Pokémon Tekken im Test

(Artikel)
Benjamin Strobel, 11. April 2016

Pokémon Tekken im Test

Weder Pokémon noch Tekken

Pokémon Tekken - im Rest der Welt auch bekannt als Pokken Tournament - ist ein wundersames Spiel. Das wohl erstaunlichste daran ist vermutlich, dass es sich weder wie Pokémon noch wie Tekken spielt. Was mich wegen des Namanes doch sehr verwirrt hat. Daher kann man es weder Pokémon- noch Tekken-Fans pauschal empfehlen. Ich habe eine ganze Weile damit zugebracht, Pokémon Tekken verstehen zu lernen. Was dabei heraus gekommen ist, lest ihr in diesem Test.

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Tekken?
Man muss sagen, dass das Spiel allemal näher dran an Tekken ist als an Pokémon, aber knapp daneben ist auch vorbei. Immerhin, es ist eine simple Variante von Tekken. Zwar gibt es eine Menge Combos, die man auch in Listen nachschlagen kann – sehr komplex sind die Eingaben und taktischen Möglichkeiten aber nicht. Die wenigsten Combos gehen über zwei bis drei Knopfdrücke hinaus, dann ist meistens Schicht. Allerdings muss man dem Spiel lassen, dass es mit wenigen Tasten schon visuell wahnsinnig tolle Moves auf den Bildschirm zaubert. Besonders schön sind die Mega-Evolutionen, die man aktivieren kann, wenn sich eine Spezialleiste vollständig gefüllt hat. In diesem Zustand ist man nicht nur deutlich stärker, sondern kann auch einen Super-Angriff aktivieren, der nicht nur viel Schaden anrichtet, sondern auch toll inszeniert ist. Braucht aber auch nur zwei Tasten.

Das beste Element des Kampfsystems sind die Schere-Stein-Papier-Elemente: Konter toppen Angriffe, Angriffe toppen Griffe, aber Griffe sind effektiv gegen Konter. Vor allem gegen menschliche Gegner macht es sehr viel Spaß, zu erraten, was das Gegenüber tun wird, um entsprechend zu reagieren. Die Tiefe eines konzeptionell ähnlichen Dead Or Alive erreicht man dabei nicht, aber es ist ein unterhaltsames Element, das Matches interessant gestalten kann. Gegen computergesteuerte Gegner bleibt das Spiel meistens jedoch zu leicht.

Im Singleplayer-Modus habe ich etwa 50 Kämpfe hinter mich gebracht ohne zu verlieren. Die erste Niederlage wäre durchaus vermeidbar gewesen, aber ich hatte mir irgendwann eigene Challenges gesetzt. Das fing dabei an, die Mega-Evolution wegzulassen und nur noch zwei Tasten zu benutzen, und endete damit, nur noch mit Kontern und Griffen zu gewinnen - was eine Weile funktionierte, aber recht mühselig war. Es klingt absurd und das war es auch. Der Singleplayer wird auch deshalb langweilig, weil er grundsätzlich darauf basiert, dass man immer dasselbe Pokémon verwendet. Zwischen Kämpfen kann man nicht einfach wechseln, sondern muss sich durch einige Menüs klicken, um sich mit einem anderen Pokémon zu verpartnern.

Zuletzt gibt es noch eine sehr seltsame Design-Entscheidung: zwei unterschiedliche Kampfphasen. In der Field Phase kann man sich frei über die Karte bewegen und einfache Fern- und Nahkampfangriffe einsetzen. Das erinnert ein bisschen ein DBZ: Budokai Tenkaichi. Landet man Treffer mit starken Angriffen, wechselt die Phase. In der Duel Phase spielt es sich eher wie ein Tekken in der Seitenansicht. Man kann sich hier also weniger frei bewegen und dafür mehr Combos ausführen. Auch hier führen starke Angriffe wieder zu einem Wechsel der Phasen. So wechseln die Perspektiven mehrfach in einem Match, aber man hat nicht das Gefühl, dass sich das Gameplay fundamental verändert oder dass die Phasen etwas Wichtiges zur Spielerfahrung beitragen. Störend ist dabei auch, dass die freie Bewegung deutlich angenehmer mit dem Analogstick ist, während für die Combos in der Duel Phase das Steuerkreuz zu besseren Ergebnissen führt. Womöglich hätte es dem Spiel gut getan, sich auf den Tekken-Aspekt zu konzentrieren, anstatt den Flow immer wieder durch einen Phasenwechsel zu unterbrechen.

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Pokémon?
Bei Pokémon denke ich an das Sammeln hunderter Taschenmonster, an das Auswendiglernen von Element-Tafeln und daran, diese beiden Dinge in strategischen Rundenkämpfen einzusetzen. Nichts von dem, was Pokémon ausmacht, findet ihr in Pokémon Tekken. Ich verstehe ja, dass man die Rundenkämpfe in actionreichen Echtzeitkämpfe überträgt, um aus Pokémon in einen Fighter zu verwandeln. Das habe ich erwartet. Doch darüber hinaus haben sich die Entwickler kaum Mühe gegeben, sich an dem zu orientieren, was die Vorlage hergibt.

Am nächsten dran ist noch die Möglichkeit, die Pokémon durch Kämpfe aufzuleveln. Allerdings werden sie sich nicht entwickeln und auch keine neuen Attacken lernen. Mit jedem Level darf man einen Statuswert (etwa Angriff und Verteidigung) um einen Punkt erhöhen. Das war's. Das ist weder besonders belohnend, noch bemerkt man schnell einen Effekt. Es verleitet auch dazu, bei einem einzigen Kämpfer zu bleiben und ihn hoch zu züchten, weil man mit jedem anderen Pokémon ja wieder bei Level 1 starten würde. Abwechslung durch andere Spielfiguren hält das Spiel dadurch effektiv zurück. Mit Pokémon als Franchise im Rücken hätte man hier und an anderen Stellen deutlich mehr machen können.

Von den bekannten Pokémon-Hundertschaften haben es auch "nur" 16 spielbare Monster und 20 Assist-Pokémon ins Spiel geschafft. Assist-Pokémon liefern Unterstützung im Kampf, beispielsweise einen Angriff oder einen kurzen Buff. Vor allem bei den Assist-Pokémon hätte ich mir mehr Auswahl gewünscht. Da sie kein eigenes Moveset haben, kann ich mir kaum vorstellen, dass das ein sehr großer Aufwand gewesen wäre. Natürlich kann es nicht hundert spielbare Kämpfer geben, aber mit einer großen Menge an Assist-Pokémon hätte man den Sammelwahn vieler Fans sicher noch mal wecken können. Stattdessen schaltet man neue Pokémon automatisch frei, indem man den Singleplayer-Modus, Ferrum League, spielt. Erneut ist das nicht sehr belohnend, weil der Singleplayer viel zu einfach ist. Hinzu kommt, dass man die Unterstützer nicht frei kombinieren darf, sondern sich für eines von zehn vorgefertigten Duos entscheiden muss. Hier wäre etwas mehr Taktik drin gewesen, wenn man mehr Entscheidungen und Möglichkeiten in die Spielerhand gelegt hätte.

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Pokémon Tekken?
Wenn ich mir erst Pokémon und Tekken einzeln anschaue, sehe ich in Pokémon Tekken viel verschenktes Potential. Hätte ich so ein Spiel gemacht, wären Teams meine erste Idee gewesen - ganz wie bei Marvel VS Capcom oder Tekken Tag Tournament. Mit genug Auswahl an Pokémon in einem Team plus Assist-Pokémon hätte man auch wieder die Vor- und Nachteile vom Element-Klassen berücksichtigen können. Auswechseln gäbe dann - wie im Original - einen Malus, das hätte auch mehr Taktik ins Spiel gebracht. Das Ganze hätte man mit bekannten Items sogar noch weiter aufpeppen können. Wenn man dann noch neue Attacken lernen und die Movesets anpassen könnte, wäre man denkbar nah an den Geist der Vorlage gekommen und hätte trotzdem einen tollen Beater gehabt. Aber Pokémon Tekken ist eben nicht dieses Spiel. Es ist einfach sehr schade, dass nicht mehr daraus gemacht wurde.

Wer schon viele Beat 'em Ups gezockt hat und beispielsweise Nächte damit verbringt, seine Freunde durch perfekte Konter in DOA zu schlagen, wird in Pokémon Tekken nichts Spannendes entdecken, das andere Spiele nicht deutlich besser gemacht hätten. Es bleibt zudem die Frage, warum die Entwickler nicht mehr aus dem Pokémon-Franchise gemacht haben, das eine Vorlage nach der anderen liefert. Stattdessen beschränkt sich der Wiedererkennungswert auf bekannte Monsternasen. Pokémon Tekken kann mich weder als Beat 'em Up noch als Pokémon-Spiel wirklich überzeugen. Es ist weder Pokémon noch Tekken, sondern sein eigenes Ding. Vor allem setzt es auf einfache Mechaniken, die schnell zu verstehen und zu erlernen sind.

Ein Rätsel ist dabei nur, warum man sich die unterschiedlichen Kampfphasen ausgedacht hat, die kaum zum Gameplay, sondern eher zu Verwirrung beitragen. Dennoch ist Pokémon Tekken ein sehr zugängliches Spiel, vor allem für Leute mit wenig Beater-Erfahrung. Mit wenigen Knopfdrücken visuell beeindruckende Angriffe zu entfesseln, ist gerade für Anfänger sehr belohnend. Mit Wii U Gamepad und einem weiteren Controller sind neben Online-Matches auch Couchpartien möglich, bei denen auch Mal die Freunde mitspielen können, die sonst keine Beater zocken. Für Beater-Fans könnte das allerdings schnell langweilig werden. Ben

Pokémon Tekken wurde auf der Wii U getestet. Ein Testmuster wurde uns von Nintendo zur Verfügung gestellt.

Pokémon Tekken

(Ranking)
C
RANK
Gut gemeint. C-Spiele haben ihre strahlenden Momente, aber in entscheidenden Situationen wird großes Potential verschenkt. Über keine anderen Spiele kann man sich so sehr ärgern.

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19. Juli 2019 um 12:24 Uhr
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RELEASE
18. März 2015
PLATTFORM
Wii U
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