Gamescom 2013: Day One

(Artikel)
Rian Voß, 21. August 2013

Gamescom 2013: Day One

Holy shit, EA und Activision

Wenn man mit einem halbwegs wachen Ohr an dem Spielenews-Draht der letzten Monate gelauscht hat, der wird irgendwie mitbekommen haben, dass neue Konsolen von Sony und Microsoft angekündigt worden sind. Die PS4 und die Xbox One sind auch auf der Gamescom vertreten, gar kein Zweifel. Man müsste also meinen, dass die beiden Konsolenriesen alle Geschütze auffahren, um den Konkurrenten ordentlich unterzubuttern. Aber wo drängte es die Massen wirklich hin? Nicht in die üblich weit geöffneten, einladenden und bodennahen Mietareale von Sony und MS, sondern in die riesigen Stände, ja fast schon Arenen, die sich Electronic Arts und Activision in den Kölner Messehallen haben errichten lassen - insbesondere EA hat dieses Jahr keine Kosten gescheut, um sich den wohl größten Stand in der Geschichte der Messe zu sichern, der neben üppigen Tribünen für etwa Titanfall, Battlefield 4 und Die Sims auch über eine riesige Fläche voller... Nichts verfügt. "Wir haben das Geld, wir haben den Platz." Nur ein massiver Titanfall-Mech in Lebensgröße lockt neugierige Besucher durch das Tor zu EAs Jahrhundertstand.

Auf der anderen Seite hält Activision gegen, mit heißersehnten Titeln wie Destiny und Call of Duty: Ghosts. Stundenlanges Anstehen für ein paar Demos? Das macht selbst die Presse am normalerweise so kostbaren, besuchsarmen Fachbesuchertag mit. Donnerstagmorgen früh wird es dann noch mal ganz besonders beim großen Publisher brennen, denn in Halle 7 werden den ersten 500 Spielern Call of Duty: Ghost-Prestige-Editionen geschenkt - inklusive, unter anderem, HD-Kamera, Season Pass, und Soundtrack. Nur die schnellsten werden sich so ein Paket sichern können!

Was uns sonst noch so auf dem Messegelände widerfahren ist, hört ihr aus dem Munde meiner werten Mitstreiter.

Jozu
Was die Hallen angeht, so habe ich heute nicht wirklich viel erlebt. Ich habe hier und da mal wieder etwas für mein in der Mache befindliches Video aufgenommen. Ansonsten? Ansonsten habe ich viel zu viel Zeit abwägend vor den gefühlten 10.000 Merchandise-Ständen verbracht, die die letzten Jahre noch nicht dort waren. Ich habe aber gut widerstehen können und mir nur ein Buch gekauft. Naja, und Katzenohren für eine langjährige Messe-Freundin (ich habe halt nur auf der Messe wirklich was mit Ihr zu tun) - uns sonst hatte sie halt immer Katzenohren auf! Dieses Jahr hat sie keine dabei gehabt. Dieser Umstand musste geändert werden. Mitspracherecht hatte sie nicht wirklich.

Ben
Die Gamescom erwartet dieses Jahr über 300.000 Besucher. Das könnte die zahlreichen Schilder an den Ständen erklären, die freundlich mitteilen: Ab hier warten Sie noch 8 Stunden." oder "Sie warten ab hier 10 Stunden. Bitte stellen Sie sich nicht mehr an." Das müssen die mir nicht zweimal sagen! Es dauert länger als zehn Minuten? Und tschüss! Wenn ihr Call of Duty: Ghosts oder Elder Scrolls Online sehen wollt, empfehle ich euch, direkt nach Einlass in die Hallen zu stürmen und mit etwas Glück müsst ihr nur ein oder zwei Stunden anstehen. Warten war auf der Gamescom schon immer großer Bestandteil und Geduld eine wichtige Tugend, aber nie war es wichtiger als dieses Jahr. So kurz vor Release von PS4 und Xbox One gibt es wirklich viel zu sehen und die diesjährige Messe darf allein deshalb als die größte und wichtigste Gamescom überhaupt gelten. Auf den Fluren von EA hat man auch schon gemunkelt, dass noch nie so videle internationale Besucher auf der Messe waren wie heute. Und das war erst Day 1! Da kommt noch einiges auf uns zu.

Haris
Stellt euch vor, es ist Fachbesucher-Tag und jeder kommt hin. Klingt doch absurd, mögt ihr euch nun Fragen - ist doch Fachbesucher-Tag! Dachten wir uns auch, bis wir heute live miterleben konnten, dass die Gamescom-Veranstalter, auf der Jagd nach neuen Besucherrekorden, beschlossen hatten, dieses Jahr einen speziellen Bonus zu bieten: wer bei Facebook Gamescom likete, bekam die Chance auf ein Ticket, mit dem man schon am Mittwoch ab 13 Uhr reinkommen konnte, um sich mal so richtig exklusiv fühlen zu können! Seitens der Veranstalter wurde zwar betont, dass diese Tickets streng limitiert sein würden, um ja nicht das Erlebenis von Presse, Ausstellern und Handelsgästen zu stören, aber in der Praxis scheint dort wohl jemand spontan ein paar zehntausend Tickets gedruckt. Im Vergleich zu den Tagen, die für das breite Publikum geöffnet sind, war hier kaum noch ein Unterschied am Nachmittag festzustellen. Und das ist eine Frechheit: der Fachbesuchertag hat durchaus seinen Sinn, damit die Leute, die aktiv über Spiele berichten, mit Spielen handeln und Ähnliches, die Möglichkeit haben, sich in Ruhe ein paar Spiele anzuschauen, statt ihnen ewige Warteschlangen zuzumuten. So standen die wenigen Kollegen, die Bescheid wussten über die anrollende Katastrophe, deswegen schon früh an und es gab am Mittwoch schon die ersten, mehrstündigen Schlangen -- am Vormittag, wohlgemerkt. Zu groß war die Angst, nach 13 Uhr nichts mehr anschauen zu können. Und diese Angst sollte sich bewahrheiten. Am Ende sollten die Veranstalter sich wirklich überlegen, was sie hier für eine Messe machen wollen. Den Dreh- und Angelpunkt für Videospiele in Europa, oder einfach nur eine Runde Zocken fürs Volk? Den Fachbesuchertag auf dem Altar der Besucherzahlen zu opfern kann nämlich nicht der richtige Schritt sein, wenn man weiterhin für die Medienpartner relevant sein will. Ich kann mir gut vorstellen, dass sich so mancher Gamescom-Fachbesucher fürs nächste Jahr schon überlegt, mal einen Trip nach LA zu machen. Vergönnen kann man es ihnen nicht. Liebe koelnmesse, fürs nächste Jahr bitte wieder etwas mehr Vernunft: wenn ihr mehr Besucher wollt, dann führt einen weiteren Besuchertag ein, aber macht nicht den Fachbesuchertag kaputt für einen billigen Marketingeffekt.

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29. November 2022 um 14:39 Uhr
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