Soul Calibur V

(Artikel)
Benjamin Strobel, 09. Februar 2012

Soul Calibur V

Zocken ohne Blocken

Seitdem Tekken in den letzten Jahren weiter nachgelassen hat, sind umso mehr Namcos Künstler aus der Soul-Calibur-Sparte gefragt. Das Hoch der 3D-Beater ist vorbei und die 2D-Kampfszenerie feiert mit Street Fighter IV, Marvel VS. Capcom 3 und Mortal Kombat ihr Revival. Schwere Zeiten für ein Beat 'em Up der dritten Dimension. Kann Soul Calibur V überzeugen?

Für die Grafik gibt es von mir fünf Sterne!

Ich mache es dem Spiel auf jeden Fall nicht leicht. Kürzlich erst habe ich den zweiten und vierten Teil wieder gespielt und festgestellt, wieviel besser ich das alte Spiel finde. Zwei war ein so gutes Spiel, dass die Nachfolger es schwer haben mussten. Auch für Soul Calibur V gelten ein paar wesentliche Regeln, die sich seit Soul Calibur 2 als feste Größen erwiesen haben:

1. Die Charaktere werden hässlicher.
2. Ivys Brüste werden größer.
3. Spielmodi verschwinden (Ernsthaft, wo ist der Waffenmeister hin?)
4. Es ist weniger wie Soul Calibur 2.

Mit jeder neuen Iterationen steigen die Veränderungen - und Soul Calibur V ist unglaublich weit fortgezogen von seinen Ursprüngen. So sehr, dass es sich in weiten Teilen wirklich anders spielt. Vieles ist gut, manches auch nicht.

Nicht alle Stages bieten die Möglichkeit eines Ringouts.

Es ist schön zu sehen, dass sich technisch viel verbessert hat. Die Grafik wurde deutlich optimiert, sodass Umgebungen wie Charaktere mit zahlreichen Details auf den Schirm gezeichnet werden. Viel mehr lässt diese Konsolengeneration wohl nicht mehr zu. Noch hervorstechender als die Optik ist jedoch der Soundtrack: Während die Soundeffekte teilweise etwas blechern wirken, kommt die Musik an zahlreichen Stellen so richtig zur Geltung. Man hört zwar hier und dort noch alte Themen, doch insgesamt weht viel frischer Wind. Ich freue mich immer wieder, wenn die Menü-Musik anspringt oder wenn bestimmte Stücke während des Kampfes laufen. Großartig!

Spielerisch gibt es große Neuigkeiten: Soul Calibur V fühlt sich nicht nur anders an, sondern ist auch grundlegend anders als seine Vorgänger. Während die Finisher im vierten Teil ein totaler Flop waren, sind sie nun fest ins Gameplay integriert. Ähnlich wie bei Mortal Kombat füllen sich verschiedene Stufen einer Spezialleiste. Nun kann man sich aber aussuchen, wie man sie anwenden will: Möchte man sie für aktive Blocks verfeuern oder lieber Angriffe verstärken? Wer keines von beiden will, kann versuchen alles auf eine Karte zu setzen und einen Super-Angriff auszuführen. Diese sind aber in aller Regel blockbar und müssen gut platziert werden, verstärkte Angriffe dagegen werden häufig Blockbrecher oder sind sogar unblockbar.

Es heißt ja auch A Tale of Souls and Swords und nicht A Tale of Shields and Blocks.
Leider ist Blocken so eine Sache in Soul Calibur V. Man kann es tun. Leider fällt man damit aber oft auf die Schnauze. Eher gesagt: Das Schwert des Gegners fällt einem in die Schnauze.In früheren Teilen hatte man immer - auch am Boden - die Möglichkeit, Angriffe zu blocken (vorausgesetzt, man blockte den Anghriff korrekt oben oder unten). So wurde Soul Calibur 2 zwischen Rian und mir zum berühmten Schlagen-Blocken-Greifen-Schach. Das hat sich ein bisschen geändert. Das deutlich aggressivere Soul Calibur V setzt auf den Angriff als beste Verteidigung und bringt von Haus aus längere und fiesere Kombos mit. Ein am Boden liegender Gegner ist oftmals ein wehrloses Opfer, das sich nur durch geschickte Ausweichrollen aus den Klingen des Feindes winden muss. So verlagert sich das Gameplay einen Schritt weg von ausgewogen bis defensiv hin zu Aktion und Angriff.

Ezio schlägt sich wacker in Nah- und Fernkampf.

Unter den Charakteren findet sich - wie üblich - auch ein Gastauftritt: Ezio Auditore aus der Assassin's Creed-Reihe gibt sich die Ehre. Im Gegensatz zu den deplatzierten Star Wars-Charakteren des vierten Teils fügt er sich perfekt ins Spiel ein und ist eine großartige Ergänzung. Scrollt man weiter durch den Roster, wird man feststellen, dass viele bekannter Gresichter einfach fehlen. Sophitia, Kilik und einige weitere wurden durch jüngere Varianten ersetzt, die aussehen als seien sie Square-Enix-Spielen entsprungen. Vermutlich sollen sie den U18-Japano-Markt bedienen. Mir wäre Kilik allerdings lieber gewesen als ein kleiner Affenjunge, der ihn unbeholfen imitiert. Raphael wurde übrigens durch eine Vogelscheuche ersetzt. Moment, wartet... es ist noch immer Raphael. Warum hat er einen Cowboy-Hut? Hm, egal.

Wie in den Vorgängern sind ganze Spielmodi einfach verschwunden. Der Schicksalsturm aus Soul Calibur IV ist klanglos verpufft (nicht, dass es schade wäre), aber der gute alte Waffenmeister-Modus kehrt dafür leider auch nicht wieder. Stattdessen bekommt man einen wirklich mageren Story-Modus, der auch noch die Frechheit besitzt in einer Stunde über 100 Gamerscore auszuspucken. Für WIRKLICH nichts. Es ist mir fast peinlich, die Achievements zu haben. Es ist keinerlei Leistung. Die Geschichte wird nach dem schönen Intro nur noch in Konzeptzeichnungen mit käsigen Dialogen hingerotzt und ist der Rede nicht wert.
Leider ist in den sechs Kämpfen des Arcade-Modus nicht viel mehr zu erwarten. Ab der Hälfte wird er schon auf Normal abgefahren schwer und spielt mit der Geduld des Spielers. Nightmares Schwert säbelt die Energieleiste mit drei Hieben weg, sodass mehrere Versuche im Endkampf einfach dazugehören. Frust inklusive. Und für solche, die davon noch nicht genug haben, gibt es den Legendary Soul-Modus. Das ist dasselbe in noch schwerer. Masochisten voran!

WTF-Moment: Lizardman heißt jetzt ... und kann fliegen.

Freude bringt dagegen der Quick Play-Modus. Hier kämpft man gegen unzählige Kreationen von selbstgebastelten Charakteren. Es macht immer wieder Spaß zu sehen, was mit dem Charakter-Editor alles möglich ist. Nebenbei kann man hier auch Titel für sein Profil erspielen.

Womit wir auch schon bei dem zweiten abgefahren-großartigen Modus des Spiels wären: Der Charakter-Editor. Hier kann man vorhandene Charaktere bearbeiten (= neu einkleiden) oder seine ganze Fantasie in eine eigene Kreation stecken. Die Möglichkeiten sind gigantisch und werden nur dadurch begrenzt, dass ihr am Ende einen Kampfstil der fertigen Charaktere wählen müsst.

Der Online-Modus ist ebenfalls ein großes Plus. Endlich sind auch Kämpfe möglich, ohne dass die Eingabe von einem Delay aufs Fieseste von den Geschehnissen auf dem Bildschirm abgeschnitten wird. Nachdem die Grundfeste für ein Online-Spiel gelegt sind, kann man ja schauen, was es sonst so gibt. Das ist eine ganze Menge: Neben den üblichen Player und Ranked Matches gibt es auch große Lobbies, in denen man chatten, Leute zum Kampf auffordern oder an Turnieren teilnehmen kann. Besonders interessant ist zudem die Möglichkeit, Replays und andere Spieler als Rivalen zu speichern. Soul Calibur V zeigt dann die Rekorde und Wertungen von bis zu vier Rivalen direkt im Hauptmenü an: Wer hat die meisten Online-Siege? Wer spielte den Arcade-Modus am schnellsten durch? Gute Sache.

Ihr seht, der fünfte Teil der Soul Calibur-Reihe bringt neue Stärken und Schwächen mit sich. Es ist schwer, das Spiel einem Fan zu empfehlen, wenn er das Übliche erwartet. Soul Calibur V ist so unüblich, dass es fast ein anderes Spiel ist und nur hin und wieder seine Herkunft aufblitzen lässt. Dennoch gefällt es mir auf eine neue Weise und geht auch bei den Online-Features in die richtige Richtung. Soul Calibur V ist rundum ein guter Beater, der an Armut von Spielmodi kränkelt, am Gameplay aber zu neuer Stärke gesundet. Nex

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21. September 2019 um 07:07 Uhr
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Spiele des Artikels

RELEASE
03. Februar 2012
PLATTFORM
Playstation 3
Plattform
Xbox 360
Plattform

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