Strichmännchen

(Artikel)
Rian Voß, 16. März 2008

Strichmännchen

Body Blow!

Es ist nichts Ungewöhnliches: Ich mag überkomplexe Rollenspiel-Actionsysteme, deren Charakter-Level-Ups das stundenlange und akribische Verteilen der Fertigkeitspunkte auf Myriaden Attribute, Fähigkeiten, Sub-Fähigkeiten und Unter-Sub-Fähigkeiten vorsehen und den Spieler daraufhin durch einen arteriengleich verzweigten Gameplay-Mechanismus mit schier unendlichen Möglichkeiten jagen - genau so wie jeder andere auch. Okay, zugegeben: Arcanum war mir da doch zu viel, aber Baldur's Gate 2 fällt auch noch ganz gut in diese Sparte. Ich liebe auch Egoshooter, bei denen man durch taktisches Denken vorankommt und jeder noch so kleine Fehler bestraft wird. Ich mag Plattformspiele, bei denen jeder Sprung auf den milliardsten Pixel berechnet werden muss und ich achte bei Sandboxgames wie Assassin's Creed oder Crackdown auf jedes winzige, mich erfreuende Detail.

Anlauf nehmen...

BAM!

...Und wieder weg!
Aber manchmal, manchmal braucht die Astralkörperseele des Gamers was ganz Simples, was ganz Banales. Manchmal muss man seinem Freund einfach ein lebloses Ragdoll-Strichmännchen in einer Zero-Gravity-Umgebung um die Ohren hauen. Und mehr ist Ragdoll Masters auch nicht. Ich steuere mein Strichmännchen mit den vier Bewegungstasten durch den leeren Cybercubus, rase auf meinen Feind zu und hoffe, dass meine Füße ihm ihm in die Fresse schmettern ohne dass ich selbst Schaden nehme. Dann entferne ich mich wieder. Action and repeat. Und es ist so genial aufgemacht: Jeder Treffer, auch Angriffe, die sich durch das Aufschlagen von Arm gegen Arm, Fuß gegen Fuß gegenseitig auscanceln, werden kurzzeitig verlangsamt und durch Plasmaeffekte und stimmige Bud Spencer-Sounds verschönt. Kopfnuss, BUMM. Die Verschlechterung der eigenen Energie ist leicht an den sich verrötlichenden Armbändern der vollkommen hilflosen Strichfiguren ablesbar. Und wer als erstes stirbt, hat verloren. So leicht war ein Spielekonzept seit Mortal Kombat nicht mehr!

Die Sharewareversion von Ragdoll Masters rät zum Kauf an, aber macht euch keine Illusionen: Der Singleplayermodus suckt gewaltig und genau so ödet der Co-Op-Modus einfach nur an, außerdem müssen erst mal die dämliche Musik und das übertriebene Blut abgestellt werden. Was übrig bleibt, ist der brutal-lustige Versus-Modus, den man eigentlich immer zocken kann, wenn sonst niemand weiß, was man machen soll. Und dank der leichstmöglichen Steuerung kapieren auch eure Eltern nach spätestens zwei Hits, was zu tun ist. Dann könnt ihr mal schauen, wie euch eure Alten mit voller Wucht einen Dragonkick in die Visage watschen. Rianq

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20. September 2019 um 18:34 Uhr
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