TMNT: Out of the Shadows

(Artikel)
Benjamin Strobel, 12. Januar 2014

TMNT: Out of the Shadows

Vier hässliche Kröten

Hey, jetzt kommen die Hero Ninja Turtles! Durch Nickelodeons Neuauflage der Teenage Mutant Ninja Turtles erfahren die Schildkröten mit Ninja-Ausbildung neue Aufmerksamkeit. Und nebenbei: Die Serie ist klasse. Das Red Fly Studio hat im vergangenen Jahr einen passenden Download-Titel zur TV-Serie veröffentlicht: Teenage Mutant Ninja Turtles: Out of the Shadows. Leider ist da irgendwie etwas schief gelaufen.

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Die Turtles treten also aus dem Schatten. Leider wünscht man sich, sie wären dort geblieben: Die vier Kröten sind dermaßen hässlich, dass es keinen Spaß macht. Oh mein Gott, wie reingewürgt und rausgekotzt! Das Intro des Spiels präsentiert brav das Nickelodeon-Logo, doch mit der Show hat das Spiel nur wenig zu tun. Allenfalls lose angelehnt kämpfen die Turtles gegen ihren Erzfeind Shredder und sein treu ergebenes Kanonenfutter, die Foot Gang. Einigen Feinden sieht man die entfernte Verwandtschaft zu den Serienfiguren an, aber das war's auch schon. Die Sprecher entstammen ebenfalls nicht dem Original und sind von durchwachsener Qualität. Fans der Serie werden hier auf jeden Fall enttäuscht. Und so was schon im zweiten Absatz meines Reviews.

Grafisch erinnert das Spiel unangenehm an die PS2-Ära und knausert besonders mit Texturen. Neben teilweise animierten Zwischensequenzen in der Ingame-Engine streut das Spiel immer mal wieder Artworks ein, die mit Dialogen unterlegt sind. Die Bilder sehen eher aus wie flüchtig kolorierte Story Drafts und sind einfach nur schäbig. Vermutlich fehlte dem Team die Zeit für Ingame-Animationen und dann blieb eben nur das. Aber ich will nicht weiter über Äußerlichkeiten meckern, kommen wir zu den inneren Werten.

TMNT: Out of the Shadows ist ein klassisches Hack'n'Slay. Hat man seinen Lieblings-Turtle gewählt, rennt und springt man durch 3D-Areale, die immer neue Feinde versteckt halten. Das Kampfsystem bietet ein paar einfache Kombos, Konter und Spezialangriffe. Spielerisch findet man hier nur wenig Tiefe, insbesondere weil es post-Arkham-Asylum ist und die Batman-Reihe unwiderrufliche Standards gesetzt hat, die leider nicht erfüllt werden. Schlägt man versehentlich ins Leere, bricht die Combo ab, manchmal passiert das auch ohne weiteres Zutun. Konter funktionieren in der Regel, müssen aber nicht besonders getimed werden. Das größte Problem ist allerdings die Kamera, die sich im Kampf nicht gut mitbewegt, dafür aber gern Feinde versteckt. Positiv fallen dafür die zahlreichen Skilltrees der Turtles auf. Im Kampf verdient man sich XP für gute Combos und erhält für jedes Level Skill-Punkte, um seine Turtles aufzumotzen. Dabei gibt es ein paar Standardfähigkeiten, die man bei jedem Kämpfer aufwerten kann, aber auch individuelle Fähigkeiten und Angriffe, die spezifisch für die Figuren sind.
Hier fällt auch auf, dass die Entwickler schon irgendwie Liebe für die Kröten übrig hatten, denn die individuellen Skills passen perfekt zu den Figuren und ihrem Charakter. So kann Donatello mit seinem Superhirn-Skill kostenlose Upgrade-Punkte für Waffen freischalten. Raphael dagegen kann mit ein paar fiesen Konterangriffen besonders viel Schaden austeilen. Während des Spiels kann man jederzeit zwischen den Turtles wechseln und so auch im Singleplayer Team-Aktionen durchführen (z.B. einen Gegner festhalten und mit einem anderen Turtle angreifen). Allerdings ist ein Turtle-Spiel perfekt für einen Koop-Modus und den bringt TMNT: Out of the Shadows auch mit. Lokal oder online mit vier Spielern kommt das richtige Turtle-Feeling auf, ein echtes Plus für das sonst eher durchschnittliche Spiel.

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Hässlich, hässlich, superhässlich.

Was mir an TMNT: Out of the Shadows wirklich gefällt, sind die Interaktionen der Turtles untereinander. Die Dynamik des Teams ist die Essenz der Franchise und wird im Spiel gut herüber gebracht. Das heißt nicht nur, dass man im Kampf Team-Angriffe machen kann, sondern zeigt sich auch in Sprüchen und Unterhaltungen der Figuren. Läuft man gerade durch eine Passage leerer Gänge, so beginnt Mikey eine Anekdote und philosphiert darüber, wie die Welt in Paralleluniversen aussähe, wenn Shredder ein netter Kerl wäre. Oder was wäre, wenn die Vier ein Baby aufziehen würden. Hier spürt man den Humor der Serie heraus und freut sich über jede neue Geschichte, die sich die Turtles nebenher erzählen.

Große Probleme hat Spiel allerdings durch zahlreiche Bugs. So bin ich mehrfach durch Wände und Türen gesprungen, manchmal finden Angriffe ihr Ziel einfach nicht. Dann gab es eine Spielpassage, die zur Sackgasse wurde, weil geskriptete Feinde nicht auftauchten und so auch die nächste Zwischensequenz ausblieb, die das Spiel vorangetrieben hätte. Erst mit einem Neustart es Levels ließ sich das Problem beheben und war damit nützlicher als die unfreiwilligen Reboots, die ich vornehmen musste, nachdem das Spiel einfach eingefroren war. Dass es jemals einen Patch geben wird, ist unwahrscheinlich - mit den Bugs muss man einfach leben.

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Schäbig: Artworks, die Zwischensequenzen ersetzen.

Teenage Mutant Ninja Turtles: Out of the Shadows ist ein gut gemeintes, aber unfertiges Spiel. Artworks, die Cutscenes ersetzen, reihen sich an eine Liste unbehobener Bugs, die wohl für den Rest der Zeit im Spiel verweilen werden. Fans der TV-Serie werden wohl nie verstehen, warum das Artdesign radikal abweicht, und das so negativ und drastisch. An vielen Stellen blitzen gute Ideen und nette Elemente auf, letztlich ist das Gameplay aber unausgegoren. Verschenktes Potential in Reinkultur. Ben

Teenage Mutant Ninja Turtles: Out of the Shadows

(Ranking)
C
RANK
Gut gemeint. C-Spiele haben ihre strahlenden Momente, aber in entscheidenden Situationen wird großes Potential verschenkt. Über keine anderen Spiele kann man sich so sehr ärgern.

Kommentare

Nils
13. Januar 2014 um 20:01 Uhr (#1)
Ich muss sagen: Echt schade. Das Spiel hätte mich ganz grundsätzlich interessiert...
Ben
14. Januar 2014 um 11:30 Uhr (#2)
Im Koop ist es ganz nett, das kompensiert den Frust über die Bugs.
Rian
16. Januar 2014 um 21:53 Uhr (#3)
Ich finde, es hätte noch deutlicher rüberkommen müssen, wie abgrundtief hässlich die Artworks sind. Ich habe, glaube ich, bei keinem Bildwechsel den Brechreiz unterdrücken können.
Gast
19. Oktober 2019 um 04:13 Uhr
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28. August 2013
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PC
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Playstation 3
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Xbox 360
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