Ys VI: The Ark of Napishtim im Test

(Artikel)
Haris Odobašic, 27. Mai 2015

Ys VI: The Ark of Napishtim im Test

Adols verlorenes Abenteuer

Es war im Jahr 2005, als ein Ys-Spiel erstmals in Europa erschien. Obwohl die Serie zu diesem Zeitpunkt schon fast 20 Jahre auf dem Buckel hatte und zumindest Anfang der Neunziger vereinzelte Ableger den Sprung in die USA geschafft hatten, blieb unser Fleckchen Erde unberührt von Adols epischen Abenteuern. Bis eben Konami sich in der Blütezeit der PS2 erbarmte und Ys VI: The Ark of Napishtim zu uns brachte. Doch wirklich Fuß fassen konnte die Serie nicht - trotz vollständiger Lokalisierung - und die Ys-Reihe blieb obskurer Kult aus Fernost, bis XSEED einige Jahre später dem Rotschopf endlich zu seinem weltweiten Durchbruch verhalfen, indem sie die PSP-Ports mehrerer Ys-Titel lokalisierten. Allerdings behielt Konami die Rechte am sechsten Teil und da gerade der PSP-Port dieses Spiels mit ewigen Ladezeiten und einer Nichtverfügbarkeit im digitalen Store zu kämpfen hatte, blieb dieser Titel für viele neue Fans der Reihe das schwarze Schaf. Bis jetzt, denn Konami hatte damals die PC-Version nicht nach Europa gebracht und so nutzte XSEED die Gunst der Stunde, nach erfolgreichen Releases mehrerer anderer Ys-Teile auf Steam, um die Sammlung um ein weiteres Stück zu vervollständigen.

Doch Ys VI hat nicht nur aus diesem Blickwinkel historische Signifikanz, sondern markierte, als es 2003 auf dem PC in Japan sein Debüt feierte, das erste Ys in 3D. Nach sieben Jahren ohne Nachfolger, wagte sich Falcom direkt an was Neues und erschuf die Engine, die die Basis für so ziemlich jedes Ys-Spiel gebildet hat. Entsprechend gibt es hier kein Bump-Kampfsystem, bei dem man Gegnern Schaden zufügt, indem man in sie reinläuft, sondern es geht in lockerer Hack'n'Slash-Manier zur Sache. Ein Schlagknopf, mit dem ihr direkt eine Kombo vollführen könnt, ist euer Handwerkszeug, mit dem ihr Monsterhorden vernichtet, während später Magie hinzu kommt - in Form von Schwertern mit besonderen Mächten, zum Beispiel einem Wirbelschlag. Mag nach wenig klingen, doch Ys ist so kurzweilig gestaltet, dass man sich zu keinem Zeitpunkt denkt, dass das Spiel auch nur einen Funken komplexer sein müsste.

Ys-Ark-of-Napishtim-PC

Kommen wir zur Story, die Ys-typisch natürlich wieder vollkommen vernachlässigbar ist. Der stille Rotschopf Adol und sein blauhaariger Kumpel mit dem besonderen Hass für Wände, Dogi, tuckern auf einem Boot durch den Ozean, als ein Eisberg vor ihnen erscheint. Oder ein Strudel. Irgendwas! Ist ja auch egal, auf jeden Fall geht das Boot kaputt und Adol wird an ein abgelegenes Insel-Archipel geschwemmt. Das wird nicht nur von kuriosen Einheimischen mit Spitzohren und Tierschweifen bewohnt, sondern beherbergt auch das namensgebende Artifakt, die Ark of Naphistim, welche die Macht hat, das Wetter zu kontrollieren. Das bringt die Armee von Romun auf den Plan, die in ihrer Rolle als immer mal wieder sich einmischende Serienbösewichte natürlich dieses Teil für sich beansprucht. Und... ach, eigentlich ist das doch alles egal. Adol muss Monster schlachten!

Doch während normale Gegner eigentlich nur Aufwärmübungen für euren Daumen sind, werden bei den Bossen mal wieder alle Register gezogen. Hier heißt es Bewegungsabläufe zu studieren, denn jeder Bossgegner bietet eine Vielzahl an Attacken und nur wer schnell lernt, die Zeichen richtig zu deuten, und dann auch die Fingerfertigkeit hat, dies in die richtige Ausweichbewegung umzuwandeln, hat eine Chance zu siegen. Das bedeutet in der Regel, dass jeder Boss euch erst ein paar Mal den Hintern versohlen wird, ehe ihr schließlich alle seine Tricks kennt. Ein immer fairer Schwierigkeitsgrad sowie der rockige Soundtrack mit genialen Boss-Themen sorgen dafür, dass dabei statt Frust jeder Tod eher noch einen zusätzlichen Motivationsschub bringt. So eine Schmach kann man einfach nicht auf sich sitzen lassen!

Ys-Ark-of-Napishtim-Darm-Tower-Dogi-Adol

Wenn ihr aber nicht gerade um die Ark of Napishtim kämpft, zeigt Ys sich eher spärlich. Da Adol in diesem Teil springen kann, warten ein paar Hüpfpassagen in den Dungeons auf euch und es gibt wenige Nebenquests allersimpelsten Fetch-Schemas, die euch mit nützlichen Accessoires belohnen. Auch ein paar optionale Bosse lockern das Geschehen auf, aber viel mehr als auf 10 bis 12 Stunden Spielzeit lässt sich die Länge nicht strecken.

Was den XSEED-Release auf Steam von der Konami-Version sowie vom japanischen Original unterscheidet, ist zum einen, dass es mit dem Catastrophe Mode einen komplett neuen Spielmodus gibt, der das Spiel signifikant schwieriger gestaltet: es gibt keine tragbaren Heilitems mehr und wer mitten im Dungeon auf die Nase kriegt, muss beten, dass ein paar schwache Gegner irgendwo lauern und dann noch hoffentlich ein Heilitem droppen, welches direkt beim Aufsammeln genutzt wird. Der Modus ist für Veteranen ein schöner Bonus und ist mit einem hohen Schwierigkeitsgrad kombiniert eine echt krasse Herausforderung, aber auch nichts Weltbewegendes.
Was schon eher in diese Kategorie einzuordnen ist, ist die Warp-Möglichkeit. Denn Ys VI verlangte in seinen alten Versionen von euch teilweise, ganze Dungeons im Namen des Backtrackings noch mal zu durchqueren. XSEED hat sich hier die Mühe gemacht, den Speicherpunkt-Teleport aus den späteren Teilen einzuprogrammieren, und eliminiert so eines der vielleicht nervigsten Elemente der anderen Releases.

Ansonsten erfreut man sich noch an dezent aufgehübschter Grafik mit etwas knackigeren Texturen, Support für HD-Auflösungen und die Ys Material Collection, eine Bonus-CD, die es damals nur in Japan gab und deren Inhalt -- viele, viele Artworks -- gleich in euren Download-Ordner mitgeliefert wird.

Ys-Ark-of-Napishtim-Boss

Wenn es um ein Ys-Spiel geht, sind eigentlich nur drei Fragen wirklich relevant: Rockt die Musik? Vernichtet Adol im Sekundentakt Gegnerhorden mit der Leichtigkeit, mit der wir Normalos uns die Nase putzen? Und natürlich: Prügeln die Bosse einem die Scheiße aus dem Leib, bis man entweder weinend aufgibt oder aufhört, eine Memme zu sein und ihn irgendwann plättet? Bei The Ark of Napishtim ist die Antwort auf diese zentralen Fragen in allen Fällen ein klares Ja. Auch wenn das Gameplay hier und dort noch etwas hakelig ist und die Spielstruktur vielleicht ein bisschen zu offen gestaltet, sind die guten Ansätze erkennbar, die sich im Nachfolger Oath in Felghana in einem der besten Action-RPGs aller Zeiten manifestieren sollten. Doch trotz des Nachfolgers bleibt auch Ark of Napishtim ein Spiel, welches mit seiner schnellen und kompromisslosen Action sowie dem fetzigen Soundtrack alle Fans des Genres voll und ganz zufrieden stellen sollte.Haris

Ys VI: The Ark Of Napishtim wurde auf dem PC getestet. Ein Testmuster wurde uns von XSEED Games zur Verfügung gestellt.

Weiterlesen: Die Ys-Reihe im Überblick

Ys VI: The Ark of Napishtim

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Anständig. Stärken und Schwächen halten sich die Waage. Positive Überraschungen sind genauso selten wie negative. Unterm Strich muss man seine Spielzeit keinesfalls bereuen.

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27. September 2020 um 11:09 Uhr
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16. September 2005
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