Girl Fight

(Artikel)
Benjamin Strobel, 28. Oktober 2013

Girl Fight

Brustphysik und Wub Wub

Keine Überraschungen: Girl Fight ist ein Fighter mit ausschließlich Frauen im Roster. Der Entwickler Kung Fu Factory hat sich in den letzten Jahren überwiegend im Mobile-Markt herumgetrieben und verschiedene Tipp- und Wischspiele auf unsere Telefone gebracht. Mit Girl Fight bringen sie nun einen traditionellen 3D-Fighter auf die PS3 und Xbox 360. Ich kann nicht behaupten, dass wir darauf gewartet hätten, aber so ist es eben.

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Die sexistische Note, die bereits von dem Titel des Spiels wenig subtil transportiert wird, ist auch der Selling-Point des Spiels. Mit einer von acht verschiedenen Damen kann man sich in den Kampf gegen die sieben übrigen Frauen stürzen. Die Höschen sind kurz, die Röcke knapp und die Brüste riesig. Im Takt der Schläge wackelt das pralle Drüsengewebe der Kämpferinnen ununterbrochen über den Screen. Die Spielmechaniken des Fighters sind dabei auffallend gewöhnlich: Schlagen, Treten, Blocken, Greifen und Kontern. Besonderer Twist des Spiels sind verschiedene Perks, von denen man zwei beliebige ausrüsten kann. Sie verleihen den Kämpferinnen zusätzliche Spezialmanöver, einige defensiv, andere offensiv. So kann man Beispielsweise den erlittenen Schaden reduzieren, härter auspacken oder Lebensenergie regenerieren. Um die Perks einsetzen zu können, muss man Treffer landen und die Spezialenergie aufladen. Anschließend steht einem frei, für welches der beiden Perks man sie aufwenden möchte.

Die abgehackten Animationen drücken der veraltete Grafik des Downloadtitels die Klinke in die Hand und lenken nur sehr unbeholfen von den kargen Hintergründen der wenigen Stages ab. Vor jedem Kampf wird vom Weltall ins Kampfgeschehen der Map gezoomt und zeigt dem Spieler dabei echte Satellitenbilder, die offenbar direkt aus Google Earth stammen. Eine elektronische Stimme aus dem Open-Source-Pool für Text-to-Speech liest dem Spieler vor jedem Kampf der Arcade-Leiter einen kurzen Satz vor, der die Geschichte der Kämpferin erklären soll. Allerdings ist an den stereotypen Charakteren wie Ex-Militär und Shogun-Kämpferin rein gar nichts spannend. Einzig der elektronische und basslastige Soundtrack lässt gute Wub-Wub-Laune aufkommen.

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Der Arcade-Modus von Girl Fight ist schleppend und repetitiv. Man beginnt mit einer einzigen Kämpferin und muss den Arcade-Modus knacken, um die nächste kampflustige Frau freizuschalten. Am Ende erhält der Spieler ein kleines Nacktbildchen der jeweiligen Kämpferin und kann den Spaß von vorn beginnen! Die USK-Wertung ab 12 Jahre spoilert allerdings schon, dass es hier keine Geschlechtsteile zu sehen gibt. Die Artworks sind außerdem kaum auf dem Niveau von dem, was wir von vielen freien Künstlern auf deviantArt oder anderen Kunstportalen geboten bekommen - also keine große Motivation, um weiterzuspielen. Die einzige Zielgruppe des Spiels schwindet schon dadurch, dass jedes Dead or Alive alles besser gemacht hat als dieses Spiel. Es gibt zwar die Möglichkeit, Angriffe zu kontern, allerdings verzichtet die KI des Spiels in 99% der Fälle darauf, den Spieler anzugreifen, sondern blockt solange, bis man zwischen den Combos verwundbar wird und schlägt dann zurück. Es gibt im Kampf gegen den Computer also kaum Anwendungsgebiete für die einzige Mechanik, die das Spiel interessant machen würde.

Für Einzelspieler gibt es weiter nichts zu holen, also bleibt noch der Versus-Mode. Ich habe mehrfach versucht, online andere Spieler zu finden, aber es scheint keine zu geben. Wer Girl Fight gegen menschliche Gegner spielen möchte, ist auf den guten alten Couchmultiplayer angewiesen, was für einen Fighter aber auch okay ist. Leider hält sich der Spaß dabei in Grenzen. Die magere Wahl an Kämpfern und das eintönige Gameplay zeigen schnell die Schwächen des Spiels auf. Oft ist Buttonmashen die effektivste Technik und Konter können nur beim ersten Schlag einer Combo angebracht werden, anschließend ist man nur noch der Spielball seines Gegenübers - quasi juggling am Boden. Die Perks sind ein nettes Gimmick, können aber nicht mit echten Spezialmanövern, wie einem Hadouken oder Kamehameha, mithalten. Mit jeder Runde Girl Fight spürt man einfach, wie Tekken oder Dead or Alive in jeder Hinsicht besser wären. Auch auf der Couch gibt es keine guten Gründe für die Mädchenkämpfe.

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Die gute Belohnung: Artwork halbnackter Frau.

Für 9,49 Euro will man mit Girl Fight den Spielern schnell etwas Geld aus den Ärmeln ziehen. Wer kein großer Kampfsportfreund ist oder lieber gute Spiele zocken möchte, sollte Geld und Zeit besser anders investieren als in diesen Titel. Selbst die unter euch, die wackelnde Brüste und und nackte Haut sehen wollen, sind mit DOA besser beraten als diesem Spiel. Ben

Girl Fight

(Ranking)
F
RANK
F wie Fail. Kaum von Wert. Hier jagt eine Schwäche die nächste. Niemand braucht das, niemand will das. Nicht einmal geschenkt.

Kommentare

Rian
28. Oktober 2013 um 22:11 Uhr (#1)
Wer sich in einem Downloadtitel mit Mädchen prügeln möchte, der sollte lieber zu Skullgirls greifen.
Nils
29. Oktober 2013 um 08:57 Uhr (#2)
Mich würde mal interessieren, wer wie viel Geld in so eine Produktion fließen lässt und das Ganze dann noch für eine gute Idee hält...
Gast
19. Mai 2019 um 13:47 Uhr
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Spiele des Artikels

RELEASE
25. September 2013
PLATTFORM
Playstation 3
Plattform
Xbox 360
Plattform

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