Tiny Troopers

(Artikel)
Rian Voß, 03. September 2012

Tiny Troopers

Mit dem Sturmgewehr auf Highscorejagd

Es gehört schon was dazu, genug Popularität und Kohle angesammelt zu haben, um ein iOS-Spiel vom Mobilgerät auf Windows- und Mac-Rechner zu portieren. Kukouri scheint es in der Hinsicht aber gut genug zu gehen, denn mit ihrem Action-Krieg-Knuff-Shooter Tiny Troopers haben sie genau das getan.

Der Plot des Spiels unterscheidet sich nicht großartig von allem, was einem auch in CoD oder MoH heutzutage geboten wird: es gibt keinen. Es gibt nicht mal den Versuch, einen zu machen. Ihr kommandiert eine Truppe von Wahrscheinlich-Amerikanern durch Gebiete gefüllt mit Vielleicht-Irakern und andere Ethnien, zerballert alles, was gemein ausseht, und erfüllt eure Mission. Allein dieser pure Mangel hat schon fast etwas von genialer Satire, zumindest aber ist es eine gelungene, wenn auch faule Parodie für Intellektuelle und anderes Schnösel-Gesocks, das sich an sowas erheitern kann.


Das Szenario mag zwar ein bisschen verhetzend klingen, aber immerhin gibt es Punktabzüge, wenn man Zivilisten ermordet (-250 Punkte). Dasselbe gilt übrigens auch für Hühner (-50 Punkte). Nach der Rechnung ist ein Menschenleben etwa fünf Hühner wert.
Wenn ihr nun euren Auftrag - sei es das Retten von Geiseln, das Vernichten von Panzern oder ganz simpel das Auslöschen aller Feinde auf der Karte - erledigen wollt, könnt ihr das mit genau drei Aktionen umsetzen: Bewegen, schießen oder mächtig schießen. Auf dem iDevice funktionieren die ersten beiden Dinge kontextsensitiv: tippt man wohin, wo kein Feind ist, laufen unsere Männlein los, ansonsten schießen sie in kurzen Salven. Als ich auf der Gamescom ein iPad in die Hand gedrückt bekam, resultierte das in wildem Herumgetippe. Das war nicht unbedingt schlecht, aber schon ein wenig stressig. Am großen Rechner hat man allerdings in der Regel eine Maus zur Hand, also heißt es: linke Maustaste, rechte Maustaste. Und zum Schießen kann man auch einen Button ganz gemütlich gedrückt halten und muss nicht den Diablo machen. Das funktioniert allerdings nur für die Knarren, nicht für das Laufen.
Zum mächtigen Schießen braucht man dann noch Zusatzmunition, etwa Granaten, Raketen oder Freigabe für einen Luftschlag. Auf dem iPad zieht man das Icon des Angriffs an die gewünschte Stelle, am PC wählt man erst aus und drückt dann eine Tastatur-Maus-Kombination. Da kann jeder für sich entscheiden, was ihm umständlicher erscheint. Beide Steuerungstypen haben jedenfalls ihre Vor- und Nachteile und ich wüsste jetzt nicht, welche mir im Großen und Ganzen besser gefiele.

Ein bisschen mehr Tiefgang als nur herumzutrapsen und gedankenlos zu ballern hat Tiny Troopers dann aber doch noch. Erst einmal gibt es drei Schwierigkeitsgrade, die sich deftig voneinander unterscheiden, insofern dass man gerade bei gewählten Drei-Sterne-Missionen panisch darauf achten muss, dass einem seine Leute nicht wegsterben. Und sterben bedeutet in dem Fall sterben, denn ist eine Kämpfernatur gefallen, ist sie weg und wird sofort ersetzt - allerdings sind ihre Level dann auch futsch. Anschließend bleibt, abgesehen von einem Eintrag in der Hall of Fame, nichts von ihr übrig. Ich halte diese Designentscheidung für zweischneidig. Einerseits erhöht es unbestreitbar die Spannung während einer Mission und man ist auch mal gezwungen, sich vorsichtig fortzubewegen. Andererseits verbringt man dann doch mal Minuten oder Stunden damit, seine Leute die Ränge hochzutreiben, und wenn man einmal einen von ihnen aus Versehen für immer verloren hat, wird das Spiel durch den Gammelrekruten, der die freie Position einnimmt, noch einmal schwieriger. Es ist immer ein bisschen heikel, wie weit ein Entwickler mit Bestrafungen gehen darf.
Aber gut, bisher ist mir noch keiner meiner Typen verreckt, also brauche ich auch eigentlich nicht zu meckern. Durch den In-Game-Shop, den man mit im Spiel eroberten Punkten füttern kann, lassen sich auch einige Goodies erstehen, um ein vorzeitiges Ableben unserer patriotischen Krieger zu verhindern - sei es durch zusätzliches Training, mehr Rüstung oder einer vergrößerten Gewehrreichweite.


Tiny Troopers zeichnet sich außerdem durch eine durchwachsene Spiellänge aus. Manche der dreißig Missionen der drei Kapitel sind sehr kurz und können in fünf bis zehn Minuten beendet werden. Andere wiederum knöpfen einem auch gerne mal eine halbe Stunde ab. Manchmal habe ich das Gefühl, dass das schon ein bisschen viel ist, da einem auf einer Karte häufig kaum Überraschungen entgegenkommen, vor allem wenn man so billig ist wie ich und sich bei jeder Mission das günstige Upgrade kauft, das einem alle Feind- und Sammelobjektpositionen auf der Karte verrät. Jedenfalls ist Tiny Troopers für mich kein Spiel, mit dem ich mich sonderlich gerne den ganzen Tag vergnügen müssen soll, aber immer mal wieder ein Auftrag hier und da ist ganz unterhaltsam.

Grafisch gibt's auf PC und Mac leider nichts geschenkt, denn hier wurde alles von der Mobilvariante, ausgenommen der Auflösung, 1-zu-1 übernommen. Die kleinen Gegnerchen mit ihren Bärtchen und die Bäumchen mit ihren Blättchen sind zwar schon ganz nett, aber tragen rein optisch dazu bei, nicht ununterbrochen auf den Bildschirm starren zu wollen, denn das Auge ermüdet doch recht schnell, vor allem auf einem großen Monitor.


Etwas besonders Feines ist aber noch das Gratis-Update, welches einen Zombie-Survival-Mode enthält, der genau das liefert, was er verspricht: unser Trupp auf einer Karte gegen die untote Horde. Punkte sammeln, Punkte sammeln, Punkte sammeln! Ab und an ein neues Crewmitglied einsacken, Bonuswaffen benutzen und der Beste auf den Leaderboards werden. Dieser Modus ist auch gleich anspruchsvoll genug, dass man lange nach dem Abschluss der Kampagne noch an der Highscorejagd knabbern können wird.

Tiny Troopers ist vielleicht kein Spiel für jedermann - für 9 Euro auf dem PC muss man sich diese Ausgabe zur Zeit schon ganz gut überlegen, vor allem für einen Ab-und-Zu-Shooter. Aber da es, neben der DVD-Box-Variante, auch auf Steam zu kaufen ist, darf wohl regelmäßig mit einem Aktions-Preisnachlass gerechnet werden. Die Mobilversion allerdings, welche nur ein Neuntel des Preises auf die Waage bringt, setzt sich dahingegen wohl über sämtliche spärlich gefüllte Brieftaschenargumente hinweg und darf ohne großes Nachdenken gesogen werden. Auch in einer frei verfügbaren Testversion, wenn man sein Geld unbedingt lieber für einen Cheeseburger ausgeben möchte. Rian

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19. April 2021 um 05:29 Uhr
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24. August 2012
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