Star Ocean 4

(Artikel)
Haris Odobašić, 07. Juli 2009

Star Ocean 4

Nun mit noch mehr 08 15!

Mit Star Ocean 4 stellt man schnell fest, dass Spiele, die noch vor fünf Jahren, womöglich zurecht, als Klassiker gegolten hätten, heutzutage nur noch veraltet sind. Denn im neuesten Teil der Serie erwartet einen ein Standard-RPG, in dem die nervigsten westlichen wie japanischen Elemente zu einem großen Haufen Mist verknüpft werden. Einem großen, stinkenden Haufen Mist, mkay?

So gut sieht das Spiel aber auch nur in den Zwischensequenzen aus. Sonst dominiert eigentlich Tristheit.
Auf der japanischen Seite steht da dann beispielsweise DIE Palette von absoluten Klischeecharakteren. Der flamboyante Hauptcharakter, der ständig mit seinen Emotionen kämpft, sein weiblicher Gegenpart, der heimlich in ihn verliebt ist, aber es nie zugeben würde und sich deswegen wie eine nervige Schwester aufführt oder halt der vornehme Bilderbuchelfe, der hier als Alien getarnt wird. Selbstverständlich sehen dabei alle männlichen Charaktere total androgyn aus, während das andere Geschlecht sich vorallem durch das Fernbleiben von Kleidung auszeichnet und alle sind natürlich in einen Farbtopf gefallen. (Ich habe ja die Theorie, dass die Japaner so genervt vom ständigen Uniformzwang sind, dass sie einfach durch Spiele versuchen daraus auszubrechen. Und darum könnten auch niemals zwei Charaktere in einem J-RPG etwas tragen, was sich im Entferntesten ähnlich sieht.)

Auch der Humor ist zweifelhaft, besteht er doch zu einem großen Teil aus solchen Krachern wie:
"Männlicher Hauptcharakter sieht weiblichen Hauptcharakter nackt und kassiert eine Ohrfeige"
Und wer könnte diesen Klassiker jemals vergessen?
"Männlicher Hauptcharakter sieht weiblichen Hauptcharakter beim Duschen und wird mit einem Pfeil abgeschossen"

Daneben gibt es natürlich noch die anderen, typisch japanischen Humorelemente Bratpfanne und Fäkalien. Es hat was von einem Mario Barth-TV-Auftritt. Dahinter steckt keine Mühe, doch scheint es immer noch Leute zu geben, die das für ur-komisch halten. Ich selbst kann aber irgendwie nur noch müde gähnen über die Witze, die so aus dem pubertären Zeitalter zu stammen scheinen. Star Ocean springt wie ein Pong-Ball ständig von bierernst zu auf-Teufel-komm-raus-witzig, anstelle es zu wagen, die dünne Linie zwischen Humor und Seriösität zu begehen. Hier könnten japanische Entwickler enorm von beispielsweise Bioware oder Bethesda lernen. Mal ein bisschen weg vom Slapstick, Leute!

Ich bin wirklich 15, mkay?
Die wenigen Experimente, die Tri-Ace sich bei diesem Standardgerüst wagt, haben dann leider auch ein katastrophales Ergebnis. Auftritt Lymle, mkay? Lymle ist ein 7 15-jähriges Mädchen, dass sich ihrem Alter entsprechend wie ein Kleinkind aufführt, mkay? Sowas macht es natürlich schwer möglich, das Spiel ernst zu nehmen und raubt so mancher emotionalen Szene das nötige Feingefühl, mkay? Dann gibt es noch einen Subplot mit leichten Pädo-Untertönen, mkay? Oh, und sie sagt nach jedem Satz mkay, mkay?

Und wenn das nicht alles schlimm genug wäre, wurde das Spiel ein bisschen mit West-Anpassung gewürzt. Es gibt eine erbärmliche, englische Synchro, die von hochmotivierten Schlaftabletten eingesprochen wurde, die scheinbar die Lokalisationsabteilung des Titels Chaos Wars als Vorbild hatten. Dann wurden hier und da grafische Kleinigkeiten verschlimmbessert, wie beispielsweise schöne, gezeichnete Portraits durch hässlichere 3D-Render ersetzt. Und, schlußendlich, wurde für die EU/US-Version auch noch ein bisschen Game Content herausgeschnibbelt. Das sind zwar nur kleinere Szenen und Sequenzen, aber 2009 darf man doch wohl erwarten auf jedem Kontinent das gleiche Produkt zu erhalten. Abgesehen von Australien, aber das ist ja auch gleichzeitig ein Land, das zählt nicht.

Auch wenn die Story, die erstmal 30 (!) Stunden braucht, um in Fahrt zu kommen, überzeugen kann, das Gameplay spaßig ist und man mit der Item Creation ein tolles Werkzeug hat, das motiviert und den Wiederspielwert steigert, reicht das doch alles nicht um Star Ocean 4 aus dem Sumpf des Mittelmaßes zu heben, bei dem es sich aber sicher wohlfühlen wird neben anderen Click & Play-J-RPG-Standard-Kit-Spielen wie The Last Remnant, Enchanted Arms oder Blue Dragon. Evil

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13. Dezember 2017 um 12:23 Uhr
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