Silent Hill: Shattered Memories

(Artikel)
Benjamin Strobel, 12. Februar 2010

Silent Hill: Shattered Memories

Endlich wieder in Glanz und Gloria?

Mit Silent Hill: Shattered Memories hatte Konami meine Seele bereits auf der GamesCom eingefangen. Als das Spiel vorgestern endlich auf meinem Schreibtisch lag, musste ich alles andere stehen und liegen lassen, um es endlich zu spielen! Der Titel hat jede Menge Stärken, leider auch ein paar Schwächen, aber die Nächte vor der Wii haben definitiv Spaß gemacht.

In Shattered Memories startet ihr nicht in irgendeiner dunklen Ecke oder auf dem Weg nach Silent Hill, sondern auf der Couch eines Psychotherapeuten. Und wie es bei diesen Herren so ist, muss man natürlich erst mal einen Persönlichkeitsfragebogen ausfüllen. Hier gibt man an, ob man leicht Freunde findet oder auf Rollenspiele beim Sex steht, die üblichen Sachen eben. Wie man die Fragen hier beantwortet, wird bereits Einfluss auf den Spielverlauf nehmen und kann sogar schon dazu beitragen, welches Ende man erhalten wird. Doch sicher ist damit noch gar nichts! Das Spiel überwacht nämlich alle Handlungen des Spielers, wertet sie aus und verändert auf dieser Basis verschiedene Spielemente wie z.B. Aussehen und Kleidung von Charakteren und sogar ihr Geschlecht oder ihre Intentionen. Nach dem Eingangsgespräch mit Onkel Doc findet man sich in der Vergangenheit als Harry Mason wieder. Der arme Kerl fällt nach einem Autounfall völlig benommen aus seinem Wagen. Und noch schlimmer: Seine Tochter Cherryl ist verschwunden! Es ist nicht nur Nacht, sondern auch Winter in Silent Hill. Es ist nicht nur dunkel, sondern auch zugeschneit. Zum Glück ist man von Anfang an mit einer Taschenlampe ausgestattet, um zumindest eines dieser Übel zu bekämpfen.
Auf der Wii könnt ihr mit der Fernbedieung völlig intuitiv die Taschenlampe und damit die Blickrichtung steuern. Auf der PS2 dient dazu der rechte Stick. Für die Bewegung ist der Nunchuck zuständig. Insgesamt funktioniert es auf der Wii wie bei Resident Evil 4. Es hat damals schon funktioniert und ist auch in Shattered Memories superflüssig!

Der Therapeut. Würdet ihr dem alles anvertrauen?

Ihr könnt im Spiel sogar die Service-Nummer von Konami wählen: 220-8330. Der Service wird euch dann allerdings sagen, dass er euch leider nicht helfen kann, da ihr euch in Silent Hill befindet.
Neben der großartigen Taschenlampe hat Harry Mason auch noch sein Mobiltelefon im Mantel (womit sich das Inventar übrigens auch schon erschöpft hat). Auf der Suche nach Tochter Cherryl begegnet man Silent Hill-typisch der ein und anderen seltsamen Person, die einem anschließend auch mal eine Textnachricht schreibt oder anruft. Natürlich kann man auch selbst Nummern wählen und andere Leute anrufen. Wer beim Spielen gut aufpasst, wird zahlreiche Telefonnummern auf Plakaten und Zetteln entdecken. UND MAN KANN SIE ALLE ANRUFEN! Außerdem hat man eine Handykamera und ein eingebautes Navigationssystem, das als Map dient. Hier kann man mit der Wiimote sogar eigene Routen einzeichnen. Einziges Manko: Harry läuft elendig langsam, wenn man das Handy auswählt und die Map aktiviert hat. Ist also eher was für flüchtige Blicke. Achja: Wenn das Telefon klingelt, kommt der Ton natürlich aus dem Minispeaker der Wiimote (auf dieses Feature muss die PS2-Version selbstverständlich verzichten). Auch die Stimme auf der anderen Seite ist dann über die Fernbedieung zu hören, was wirklich ziemlich cool ist und dem Spieler ein richtiges Telefon-Feeling gibt.
Negativ ist hingegen die kleine Schrift auf dem Handy-Display, wenn man eine SMS lesen möchte. Gerade bei den geringen Auflösungen der Systeme sind die kleinen Zeichen alles andere als scharf und einige Wörter nur schwer zu lesen. Das ist sehr schade, da das Mobiltelefon ein zentrales Element des Spiels ist. So beginnt es (über den Wiimote Speaker) zu rauschen, wenn bestimmte Orte oder Feinde in der Nähe sind. Bei diesen Orten handelt es sich um Plätze, in denen Erinnerungen bzw. Emotionen gespeichert sind. Diese lassen sich dann mit dem Handy in Form von Textnachrichten oder Voicemails abrufen und geben Hintergrundgeschichte preis.

Definitiv ein Foto wert!

Und Silent Hill wäre nun nicht Silent Hill, wenn nicht lauter schräge und gruselige Dinge passieren würden. Leider sind die gruseligen Dinge gar nicht sooo gruselig, was wirklich schade ist. In regelmäßigen Abständen treten Nightmare-Szenen auf, in denen die Umgebung komplett vereist. Plötzlich ist dann auch alles voller Monster, die glücklicherweise außerhalb dieser Szenen nicht auftauchen. Achtung, hier kommt eine grundlegende Neuerung: Es gibt keine Kämpfe mehr! Stattdessen setzt man hier voll auf Flucht nach vorn! In den Nightmare-Szenen gilt es blau gekennzeichnete Türen oder Vorsprünge schnell zu erreichen - die Farbe gibt an, dass es dort weitergeht. Dabei muss man dem ganzen Monstergesocks ausweichen und versuchen, den nächsten Wegpunkt zu erreichen. Aber wehe man bleibt kurz stehen, um die Map zu aktivieren, dann hat man Ärger am Hals! Wird man von einem Monster mal erwischt, so muss man es sich schnell wieder vom Leib schütteln, indem man Wiimote und Nunchuck ruckartig in die entsprechende Richtung zieht (Buttons auf der PS2). Ist man umzingelt, muss man das häufig auch drei oder viermal in Folge machen. Doch keine Angst, Harry ist hart im Nehmen! Leider ein bisschen zu hart, denn man kann fast nicht sterben und verliert schnell die Angst vor den Monstern. Schade, ein bisschen mehr darf der Spieler schon gefordert werden.
Dass es im gesamten Spiel auch nur einen Monster-Typ gibt, ist gar nich so schlimm. Denn hier greift wieder das Profiling-System! Das Spielverhalten hat nämlich auch Einfluss auf die Erscheinung der Monster. Bei mir beispielsweise hatten die Viecher ganz komische Tentakel am Kopf, bei anderen habe ich Löchern im Bauch gelesen, wieder andere hatten Quadratschädel. In einigen Internetforen gibt es auch Berichte, dass man Monster mit riesigen Brüsten bekommt, wenn man während des Spiels häufig auf Frauenbilder achtet und diese länger ansieht.

Ups. Falsche Tür.

Außerhalb der Nightmare-Szenen geht es darum, Hinweise zu sammeln, wo Cherryl geblieben ist. Ab und zu trifft man schräge Typen, die einem (mehr oder weniger) weiterhelfen. Ab und zu muss man auf dem Weg ein paar Rätsel lösen, wie man es bereits aus früheren Silent Hill-Teilen kennt. Allerdings sind die Rätsel in diesem Teil wirklich lasch und beschränken sich darauf, durch Beweung der Wiimote Täschchen zu öffnen und Schlüssel daraus hervorzuholen. Spätestens nach dem dritten Mal ist das langweilig. Leider ist die Variation auch nicht sehr groß und Nachdenken braucht man nur in den seltensten Fällen. Erst in den letzten beiden Spielstunden gibt es ein paar Rätsel, die über simples Taschenöffnen hinausgehen. Leider reicht das bei Weitem nicht, um den Spieler so richtig bei Laune zu halten. Da das Spiel mit etwa acht Stunden Spielzeit auch ziemlich kurz geraten ist, befindet man sich immer nur so an der Grenze zur Langeweile, da die Story-Events das Spielgeschehen spannend halten und man keine Ruhe mehr hat, bis man weiß wie das Spiel ausgeht. Natürlich gibt es wieder mindestens vier Enden (und ein UFO-Ende!), basierend auf dem Verhalten und den Entscheidungen im Spiel.

Auch wenn insgesamt kein richtiges Gruselgefühl aufkommt, weil auch jeglicher Schockmoment einfach fehlt, ist die Atmosphäre sehr stimmig. Nicht zuletzt ist dafür der großartige Soundtrack verantwortlich, der traditionsgemäß spitzenklasse ist. Auch die englischen Sprecher leisten vorzügliche Arbeit und machen die Dialoge glaubwürdig und spannend. Auf der Wii macht das Spiel sogar optisch ordentlich was her, was man wirklich nicht erwartet hätte. Viel besser kann man ein Spiel auf der Hardware nicht aussehen lassen, Kompliment an das Silent Hill-Team! Durch den Einsatz der Taschenlampe kommen besonders die dynamischen Schatten zur Geltung, die mal ziemlich gelungen sind.

Bauchtattoo - heißt das "abenteuerlustig" oder "gefährlich"?

Shattered Memories ist erhältlich für Wii, Playstation 2 und die PSP. Ich habe sowohl die Version für die PS2 als auch für die Wii vorliegen und muss jedem dringend den Wii-Ableger empfehlen. Auf der Konsole glänzt der Titel insbesondere durch seine exzellente Steuerung und eine der besten Grafiken auf dem System. Leider kann die PS2 beides nicht von sich behaupten: Die Steuerung ist Standard, die Texturen schwammig. Wer beide Systeme sein Eigen nennt, sollte hier zur Wii-Version greifen. Allerdings spricht der geringe Schwierigkeitsgrad wohl eher Anfänger an. Als Core-Gamer im Survival-Horror wird man hier systematisch unterfordert. Trotzdem ist der Titel für 30 Euro nicht zu teuer und einen Blick sicher Wert! Nex

Kommentare

Damien
13. Februar 2010 um 13:00 Uhr (#1)
Mit einem Meisterwerk habe ich eh nicht gerechnet, aber so lange Atmosphäre und Story stimmen ist das im Vergleich zu Homecoming ein schritt in die richtige Richtung. Innovative Ideen sind ja schon mal vorhanden, auch wenn einige nicht ganz ausgereift zu sein scheinen. Die Idee, dass man nur flüchten kann, fand ich von Anfang an sehr interessant. Zu schade nur, dass einem das viel zu leicht fällt und dadurch jegliches Survival-Feeling flöten geht.
Jetzt bin ich mal gespannt, wie es mit einem Nachfolger aussieht. Werden die Ideen beibehalten und ausgebessert oder orientiert man sich wieder an dem alten Schema? Ich persönlich wäre für ersteres, aber dann bitte mit vernünftigem Schwierigkeitsgrad, deftigen Rätseln und min. 15 Std. Gameplay. Dann muss Konami sich nur noch auf die Suchen nach einem guten Komponisten machen...
Ben
13. Februar 2010 um 22:16 Uhr (#2)
Ich wäre auch dafür, dass man zu den Wurzeln zurückkehrt (Silent Hill 1/2). Vor allem will ich wieder wirklich verstörenden Schrecken sehen! Richtigen Horror! Auf Kämpfe kann ich schon verzichten, aber ich möchte knackige Rätsel und fiese Gruselmomente.
Gast
24. April 2017 um 21:03 Uhr
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