Ys: Memories of Celceta

(Artikel)
Haris Odobašic, 19. Februar 2014

Ys: Memories of Celceta

Der beste dritte vierte Teil

Ys: Memories of Celceta hat eine der kurioseren Vorgeschichten eines Videospiels, ist es doch der dritte vierte Teil der Ys-Reihe, aber gleichzeitig der erste, der von den eigentlichen Entwicklern gemacht wurde. Denn damals, nach dem genialen Ys III (dessen Remake, Oath in Felghana, das wohl beste Spiel der Serie ist), beschloss Nihon Falcom einfach, die Entwicklung des Nachfolgers an zwei verschiedene Entwicklerstudios abzugeben, die entsprechend auch ziemlich unterschiedliche Spiele produzierten. Gameplay und Rahmenhandlung ähnelte sich zwar, aber ansonsten war vieles anders. Das man in so einer Situation nicht unbedingt einfach ein stinknormales Remake raushauen kann, ist klar, weswegen Memories in Celceta eine komplette Neuentwicklung ist, die zwar hier und dort Elemente der anderen Spiele übernimmt, wie den Soundtrack, ansonsten aber auf komplett eigenen Beinen steht.

Daher ist auch die Rahmenhandlung neu: neben der Stadt Casnan liegt der riesige Wald von Celceta, ein bis dato quasi unerforschtes Gebiet, weswegen ein Aufruf an alle Abenteurer gestartet wird, gegen eine üppige Belohnung doch bitte diesen Wald nun zu kartographieren. Aber natürlich ist Memories of Celceta nicht nur ein aufwändiges Tool zum Kartenzeichnen, sondern ihr stößt im Verlauf des Spiels auf längst vergessene Zivilisationen, mächtige Technologien und einen Plot, um die Welt zu erobern. Oh, und Adol verliert am Anfang des Spiels sein Gedächtnis und man muss ihm helfen, seine Erinnerungen zurückzugewinnen.
Ich lasse euch nun eine Leerzeile Zeit, damit ihr eurer Freude über das Recyceln des tollsten JRPG-Klischees freien Lauf lassen könnt, zum Beispiel indem ihr die nächstbeste Wand einschlagt.

Ys-Memories-of-Celceta

Fertig? Gut, denn so schlimm es auch auf den ersten Blick klingen mag, aber der Amnesie-Plot ist in Ys sehr gut umgesetzt. Die Suche nach Adols Erinnerungen ist nämlich als Gameplay-Element integriert. Überall im Wald von Celceta liegen diese Erinnerungsfragmente verstreut, die ihr aufsammelt und nicht nur eine kurze Zwischensequenz aus Adols Vergangenheit zu sehen kriegt, sondern auch mit einem Bonus auf Adols Stats belohnt werdet. So ist die Suche gleich doppelt motivierend, da ihr nicht nur stärker werdet, sondern sich insbesondere Ys-Fans darüber freuen können, endlich mehr über Adols Hintergründe und seine Entwicklung zum legendären Abenteurer herauszufinden. Aber auch ansonsten weiß die Geschichte zu unterhalten, ist sogar die bisher beste Story in einem Ys-Spiel. Dass das auch entsprechend gut rüberkommt, ist natürlich insbesondere der Lokalisierung geschuldet, welche die übliche Xseed-Games-Qualität hat. Gerade die Dialoge zwischen den einzelnen Party-Mitgliedern sind immer wieder für einen Lacher gut. Dem steht nur die Teil-Synchro etwas nach, die nur mittelprächtige Sprecher bietet und dann auch noch im Soundmix schlecht platziert scheint, weswegen sie sehr hölzern klingt.

Aber natürlich geht es in Ys weniger um Story und mehr um Monsterkloppen, auch wenn in Memories of Celceta dies durch einen netten Erforschungspart ergänzt wird. Denn wie der Plot schon andeutet, müsst ihr eine Karte des Waldes erstellen, was aber nur semi-automatisch im Spiel passiert. Die Karte wird automatisch gezeichnet, aber natürlich müsst ihr jeden Fleck einmal betreten haben, damit er es auch auf das Pergament schafft. Während ihr eurem Forscherdrang freien Lauf lasst, informiert euch außerdem eine Prozentanzeige regelmäßig darüber, wie viel ihr schon von der Spielkarte erforscht habt, während eine Belohnung bei jedem 10er-Schritt in der Skala wartet. Außerdem motiviert noch zusätzlich, dass das Erforschen ziemlich unlinear ist. Ihr habt zwar mehrere Zielpunkte, dürft aber die Reihenfolge frei bestimmen, mit der ihr sie ansteuert.

Ys-Memories-of-Celceta-Kampf

Dieser sonst gut umgesetzte Aspekt wird nur etwas davon getrübt, dass es auf der Karte keine Möglichkeit gibt, blockierte Passagen automatisch oder manuell zu markieren. So wird man später nicht drum herum kommen, etwas mehr Backtracking als nötig zu betreiben, wenn man eine neue Fähigkeit erworben hat und die Orte sucht, die vorher ohne diesen Move nicht zu erreichen waren.

Dafür gibt sich das Gameplay keine Blöße. Man baut hier auf Ys Seven auf, was bedeutet, dass man wieder in einer Dreier-Party in Echtzeit unterwegs ist, während man wild auf Gegner einprügelt und vernichtende Skills einsetzt, um schließlich genug Kraft für verheerende Spezialattacken zu sammeln. Dabei ist es meist wichtig, zwischen den Charakteren zu wechseln, weil Gegner unterschiedliche Schwächen haben und dort, wo Adols Schwert nicht schneidet, ein Charakter mit besonders harter Faust möglicherweise mehr Glück hat. Es ist die gewohnte Formel der simplen Perfektion bei Ys, in der man nur einen wirklichen Schlagknopf hat, welcher aber schon fast die Rolle des Spaßknopfes innehat und euch mit jedem Druck eine perfekt dosierte Spielspaß-Infusion verabreicht. Es ist schon ein bisschen süchtigmachend, kleine und große Feinde per Knopfdruck zu vernichten, was sicherlich auch daran liegt, dass jeder Schlag eine Menge Kram aus dem Leib der Feinde purzeln lässt, weswegen man ihnen am liebsten auch noch den allerletzten Knochen aus dem unförmigen Körper prügeln würde. Diese Materialien sind hingegen wichtig, um Ausrüstung zu verbessern oder gleich ganz neue Gegenstände zu schmieden.

Außerdem habt ihr die Möglichkeiten, Flash Moves und Flash Guards auszuführen: eine perfekt getimte Ausweichrolle beziehungsweise ein perfekt getimter Block bringen euch für ein paar Sekunden nette Boni, wie kurzfristige Unverwundbarkeit oder garantierte kritische Treffer, was sich insbesondere im Duell mit den Bossen bezahlt macht. Die Bosskämpfe, das Highlight eines jeden Ys-Teils, sind nämlich natürlich gewohnt großartig und werden euch alles abverlangen. Zumindest, wenn ihr beim Spielstart die richtige Entscheidung trefft. Leider ist Memories of Celceta vom Schwierigkeitsgrad dezent verhunzt: die Standardeinstellung ist um einiges einfacher als in den vorherigen Teilen. Wer also schon Erfahrung im Genre hat und nicht auf das optimale Spielerlebnis verzichten will, sollte mindestens auf schwerstellen.

Ys-Memories-of-Celceta-Roda
Einer der weniger aussagekräftigen Dialoge im Spiel...

Da Celceta zum 25-jährigen Jubiläum der Ys-Reihe erschienen ist, gibt es außerdem auch eine limitierte Sonderedition, die es in sich hat: Artbook, 3-CD-Soundtrack mit Musik aus quasi allen Ys-Spielen, ein Kompass im Celceta-Design sowie eine Karte von Celceta aus Stoff, und das alles in einem großen Pappschuber. Der Preis ist dabei nicht viel höher als der der Standardedition. Hier könnten sich die Publisher, die sonst immer nur lahme Steelbooks raushauen, durchaus eine Scheibe abschneiden. Leider bleibt uns in Europa diese Edition verwehrt, aber dank des fehlenden Region Codes bei der Vita ist ein Import kein Problem.

Memories of Celceta ist ein sehr gelungenes Vita-Debüt für die Ys-Reihe. Knapp hinter Oath in Felghana, aber vor Seven und Origins, kann das neueste Ys-Spiel voll und ganz überzeugen, insbesondere auch, weil Nihon Falcom sich nicht auf Lorbeeren ausruht, sondern Mut beweist, neue Ideen einzuführen und umzusetzen. Wie auch in den anderen Teilen davor, ist eine klare Evolution festzustellen, das Kartenfeature und der erforschbare Wald sind zum Beispiel ein echter Spielspaßbonus. Die Vita hat damit ein weiteres, großartiges JRPG in ihrer Bibliothek, welches mit mehr als 20 Stunden Spielzeit auch noch ordentlich fesselt. Haris

Kommentare

Rallee
Gast
20. Februar 2014 um 09:52 Uhr (#1)
Ich schrei jetzt mal ganz subjektiv: "ARK OF NAPISHTIM IST DAS BESTE UND DANACH YS 5 UND DANN OATH IN FELGANA UND DIE BEIDEN NEUEN SIND NETT ABER NICHT HALB SO COOL WIE DER OLDSCHOOLSCHINKEN"!
Undead
21. Februar 2014 um 17:20 Uhr (#2)
Gib mir das.
Gast
25. November 2020 um 12:40 Uhr
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Plattform - Die Playstation 4 (PS4) von Sony ist eine Spielkonsole der 8. Generation. Sie erschien am 29. November 2013 europaweit als Nachfolger der Playstation 3.
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