Machinarium

(Artikel)
Rian Voß, 05. November 2009

Machinarium

Roboter sucht Freundin!

Also, ich schiebe mal eins vorweg: Wenn ihr euch Lesezeit sparen wollt, dann guckt euch Samorost an. Wenn ihr mit diesem Spiel so gar nichts anfangen könnt, dann braucht ihr hier auch nicht wirklich weiterzulesen, denn Machinarium ist von denselben Entwicklern und arbeitet zum Großteil nach denselben Schemata, nur eben einem kommerziellen Spiel angemessen erweitert.

Auch wenn der Begriff "Grafikadventure" heutzutage nicht mehr wirklich brauchbar ist, weil nur noch Kellerkinder, Nostalgiker oder absolute Puristen überhaupt wissen, was Textadventures sind, um den Namensursprung des optisch (meist) ansprechenderen Äquivalents zu kennen, benutze ich ihn gerne. Machinarium ist also ein Adventure und wenn man so die Point 'n' Click-Sparte zur Rate zieht, dann fällt natürlich immer sofort der Vergleich mit Monkey Island. Das ist aber falsch, denn mit dem absurden "Nimm Gummihuhn, wirf Golfball, erhalte Blumentopf"-Gameplay dieser oder anderer Spieleserien (z.B. Runaway) hat Machinarium zum Glück nichts gemein.


"Zum Glück" sage ich hier, weil ich an diesen miesen Pixelsuch-Spielen mit den "Rätseln", die mich nach und nach in den Wahnsinn trieben, immer verzweifelt bin und die Geduld verlor. Vielleicht bestätigt es ja meine Berufswahl zum angehenden Informatiker (meine Noten tun's jedenfalls nicht), aber ich komme viel besser klar mit logischen Puzzles wie bei Professor Layton oder dem viel zu unbekannten Adventure The Neverhood - halt so Spiele, wo man sich nicht durch tausend Dialoge kämpfen muss, nur um zu bemerken, dass, damit das Spiel weitergeht, man irgendwo einen ganz bestimmten Unterhaltungszweig abzulaufen hat. Da zeigt Machinarium auch sehr viele Gemeinsamkeiten mit dem genannten The Neverhood: Es wird nicht gequasselt! In der Neverhood überhaupt nicht, in Machinarium gibt es nur ein paar Sprech- und Gedankenblasen, die kleine Bilderchen und Animationen zeigen, um dem Spieler zu verdeutlichen, was eigentlich gemeint ist. Und das funktioniert auch wunderbar und das schöne ist: Man MUSS mit NIEMANDEM reden! Ist aber ab und zu schon hilfreich.


Aber Rätsel: Neben der absolut göttlichen, flashbasierten Bilderbuchgrafik, die man einfach nur durchgehend zu besabbern hat, kümmert man sich die meiste Zeit des Spiels darum, Rätsel zu knacken bzw. "weiter" zu kommen. Zu Beginn betritt man nämlich schön gemächlich ein Areal nach dem anderen und mit der Zeit werden die Möglichkeiten, zwischen Orten zu wechseln, immer vielfältiger. Zum Überwinden muss der eingesessene Monkey Island-Spieler allerdings erst einmal sein bisheriges Denken verwerfen: Hier gibt es kein kryptisches "Aha, ich mache mal alles, was mir so unterkommt und am Ende wird mir dann gesagt, wo ich damit gelandet bin", sondern der kleine Roboter-Held, der nach seiner Freundin sucht und die Bösen bekämpft, hat oft ganz klare Ziele, auf die man hinarbeitet.

Ein Beispiel für die Probleme eines Absurd-Denkers nach MI-Tradition ist eine Freundin von mir, der ich beim Spielen von Machinarium zugeguckt habe: Es ging darum, durch ein Tor zu kommen, das nur für eine schnell fahrende Lore öffnet. Ziel ist also erst einmal: Lore zu packen bekommen, um sich reinzusetzen und damit zu fahren. In diesem Areal gibt es nur wenige Objekte: Eine kleine Steuerungseinheit für ein Rohr, das von rechts nach links führt, das Rohr selbst, einen Schalter, der die Lore ruft, die Bahngleise und ein goldenes Messer, das rechts oben unter dem Rohr hängt. Was als nächstes passieren sollte, stellt sich nach meinem "Möglichst einfach von A nach B"-Denken so da: Lore entgleisen lassen, reinsetzen, durch Tor fahren. Nun hat besagte Freundin nach einigem Rumprobieren das Rohr exakt über den Roboter koordiniert bekommen, aber weil sie noch irgendwelche komplexen Rätsel (die erst später kommen) erwartete, war es ihr unmöglich an das Messer zu kommen. Sie wollte, dass das Messer irgendwie runterfällt oder sonst etwas, anstatt einfach den Roboter das Rohr raufklettern zu lassen. Danach müsste man nur noch das Messer auf die Schienen schmeißen, damit die Lore aus den Gleisen springt, draufsetzen, Tür aufmachen, durchfahren. Hm!


Später gibt es dann noch Schiebe-, Logik- und Formrätsel aller Arten und Farben und sogar die eine oder andere Action-Einlage im Retro-Style, um das Hirn ein bisschen abkühlen zu lassen. Aber keine Angst: Gestorben wird hier nicht und sich in irgendwelche Sackgassen verrennen geht auch nicht. Sehr fair ist sogar, dass es pro Ort einen Hinweis zum Weiterkommen gibt und wenn der nicht reicht und man wirklich nicht weiterkommt, dann gibt es immer noch eine grobe Komplettlösung. Die muss man aber erst durch ein Minispiel aufgeschlossen bekommen - in der Zeit hat man noch mal die Gelegenheit, es sich anders zu überlegen, damit man sich nachher nicht ärgert, wegen so einer kleinen Sache nachgeguckt zu haben.

Mir hat Machinarium auf jeden Fall sehr viel Spaß gemacht und es füllt, je nach Denkmuskel-Vortraining, wahrscheinlich ein gutes Wochenende. Ich hab's an einem Tag durchgespielt, aber mir war auch langweilig und ich habe insgesamt dreimal im Lösungsbuch nachgeschlagen, also shame on me. Das Teil kostet bei Amazon rund 30 Euro und das ist, mit Samorost 2 gebundlet, ein durchaus faires Angebot, das sich jeder Logikfan gerne geben darf. Rian

Kommentare

Heiler
27. Oktober 2012 um 22:33 Uhr (#1)
Ich habs Dank PS Plus kostenlos bekommen und bin hin und weg.
Es ist so weit ich mich entsinnen kann, der erste Titel des Genres,
den ich je gespielt habe und es ist wunderbar.
Vor allem gibt es hier keine verdammten Affen!
Das beste Spiel mit dem Namen Machinarium,
in dem man einen Roboter steuert, das ich jemals gespielt habe!
Rian
28. Oktober 2012 um 12:48 Uhr (#2)
Ich werde noch mal irgendwann einen Artikel über mein Lieblings-Adventure, The Neverhood, schreiben. Das hat auch keine Affen!
Heiler
28. Oktober 2012 um 17:51 Uhr (#3)
Hervorragend!
Gast
13. Dezember 2017 um 12:24 Uhr
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