DSA: Satinav's Ketten

(Artikel)
Rian Voß, 19. August 2011

DSA: Satinav's Ketten

Elfen, Nicht-Elfen, Abenteuer

Wenn sich Daedalic in einer Sache finanziell und qualitativ immer wieder behauptet, dann ist es in Adventures. Adventure ist das englische Wort für Abenteuer. Und wo kommen die Abenteuer her? Natürlich aus Aventurien! Dahin verschlägt es den Spieler auch in Das Schwarze Auge: Satinavs Ketten, einem klassischen Point 'n' Click, welches nicht nur für Spieler des Pen and Paper DSA geeignet sein soll.

Allein grafisch wirkt Satinavs Ketten während der Präsentation schon durchaus brillant. Die Künstler von Daedalic versuchen ja immer wieder, neue Stile zu erkunden und umzusetzen, diesmal befinden sie sich auf den Pfaden von Artwork-artiger Weltdarstellung - was auch vollends gelungen ist. Würde man einen Screenshot einer beliebigen Spieleszene nehmen, könnte man das In-Game-Geschehen in keinster Weise von Konzeptgrafiken unterscheiden, und selbst mit den über 2000 integrierten Animationsloops für NPCs und Umwelt wirkt das Drumherum immer noch wie ein Gemälde. Man merkt vor allem, dass die Grafiker der Spieleschmiede immer noch nicht genug hatten, als die Idee des Dialogsystems vorgestellt wurde: im Stile von Mass Effect wird (hier immer noch vollkommen 2D und gezeichnet!) an die Charaktere herangezoomt, es wird Schnitte geben und die Gesprächsauswahl funktioniert über das von Bioware etablierte Dialog-Rad, selbstverständlich unter vollständiger Vertonung. Einerseits weine ich da ein bisschen dem Dialogstil, der seit der frühesten LucasArts-Adventures existiert, ein wenig nach, andererseits ist das Feature schon jetzt überzeugend genug, dass meine Trauer nicht von langer Dauer sein wird. Mir geht es quasi jetzt schon viel besser. *Taschentuch*


Das Einzige, was mir etwas übel aufgestoßen ist, sind die Geh-Animationen des Protagonisten Geron - eine Sache, die Daedalic meiner Meinung nach seit Erstlingswerk Edna Bricht Aus nicht ordentlich hinbekommt. Die Animation wirkt hölzern und zu simpel.

Jetzt muss ich aber zugeben, dass ich noch nie DSA gespielt habe, darum möge man mir Ungenauigkeiten in meinen Beschreibungen verzeihen - im Gegensatz zu mir sind die Daedalic-Leute in der Hinsicht wesentlich versierter, haben sich natürlich Lizenzen geholt und sind sogar soweit gegangen, dass sie bekannte Dinge aus Aventurien (wie etwa der Ork-Sprache oder Geographie) kompromisslos übernommen haben, so dass sich jeder DSA-Nerd sofort wohlfühlen dürfte. Andererseits wurde nicht nur fleißig eingebettet, sondern auch ergänzt. So wurde etwa dem Lied der Bärenbraut, welches bisher nur über Text verfügte, eine Melodie gestiftet und es wurden Lücken im Ork-Vokabular gefüllt, was seinerseits nun simultan zum Spielerelease in den Kanon des Rollenspiels übernommen wird.

Die Geschichte dreht sich um Held-aus-Notwendigkeit Geron, dem in jungen Jahren in Undergust ein blinder Seher prophezeit hat, er würde großes Unglück über die Welt bringen. Undergust ist leider ein wenig hinterwäldlerisch, also nehmen die Bewohner die Wahrsagung zum Einen für bare Münze, zum Anderen verbrennen sie den Propheten. Rednecks, nicht wahr?
Geron ist nun also tapfer dabei, seinen Namen entgegen der ihn mobbenden Gesellschaft reinzuwaschen und das tut er mit Hilfe der Fee Nuri. Die beiden werden häufig als Team zusammenarbeiten auf der Suche nach… Satinavs Ketten? Keine Ahnung, was diese Ketten sind, müsste mir wahrscheinlich ein DSA-Junkie erklären. Auf jeden Fall gehen die zwei durch dick und dünn, auch wenn man ausschließlich Geron spielen wird und nicht, wie etwa in A New Beginning, abwechselnd den einen und dann den anderen. Allerdings kann man Nuris Zauberkraft benutzen, um Objekte zusammenzufügen - eine Fähigkeit, die Gerons Trick, Dinge magisch zu trennen, perfekt gegenübersteht.
Damit Geron aber erst einmal weiß, wie er sich behaupten kann, bekommt er gesteckt, dass Nostria (ein eigentlich verfeindetes Königreich) zu Besuch kommt und deswegen ein Wettbewerb ausgerufen wird: wer vier Federn vom selben Material findet (der Rechtsweg ist ausgeschlossen), der bekommt eine Audienz beim König. Klingt für Geron sehr gut, also sammelt er zu Beginn erst einmal eifrig Kupferfedern.


Von der Atmosphäre her wird Satinavs Ketten, wie es bei Daedalic üblich ist, wieder eine neue Richtung einschlagen. Edna war albern, Whispered World war bitter-süß, A New Beginning war sarkastisch und zynisch und Satinavs Ketten wird eine gewisse Ernsthaftigkeit an sich haben, bei der Humor nur mal zur Auflockerung dient. Es ist jetzt wahrscheinlich nicht damit zu rechnen, dass ein Schicksalsschlag den nächsten jagt, aber das Adventure wird sich definitiv an ein etwas reiferes Publikum richten.

Es bleibt zu sagen, dass DSA: Satinavs Ketten sich sich wohl mühelos in die Schlange hochqualitativer Grafikabenteuer einreihen wird. Rian

Kommentare

Kristin
20. August 2011 um 16:03 Uhr (#1)
...wobei "The Whispered World" aus der "Schlange hochqualitativer Grafikadventure" zwar nicht grafisch, aber vom Gameplay her auszunehmen wäre, weil es einfach nervig war. ;) Aber ein Held, dem prophezeiht wird,er werde die Welt in großes Unglück stürzen? Kommt mir ja jetzt auch irgendwie bekannt vor...
Hach, aber das sieht ja auch wieder alles unfassbar GUT aus! Und ich dachte schon, es gebe dieses Jahr keine Daedalic-Neuigkeiten für mein kleines Adventure-Herz. Das neue Dialog-System kann ich mir jetzt allerdings gar nicht vorstellen... Als überzeugte Trickfilm-Spielerin habe ich von Mass Effect natürlich die Finger gelassen... Nähere Erklärung? <:3
Rian
20. August 2011 um 17:43 Uhr (#2)
Es ist eigentlich genau das, was man auf dem Screenshot sieht: die Dialogoptionen werden als Rad dargestellt und nicht mehr wie sonst einfach untereinander weg. :0
Gast
20. September 2019 um 18:38 Uhr
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