Diskwars

(Artikel)
Joshua Peters, 04. Juli 2011

Diskwars

Krieg mit Pappscheiben

Videospiele, Sammelkartenspiele, Pen & Paper-RPGs und komplexe Brettspiele - alles sehr schöne, nerdige Beschäftigungen, aber etwas fehlt da doch noch in dieser Aufzählung, oder? Richtig: Tabletopspiele! Leider ist es mindestens genauso schwer eine Gruppe zu finden, die solche Spiele spielt, wie eine vernünftige Gruppe für ein P&P-RPG zu finden. Viele lassen sich hier von dem Preis abschrecken - oder einfach vor der Tatsache, dass man bei vielen Tabletops die Figuren selbst zusammenbauen und bemalen muss. Eigentlich sind die Preise bei Warhammer 40.000 und Konsorten jetzt auch nicht so extrem schlimm, wenn man mal drüber nachdenkt - was stört ist einfach nur, dass man ca. 250€ investieren muss, um erst mal anfangen zu können.

Dabei kann es aber im Prinzip schon bleiben - man hat eine spielbare Armee und muss nichts weiter beachten, während man bei Spielen wie Magic zwar schon mit einem 5€-Deck anfangen kann, aber dann, jedenfalls als relativ aktiver Spieler, kontinuierlich Geld reinsteckt und schon ziemlich schnell über diese 250€ weg kommen. Fuck, manche Turnierdecks knacken auch schon mal locker die 1000€-Grenze. Allerdings gibt es bei diesen Turnieren auch Geldpreise, die sich sehen lassen.
Kommen wir aber wieder zurück zu den Tabletops. Neben all den "regulären" gibt es ja auch noch Mage Knight und MechWarrior mit sammelbaren Figuren, die man nicht zusammenbauen und bemalen muss, welche aber Aufgrund der Tatsache, dass man die Figuren im "Booster" bekommt und es fast jede Figur in drei unterschiedlichen Seltenheitsgraden gibt, ähnliche Geldfresser wie Magic sind. Und dann gibt es Diskwars. Damals, als das Spiel rauskam, habe ich es zusammen mit einem Freund gespielt, allerdings nicht lange. In letzter Zeit musste ich allerdings häufiger wieder dran denken, und habe es dann zufällig zusammen mit einem Kommilitonen im örtlichen Fantasy-Fachmarkt entdeckt.

"Stehenbleiben Leute! Ich habe keine Ahnung mit was wir es hier zu tun haben!"

Diskwars ist eine Mischung aus Tabletop und Sammelkarten-Spiel, das im Jahre 1999 in der USA erschien und wenig später auch nach Europa kam. Vom Prinzip funktioniert es wie ein Tabletopspiel: die Einheiten haben bestimmte Werte, unterschiedliche Scheibengrößen, Rekrutierungskosten, auf die man beim Zusammenstellen der Armee achten muss, bewegen sich über einen Tisch, um Ziele zu erreichen, und haben meistens eine Fraktion und Gesinnung. Aber statt mit teuren Figuren spielt man mit günstigen, dicken, qualitativ recht hochwertigen Pappscheiben. Das mit der qualitativen Hochwertigkeit trifft jedoch nur auf die deutschen Scheiben zu - die englischen sind von wesentlich schlechterer Qualität. Und diese Scheiben kauft man sich auch nicht in kleinen Mengen wie z.B. bei Warhammer, wo man sich genau aussucht, was man braucht, sondern man kauft gleich eine Streitmacht-Box, in der man genug Scheiben von einer Fraktion findet, um eine Armee bauen zu können und dazu noch eine ungefähr gleiche Anzahl von zufälligen anderen Einheiten. Auch Zauber sind Disks mit Rekrutierungskosten, die sich in den Rahmen befinden. Dementsprechend hat man auch nach dem Kauf von mehreren Streitmächten nicht unbedingt alle Zauber, während man einige ganz oft besitzt. Es ist also auch wirklich darauf ausgelegt, dass man die Scheiben miteinander tauscht.

Riese verprügelt Drache

Was ich besonders an dem Spiel mag ist, dass die Grundregeln so simpel sind! Allein wie sich die Einheiten weiterbewegen: Man dreht die Scheibe so oft wie es der Bewegungswert erlaubt über die Kante um. Das erspart einem das viele Gemesse mit Zollbändern und Diskussionen darüber, ob der andere die Figur zu weit nach vorne geschummelt hat, oder nicht. Auch schön ist der Fernkampf: auf einer Fernkampfeinheit steht wie viel sie von was schießt, also zum Beispiel drei Pfeile. Nun entscheidet man sich auf welche Einheit in Reichweite man schießen möchte. Dann legt man drei Pfeilmarken auf eine unbenutzte Scheibe, hält sie dreißig Zentimeter über die feindliche Einheit, dreht die Scheibe um und alles, wo eine Marke drauf liegen bleibt, ist getroffen. Das können allerdings auch die eigenen Einheiten sein, falls sie in der Nähe liegen oder eine Marke blöd rollt. Bei Zaubern funktioniert das zum Glück etwas anders. Beim Zauber Feuerball z.B. darf einfach nur nichts in gerader Linie zum Ziel den Weg versperren und schon trifft man. Das macht Zauber schon recht stark, aber wie ich auch schon sagte besitzen sie auch Rekrutierungskosten, und die sind häufig auch nicht ganz ohne. Dann überlegt man sich schon, ob man jetzt einen zweiten Feuerball in sein Zauberbuch aufnimmt, oder doch lieber eine Einheit mehr rekrutiert. Eine Runde ist außerdem in verschiedene Phasen aufgeteilt, wie es sich für ein Tabletopspiel gehört. Allerdings spielt man trotzdem mehr oder weniger gleichzeitig, da man sich innerhalb der wichtigsten Phase nach einer bestimmten Anzahl von Aktionen abwechselt. Der Nahkampf läuft dann z.B. komplett synchron. Nahkampf ist auch besonders toll - wenn zwei verfeindete Scheiben überlappen, befinden man sich im Nahkampf - das lässt sich ziemlich weit stapeln und die Kämpfe werden dann von oben nach unten abgehandelt. Je nachdem ob eine Scheibe unten oder oben liegt, verwendet sie andere Nahkampfwerte. Somit gibt es auch einige Scheiben, bei denen man lieber angegriffen werden möchte als gezwungen zu sein sich auf den Gegner zu stürzen.

Hadouken!

Generell fällt Diskwars unter die Kategorie: einfach zu lernen - schwer zu meistern. Die Regeln sind alle stimmig und fair, man muss nicht tausend Seiten durchlesen, bevor man loslegen kann, es sind unter 40, und alles Wichtige zu den Einheiten steht auf den Disks - was will man mehr? Natürlich kommt das Spiel nicht an die Tiefe eines Warhammer oder Herr der Ringe ran, aber trotzdem muss man sich viele Gedanken über seine Strategie machen und jeden Zug genauestens Planen. Auch bei der Aufstellung der Armee muss vieles beachtet werden, neben den Kosten spielt auch die Fraktion eine Rolle - man muss sich für eine entscheiden, und >50% der Punktekosten der Armee müssen aus dieser stammen - und natürlich das Szenario. Zudem weiß man meist erst mal gar nichts über die Armee des Gegners, da er ja auch jedes Spiel eine andere baut, die er ans Szenario anpasst. Es besitzt somit also genug strategischen Anspruch um einen zu fesseln, ist aber auch bestens für zwischendurch geeignet und muss nicht stundenlang geplant und aufgebaut werden. Zudem ist es auch sehr leicht zu transportieren. Leider werden die Kriegsscheiben schon seit 2001 nicht mehr hergestellt und man muss echt Glück haben sie irgendwo zu finden. Ich habe auch echt ein bisschen gefeiert, als ich die Boxen in dem Geschäft sah - und sie haben nur einen Euro pro Streitmacht gekostet! Die Verkäuferin hat auch ein bisschen blöd geguckt, als wir dann - mit allen 16 Boxen, die sie noch hatten - im Gepäck, zur Kasse gedackelt kamen. Falls ihr irgendwo zu ähnlichen Preisen auf Streitmachtboxen trefft (ähnlich = +/-3€) und auf Tabletopspiele steht, kann ich euch nur empfehlen zuzugreifen!

Auch Ihr - Jozu

Kommentare

Dreed
05. Juli 2011 um 13:32 Uhr (#1)
hört sich spassig an, wenn ich das nächste mal zu besuch bin (oder du mal wieder hier bist) sollten wir das zocken^^

Mandrathara
Gast
14. Mai 2021 um 10:08 Uhr (#2)
Keine Ahnung ob an dem Spiel noch Interesse besteht,
ich habe gerade eine ganz neue Seite erstellt, die dürfte viele Probleme lösen :-)

Diskwars.jimdofree.com


Da die Seite noch nicht bei Google gecrawlt ist ist es noch etwas leer , aber ein paar Leute sind schon im Forum der Seite.

Gruß

Mike
Gast
24. Juni 2021 um 05:12 Uhr
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Sparte - Wenn es nicht bei drei auf dem Baum ist, testen wir es.

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