Geek Battle

(Artikel)
Rian Voß, 16. Juni 2013

Geek Battle

Trivial Pursuit für Auserwählte

Geeks, Nerds und alles, was eine unbändige Liebe zu einem speziellen Thema teilt, tritt täglich in Wettstreit miteinander. Dieses Fußballteam ist besser als das andere, mein Pokémon ist stärker als deins, Fliegen sind besser als Krawatten. Bisher gab es aber kein (uns bekanntes) Schlachtfeld, in dem sich interdisziplinär Geeks messen konnten. Das Brettspiel Geek Battle - The Game of EXTREME Geekdom soll das ändern.

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Geek Battle ist ein Quiz-Spiel, und ein sehr laissez-faires noch dazu: Man rottet sich in bis zu vier Teams zusammen, würfelt, beantwortet Fragen und wer im Zentrum der Spirale angekommen ist, hat gewonnen. Quasi. Die Teambildung erfolgt nach Teamstärke, nicht nach Anzahl der Spieler. Wenn also ein Ubernerd mitspielen will, kann er auch alleine gegen den Rest antreten, no problem. Deswegen kann man das Spiel auch rein theoretisch mit unendlich vielen Personen zocken.
Zu Beginn einer Runde würfelt man einen sechsseitigen Würfel. Ich sage "sechsseitiger Würfel", aber wir alle wissen selbstverständlich, dass ein W6 gemeint ist. Also, W6 gewürfelt, auf ein Feld vorziehen. Felder haben meist eine Farbe, die für einen Themenbereich von vieren - Wissenschaft & Technik, Comics & Videospiele, Sci-Fi & Fantasy und Geek Life - steht. Karte ziehen, entsprechendes Thema aussuchen, Frage vorlesen und das Team darf sie in Übereinstimmung beantworten. War die Antwort falsch, passiert nichts und der nächste ist dran. Ist sie allerdings richtig, wird der harte W12 ausgepackt und mit ein bisschen Dusel geht's richtig schnell voran.

Fragen erstrecken sich von Allgemeinwissen bis zu richtiger Fachidiotie. Wie viele AA-Batterien man braucht, um auf 9 Volt zu kommen, kriegt man vielleicht noch so zusammen, aber wenn es um den Namen des Haustier-Affen der Wonder Twins geht, dann sollte man doch einen richtigen Comic-Liebhaber auf seiner Seite haben. Während die Qualität der Fragen ein gehöriges Maß an Recherche von Leuten, die sich auch wirklich mit den vielen Materien (denkt euch hier bitte einen Antimaterie-Witz, mir ist keiner eingefallen) auskennen, erahnen lässt, ist es doch manchmal schade, wenn sich Tipp- oder Flüchtigkeitsfehler auf den 125 Trivia-Karten mit jeweils vier Fragen einschleichen. Wenn die Magieressource von Magic: The Gathering als "Manna" statt "Mana" bezeichnet wird, ist das vielleicht noch okay, aber Max Payne als Egoshooter zu bezeichnen ist schon außerhalb des grünen Bereichs. Allerdings halten sich diese Fehltritte im Rahmen des Vergebbaren.
Und da die Spiele-Entwickler wussten, dass niemand perfekt ist, wurde das Challenge eingeführt: Denkt man, dass die eigene Antwort besser ist als die der Kartenrückseite, kann man die Antwort herausfordern und innerhalb von 90 Sekunden Beweise sammeln: Internet, Lexikon, die originale Kopierschutzdrehscheibe von Monkey Islands 2 - egal! Danach dürfen die anderen Spieler ehrenhaft abstimmen. Ist die Antwort besser, darf das Team weiterziehen. Schlägt das Challenge fehl, muss es eine Runde aussetzen. Das ist eine schöne Idee, um Diskussionen über die Richtigkeit von Antworten nicht ewig in die Länge zu ziehen und sollte eigentlich in allen Quizspielen angewandt werden.

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Nerd-Maximum erreicht: Nachdem es uns nicht gelungen ist, alle Sonderzeichen auf den Zahlentasten einer QWERTY-Tastatur aufzuzählen, mussten wir die richtige Antwort erst einmal googlen.
Richtig interessant wird es beim Geek Battle. Landet man auf solch einem Feld, darf das Team einen Repräsentanten wählen und den Repräsentanten eines anderen Teams herausfordern. Auf die folgende Frage müssen die beiden dann abwechselnd antworten und wer als erstes keine gültige Lösung mehr weiß, hat verloren - und die Gewinner dürfen vorrücken. Ich glaube, ich habe in meinem Leben noch nie etwas Elektrisierenderes gesehen als zwei Trekkies, die auf der originalen Star-Trek-Serie basierende Spin-Offs und Filme aufsagen. Das wird noch mal ganz abgedreht, wenn ein Team das Inner Sanctum of Geekdom erreicht und so ein Battle absolvieren muss, um endlich zu gewinnen.

Englisch-Training inklusive: Das Spiel ist nicht auf deutsch verfügbar.
Was ein bisschen auf die Spaßbremse drückt, sind die Wurmlöcher. Landet man auf einem Feld mit Würfelaugen, schmeißt man seinen W6 und teleportiert zu dem Feld, dessen Zahl er zeigt. Häufig kommt es vor, dass ein Team auf diese Weise uneinholbar weit vorne landet oder dass sich ein Team durch Würfelpech immer wieder nach hinten versetzt. Um das Spiel etwas langanhaltender zu gestalten, haben wir folgende Hausregeln etabliert:

Wurmloch = Noch mal würfeln,
W12 wird zu W6,
Sieger des Geek Battles dürfen sieben anstatt fünf Felder vor


Es muss auch noch einmal die fast schon perfekte Verarbeitung des Spiels angesprochen werden. Geek Battle kommt in einer übersichtlichen Klappbox ohne großes Trara. Die Regeln passen auf die Innenseite des Deckels und gehen damit niemals verloren. Der Spielplan ist handlich, genauso wie die vier Pappaufsteller-Spielfiguren. Die Verpackung doppelt ihren Nutzen auch gleich als praktische Kartenaufbewahrung, die man im Kreis rumwandern lassen kann. So fällt es sehr schwer, mit einer unbedachten Ellbogenbewegung einen lose herumliegenden Kartenstapel über den gesamten Boden zu verteilen. Der Aufbau braucht keine halbe Minute und das Set kann bei windarmen, sonnigen Tagen auch mal bedenkenlos mit nach draußen genommen werden. Wenn man denn will. Der nächstbeste Keller ist natürlich auch okay. Geeks und Sonne, pfff.

Geek Battle - The Game of EXTREME Geekdom macht sehr viel Spaß und regt im Anschluss auch die ein oder andere Diskussion an. Schließlich war auch nach einer Abstimmung immer noch nicht klar, ob im Film Inception nun drei oder vier Traumebenen plus Limbo dargestellt werden. Allerdings muss für die Unterhaltung das Publikum stimmen: Hat irgendjemand sein Geekwissen außerhalb der vier Themenbereiche - und wir sind doch alle irgendwo geekig, ob es nun um Sport, Oper oder Videospiele geht -, wird er nur über die ganzen Nerds und ihre Insider den Kopf schütteln können. Auch ist die Kartenanzahl etwas dürftig: Während die Triviakarten insgesamt 500 Fragen haben (Vergleich: die 2002-Jubiläums-Edition von Trivial Pursuit hat 3600 Fragen), fangen die 50 Geek-Battle-Karten nach etwa zehn Durchgängen sich an zu wiederholen. Nichtsdestotrotz ist Geek Battle eine gute, abendfüllende Alternative, falls bei der LAN der Router stirbt, die Physik-Vorlesung ausgefallen ist oder der Spielleiter unerwartet von Felsbrocken erschlagen wurde. Rian

Geek Battle - The Game of EXTREME Geekdom wurde uns von getDigital.de zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!

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01. August 2021 um 16:45 Uhr
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Themengebiet - Was ist hier los? Brettspiele? Auf dem DPad? So ein Schwachsinn. Das ist doch kein Videospiel! Also früher, da hatten Videospiele-Journalisten noch Ehre. Integrität! Da hätten sie nicht einfach in einer lahmen Woche über irgendein Brettspiel geschrieben, das ihnen zugeflogen ist. Wahrscheinlich auch noch in der Stadtbücherei vom Grabbeltisch abgegriffen, wie? Naja, was soll's. Immerhin ist es noch ein Spiel. Nicht so wie wenn Kotaku über Anime schreibt.
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Sparte - Wenn es nicht bei drei auf dem Baum ist, testen wir es.

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