Die Siedler von Catan

(Artikel)
Rian Voß, 22. Mai 2011

Die Siedler von Catan

Spiel des Jahres 20XX

Ist schon irgendwie witzig: Die Siedler von Catan wirkt, wie Monopoly, wie ein Urgestein der Brettspielewelt, dabei ist es erst 1995 herausgekommen, genauso wie der Sega Saturn und ein ganzer Haufen schlechter Techno-Musik. Aber wollen wir uns von den niederen Analogien mal nicht irreleiten lassen, denn Die Siedler wird nicht umsonst gerne überall gespielt und hat sogar seine Virtualisierung erfahren. Um die geht's aber heute nicht, sondern um die Schattenseiten des hochgelobten Familienspiels.

Monopoly wurde von mir übrigens auch nicht ohne Hintergedanken erwähnt, denn die hässliche Fratze zeigt sich bei Die Siedler auf dieselbe Weise und lässt sich daher herrlich mit diesem Bild erklären:

Genauso sieht es beim wuseligen Siedlerspiel aus! Man spielt zu viert, soll nun seine Stadt und seine Siedlung platzieren und es geht reihum. Und nach und nach verschwinden all die guten Plätze, alle die Fünfen und Neunen und Vieren und Zehnen werden von irgendwelchen andersfarbigen Emporkömmlingen besetzt und am Schluss kann man sich aussuchen, ob man doch lieber seine schäbige Stadt an einer Wüstenecke oder an einem nutzlosen Hafen, dessen 2:1-Ressource man eh nie bekommt, erbauen möchte. Positive Alternativen gibt's da nie, außer für die anderen Spieler.
Aber zu Beginn nimmt man das alles ja noch locker. Da sitzt man dann an einer schönen Achter-Lehmgrube und es werden die ersten paar Runden keine Achten gewürfelt, aber was soll's? Tauscht man halt 4:1 Schafe weg, die bringen doch eh nichts. Oh, aber dann kommen schon nach drei Umdrehungen die Seeräuber auf die Insel und man selbst hat die letzten paar Züge damit verbracht, Siebenen zu würfeln, den Räuber umzustellen, dabei immer schön die Hälfte seiner Handkarten zu verlieren (natürlich bekommt man Karte Nummer 8 exakt einen Zug vorher, was eine Karte zu viel auf der Hand ist) und ansonsten auszusetzen und da hatte man natürlich keine Zeit, sich einen Ritter zu kaufen und die Streitmacht der anderen ist nicht stark genug zum Abwehren, also muss man jetzt wohl seine einzige Stadt abbauen und hat somit alle Chancen auf Handelsgüter für's Erste vertan.

Und dann sind beim Spiel natürlich immer zwei Lager vorhanden: Die Veteranen und die Newbs. Wobei man ja von Newbs nicht sprechen kann, weil sie schon mal gespielt haben, aber das ist immer exakt lange genug her, dass sie alle wichtigen Detailfragen wieder vergessen haben. Und wenn dann irgendwann doch mal ein Spieler einsieht, dass seine Städte ungünstig platziert sind oder dass aus irgendeinem Grund die Würfel ihn total hassen und nur noch Müll auf dem Tisch landet, und man eigentlich keine gerechtfertigte Chance auf den Sieg hat, dann geht es nur noch darum, die anderen Spieler zu ärgern, sei es durch hohle Regelfragen, das wie ein Mantra wiederholte "DER TISCH HAT SEIN RECHT", auch bekannt als "WAS LIEGT, DAS LIEGT" und hitzige Diskussionen darum, wann ein Würfel denn nun brennt und wann man diesen Wurf wiederholen muss.
Besonders schön wird es dann noch, wenn einer der alten Spieler sich hundertprozentig sicher ist, dass eine Handelsstraße nur eine ununterbrochene Handelsstraße ist, wenn keine Stadt oder Siedlung (auch keine eigene!) auf ihr steht und dann irgendwann einsehen muss, dass er sein Leben lang eine Lüge gelebt hat. Das wird dann wirklich tragisch und herzzerreißend.

Die Siedler von Catan ist ein tolles Spiel, aber man darf es eigentlich - wie so viele Brettspiele mit begrenzten Ressourcen - gar nicht erst anfangen, wenn auch nur einer der Spieler nicht gut gelaunt ist und wenn keiner der Spieler mit Klauen und Zähnen auf den Sieg hinarbeitet. Wir packen trotz unserer Probleme immer mal gerne wieder die Sechsecke aus, aber ich glaube, bis ich wieder Monopoly spielen kann müssen noch ein paar Jahre ins Land ziehen. Rian

Kommentare

Haris
22. Mai 2011 um 19:03 Uhr (#1)
Erinnert mich daran, wie wir in einer Partie von den Räubern angegriffen wurden und der Typ, der vor mir dran war, meinte, keinen Ritter einsetzen zu müssen für die Verteidigung, weil er davon ausging, dass ich das schon machen würde. Also tat ich das nicht. Wir verloren zwar beide eine Stadt ABER ich hatte sowieso ein Stadtupgrade auf der Hand, also juckte mich das wenig!
AsgarZigel
24. Mai 2011 um 19:14 Uhr (#2)
Ein echter Klassiker :D
Das Aufbauen dauert nur immer ewig, vor allem wenn man die Erweiterungen noch dazunimmt...
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01. August 2021 um 14:44 Uhr
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