Ys Origin

(Artikel)
Haris Odobaši?, 26. September 2012

Ys Origin

Kein Adol, trotzdem gut

Es stinkt im Darm! Genauer: Darm Tower, der ikonische Enddungeon aus dem allerersten Ys, der gerade mal 3/4 des Spiels einnahm. Doch, oh Schreck, dieses Mal ist der generischste Videospielheld aller Zeiten, noch weit vor dem Master Chief, nicht in der Lage etwas gegen die Dämonenhorden zu unternehmen. Er ist nämlich zu diesem Zeitpunkt gar nicht auf der Welt. Ihr ahnt es schon: Ys Origin ist ein Prequel.

Denn lange bevor Adol sich darum annahm, das Verschwinden von Ys aufzuklären, musste es ja wohl eine Zeit gegeben haben, in der das fliegende Land, nun, etwas weniger verschwunden war. Diese Zeit war vor 700 Jahren und die Bewohner von Ys wurden ständig von Dämonenhorden geplagt. Diese Plage war so schlimm, dass sich die zwei Göttinnen Feena und Reah eines Tages heimlich auf eigene Faust aufmachen, den Grund dafür zu untersuchen. Dies führt sie direkt zum Darm Tower.


Um zu kompensieren, dass der Standard-Rotschopf fehlt, lassen euch die Entwickler auch gleich aus zwei Charaktere plus einer freispielbaren Bonusfigur -- nicht Adol -- wählen. Namentlich handelt es sich dabei um Yunica Tovah sowie Hugo Fact, die beide im Dienste der Göttinen stehen. Hugo ist Magier während Yunica, die so gar keine magischen Begabung besitzt, eine angehende Ritterin darstellt. Als Teil einer Eingreiftruppe, die die Göttinnen sucht, landen auch sie auf dem Festland.

Die Mehrauswahl an Charakteren, die klare Gameplay- und auch Story-Differenzen in ihrem Spiel offenbaren, sorgt für eine Wiederspielbarkeit, die man sonst von Ys nicht gewohnt ist. Dies wird neben der gewohnten Auswahl an Schwierigkeitsstufen auch durch zusätzliche Modi, wie einem Time Attack, der euch gegen die Bosse antreten lässt, noch weiter unterstrichen.


Das eigentliche Hauptspiel bietet dabei viel Altgewohntes und gerade wer Ys: The Oath in Felghana gespielt hat, dürfte sich sofort zu Hause fühlen. Ein Knopf erlaubt euch mit eurer Waffe zuzuschlagen, während ihr mit den anderen Tasten die Möglichkeit habt Sprünge auszuführen oder Spezialangriffe einzusetzen. Ist auf den ersten Blick simpel und sehr intuitiv, aber wird euch spätestens bei den hochklassigen Bosskämpfen mal wieder alles abfordern. Dort ist ein Mix aus guten Reflexen, der Fähigkeit zur Mustererkennung und natürlich flinken Fingern erforderlich.

Eure Reise führt euch dabei nur durch den Darm Tower -- die Außenwelt seht ihr, außer durch die weitläufigen Balkons, nicht. Ein Schauplatz mag auf den ersten Blick etwas mickrig klingen, aber das Design innerhalb des Turmes ist sehr abwechslungsreich gestaltet und hat neben leichten Homagen an das erste Ys eine Menge sich stark unterscheidender Gebiete im Angebot. Im Darm Tower findet sich wirklich jeder Scheiß: Unterwasserareale, eine kleine Wüste, Lava-Gebiete und eine Halle voller Teleportations-Spiegel. Leider muss man aber sagen, dass gerade ein paar der späteren Stockwerke im Turm etwas uninspiriert daherkommen. Nicht vom Optischen her, aber von der Spielbarkeit schienen dort irgendwo die Ideen ausgegangen zu sein. Teilweise wird es richtig schlauchig, ohne Rätsel oder irgendwas zur Auflockerung. Das sorgt dafür, dass sich das letzte Viertel der sechs bis acht Stunden Spielzeit leider etwas unnötig hinzieht.


Die Musik ist natürlich allererste Sahne. Man merkt die zeitliche Nähe zu Ys: The Oath in Felghana, dem Spiel mit dem besten Soundtrack der gesamten Reihe. Daher erwarten euch nicht nur die üblichen krachenden Bossthemes, die euer Blut zum Kochen bringen, und das ein oder andere traurigere Thema, sondern auch die Hintergrundstücke der einzelnen Gebiete im Darm Tower sind zum größten Teil wunderbar. So wäre Yngwie Malmsteen auf die neo-klassischen Gitarrenläufe in "Silent Desert" verdammt stolz, während "Oboros" dazu im Kontrast mit dem Verzicht auf eine prominente E-Gitarre die Gedanken zu TitS schlendern lässt. Und "Scarlet Tempest" hat einige der abgedrehtesten Keyboard-Sounds, die ich jemals gehört habe. Und ich als bekennender Synthie-Liebhaber habe da einen ordentlichen Gehörschaden einiges an Erfahrung. Also pumpt euch die quietschfidele Keyboardmelodie auf und sorgt für gute Laune, während ihr nebenbei die Apokalypse über die Dämonenhorden hereinregnen lasst. Wie würde die heutige Jugend in der aktuellsten Version des Neu-Deutsch sagen? Leider geil.

Die Grafik hingegen dürfte niemand vor dem Ofen hervorholen. Selbst für 2007, als Origin erschien, war das schon nichts Herausragendes und gerade die spärlich animierten Sprites machen nicht die beste Figur. Andererseits muss man auch sagen, dass gerade wenn man gewohnt ist, die Ys-Spiele auf Playstation 2 oder PSP/PS Vita zu spielen, es doch ein ziemlicher Sprung ist, das Spiel auf dem PC in flüssigem 1080p über den Bildschirm flackern zu sehen.

Während Ys Seven ein gutes Stück fernab des üblichen Pfades der Ys-Reihe wandert, ist Ys Origin vor allem eines: mehr vom Üblichen. Und da das Übliche bei Ys eben verdammt gut ist, will man nicht meckern. Gerade durch seinen Prequel-Charakter ist das Steam-exklusive Ys Origin jedem ernsthaften Gamer, der auf Action steht, ans Herz zu legen, auch weil der Preis mit 15,99 € das Spiel zu einem richtigen Schnäppchen macht. Evil

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20. Februar 2020 um 16:49 Uhr
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31. Mai 2012
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Plattform - PC-Spiele haben mit die älteste Tradition. Heutzutage laufen die meisten Games unter dem Microsoft Windows.

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