausfindet (und so schon ein ganz eigenes Spiel für sich hat) und auch keine Besonderheiten mehr sind, für die man im Zeitschriftenregal des Supermarktes ohne zu bezahlen im Offiziellen Sega-Magazin schnell die Mogel-Seiten aufschlägt und sich verzweifelt ein paar Tastenkombinationen ins Hirn zu brennen versucht. Cheats sind jetzt im Internet leicht zu finden und verloren lange ihren Reiz. Wohl auch, weil man mit dem Alter Spiele ein bisschen professioneller angeht oder nicht möchte, dass man sich selbst um den Spaß behumst.

Ich drücke mich demnach immer sehr schnell durch den Titelbildschirm durch, nur selten bleibe ich aus nostalgischen Gründen (oder weil ein Screen besonders gelungen ist) mal eine Weile dort stehen und schwelge in diesem Relikt aus ältesten Arcade-Tagen. Ich finde es nur traurig, dass seit geraumer Zeit selbst die die-hard-Vertreter des "Wenn da Press Start Button steht, dann hat man gefälligst den Start Button zu pressen!"-Fraktion, wie etwa Capcom, langsam weich werden und auch alternative Eingaben erlauben, um den ersten Bildschirm hinter sich zu bringen. Das hat durchaus Sinn, da in allen Folge-Menüs etwa auch die übliche Bestätigungstaste akzeptiert wird, so kann man sich überaus rasant zur Standardeinstellung vorarbeiten und sofort ins Spiel eintauchen. Modern Warfare hat sogar ein Menü-Kombo-Tasten-System, das Ladezeiten einspart. Habe ich gehört.

Traurig ist es dennoch, denn ich finde, dass das Drücken der Starttaste ein Symbol ist. Die Starttaste ist häufig irgendwo gelegen, wo man den Daumen in eine etwas unbequeme Position bewegen muss. Bei mir löst diese Bewegung ein "Jetzt geht's los"-Gefühl aus. Es zeigt an, dass ich bereit bin, dass ich aufmerksam bin und dass ich bereits an dieser Stelle das Spiel wertschätze. Ich drücke nicht lustlos auf dem Controller rum, während ich nebenbei auf meinem Smartphone die neuesten Facebook-Statusupdates verfolge, nein - Ich bin voll da! Natürlich kann man auch sofort nach dem Laden der Disk auf der Starttaste herumhämmern, aber auch das steht in einer alten Gamertradition. Dieses Gefühl lässt sich mit einem Druck auf die A- oder die X- oder sonstige übliche Bestätigungsbuttons nicht replizieren. Das ist bequem. Das ist casual. Das legt dem Spieler nahe, dass er der Konsument ist und nun auf die alltägliche Weise zu konsumieren gedenkt. Ab auf die Couch, hier kommt Ihre auf 24 Stunden standardisierte Einheit virtueller Spaß.

Vielleicht ziehe ich mir mein Gemotze ja nur an den Haaren herbei. Aber habe ich Unrecht? Wenn man Traditionen wie den Titelbildschirm aufrechterhält, dann sollte man ihn doch auch in seiner Gänze wahren und nicht auf eine so heimtückische Art und Weise beschneiden. Rian

Kommentare

mikroFarad
Gast
30. Mai 2017 um 18:17 Uhr (#1)
Ach Rian und hallo,
du hast genauso wenig Unrecht wie du Recht hast.
Was du hast, ist schlicht ein falscher oder eingeschränkter Blickwinkel auf die sache an sich.
Wie kann das überhaupt sein?
jemand der so weise ist, das er nier als bestes spiel erkennt und sogar bei negativer Kritik zu nier, mit der einzig physikalisch korrekten Reaktion, reagiert. Wut!

Klar,der Artikel ist von 1876,
aber bedenke nur mal, die PS4 hat gar keine "press start" möglichkeit aufgrund fehlender...Beschriftung.
Ich gebe ja zu, anfangs wollte ich auch Genugtuung und wie können sie es wagen, ohne start und select?!?
Doch alternative Routen, zu unbekannten Verbünden von synapsen sprengen die ketten der Gewohnheit und so wurde mir zunächst mal klar, das die bescheuerte select taste, schon immer unnütz war, bzw. dessen Bezeichnung.

Kommen wir nun wieder zu "press start" oder "press any b., rubbel am touchpad, schüttel den Controller oder von mir aus auch guck in die lampe, welche sinnbefreiterweise in den Controller herein gefeatured wurde.
Auch wenn alles geht, muss ja nach wie vor nichts.
Ich selber drücke grundsätzlich die X taste. gut, des mag auch damit zusammen hängen, das ich keinen dunst habe wo die A taste geografisch zu finden wäre. Ausschlaggebender Faktor, ist dennoch eher das ich mich einfach dafür entschieden habe, im titelscreen X zu drücken.

Auch bin ich, ganz anders als du, mein sehr geschätzter Rian,
in keiner weise bereit zum spielen, wenn ich den titelscreen bestätige. Das dauert oft noch einige Minuten bis es soweit ist.

Am ende sind es aber lediglich 2 dinge, die ich wohl auf andere weise betrachte und möglicherweise deshalb absolut keine emotionale Verbindung zum "press start" aufgebaut habe.

Nr.1 ist der Titelscreen an sich, der ist nach wie vor überall zu finden und im grunde ist es doch genau das, worum es geht.
Für mich ist da nichts an Faszination verschwunden über die zeit. Zuletzt besonders schön fand ich fallout 4, mit der musik und den random auftauchenden vault tec S.P.E.C.I.A.L clips, bei denen ich bis heute nicht weiss, wie, wann, und warum die abgespielt werden.
Dann wäre da noch the crew, allerdings leider nur bis zum Update was kurz vor wildrun kam, danach die 2 find ich nicht so dolle. Der Original Titelscreen aber,war so Klasse, das war ein kunstwerk für sich.
Diese Titelbilder würde ich schon vermissen, aber spezielle worte oder Anweisung zu spezifischem tastendruck?
Nicht wirklich.

Und damit sind wir bei Nr2., das Wort, der satz. "press start"
Es ist doch nichts weiter als eine Bezeichnung, beliebig austauschbar durch andere laute,
Ob da start über einer taste steht oder supercalifragilistischexpetalligetisch, macht Kein unterschied.

Von daher mein tipp,
wenn du nur eine spezielle taste zum bestätigen willst, such dir eine aus.
Geht es dir tasächlich ums sprachliche, dann nimm einen permanent marker und schreibe "press start" auf eine durchsichtige folie, diese lässt sich dann wunderbar auf den Bildschirm legen und ist zu jedem spiel kompatibel. ;)


Ps: zugern würde ich deinen Bericht von nier automata lesen,
aber davor selbst spielen ist fast immer die bessere Reihenfolge und leider muss das spiel noch warten.
Aber wird ja ja nich schlecht, sowas reift wie ein guter scotch.

Mfg
µF
Rian
30. Mai 2017 um 23:03 Uhr (#2)
Ich respektiere deinen Respekt vor mir, aber ich kann dir nicht beipflichten. Du liegst nicht falsch, wenn es mit deiner Anschauung geht. Lass es mich so ausdrücken: Unsere Meinungen gehen in etwa so auseinander wie zwei Autofahrer, die mit verschiedenen Gangschaltungen fahren.

Ich bin der mit manueller Gangschaltung. Ich mag es, wenn die Dinge in verlässlichen Bahnen laufen. Und ich verlasse mich auf ein Konzept, das schon seit Jahrzehnten funktioniert und das in einigen Teilen der Welt einfach nicht sterben will. Es geht dabei um Präzision genauso wie um Tradition und Nostalgie. Und nur weil ich auf der Schaltung über jede Gangzahl "gut" klebe, heißt das noch lange nicht, dass ich ein gutes Gefühl habe, wenn ich unvermittelt in einen beliebigen Gang schalte.

Du bist dagegen eher der Automatikfahrer. Du hast Spaß am Fahren, gerade weil du dich nicht von solch einer althergebrachten Lappalie ablenken lassen möchtest. Eine manuelle Gangschaltung ist in den meisten Fällen und für die meisten Menschen, wenn es sich nicht gerade um Rennfahrer handelt, unnötig und ein Relikt und darüber hinaus auch noch bei unsachgemäßer Behandlung ein Risiko. Es ist ein Teil des Ganzen, der flüssig funktionieren soll, ohne dass man einen Gedanken dran verschwenden muss. Die rotierenden Fensterhebel vermisst ja auch keiner und auf Servolenkung verzichten auch nur Wahnsinnige mit immensen Oberarmen.

Ich hoffe, ich konnte dir meinen Standpunkt näherbringen, dass es für das Problem mit der Starttaste nicht für alle Menschen eine einfache Lösung gibt.
Gast
20. August 2017 um 21:07 Uhr
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