Yooka-Laylee im Test

(Artikel)
Torsten Ingendoh, 18. April 2017

Yooka-Laylee im Test

Das N64 lebt!

Es gab eine Zeit, da haben Jump 'n' Runs die Videospielindustrie dominiert. Super Mario 64 bewies damals, dass das Genre den Wechsel in die dritte Dimension schaffen kann, und die Jungs von Rareware haben durch Banjo-Kazooie und Banjo-Tooie mit dieser Erkenntnis weitergemacht. Viele ältere Gamer denken mit rosaroter Brille zurück an diese Zeiten und fragten sich: "Funktionieren solche Spiele heute noch?" Playtonic Games wollte diese Frage beantworten und nach einer erfolgreicher Kickstarter-Kampagne, ist ihre Schöpfung Yooka-Laylee nun endlich erhältlich. Daher noch mal die Frage: Könnte Banjo-Kazooie heute noch funktionieren? Darauf muss ich wie eine Clickbait-Überschrift reagieren und sagen: Die Antwort dürfte euch überraschen.

Yooka-Laylee ist ein 3D-Jump-'n'-Run mit einem Tierduo, das zusammen durch eine Hub-Welt reist, um mithilfe von Collectibles neue Stages freizuschalten, mit dem Ziel, am Ende den Bösewicht zu besiegen. Anstelle von Jiggies sammelt man Pagies, mit denen man keine Bilder zusammensetzt, sondern Bücher öffnet, die neue Welten enthalten, in denen ihr noch mehr Pagies sammeln könnt. Der Bösewicht ist Capital B, eine kapitalistische Biene, die alle Bücher auf der Welt auf der Suche nach einem magischen Buch einsaugt. Dieses Buch befindet sich im Besitz von Yooka und Laylee. Und als es eingesaugt wird, flüchten die Seiten aus dem Band. Nun wollen Yooka und Laylee ihr Buch zurück, also folgen sie den Seiten in die Hivory Towers, welche die Hub-Welt darstellen.

20170414102610_1Die Level sind groß und farbenfroh.

Schon in den ersten Minuten wird klar, dass Playtonic ihr größtes Ziel erreicht haben: Yooka-Laylee versprüht denselben Charme wie der Vorgänger, und es fühlt sich auch alles so an wie damals. Die Welt ist quietschbunt und erinnert an einen Neunzigerjahre-Cartoon. Selbst die Dialoge könnten direkt von Rareware stammen - komplett mit der Vertonung in Form von quäkenden Lauten. Ich würde sogar so weit gehen, dass es sich ein wenig zu sehr wie Banjo-Kazooie anfühlt. Laylee ist genauso frech wie Kazooie, fast so als wäre sie einfach nur eine Fledermausversion des bekannten Vogels. Die Musik ist ebenfalls sehr stark vom Soundchip des Nintendo 64 inspiriert. Yooka-Laylee ist im Prinzip ein N64-Spiel mit mehr Polygonen.

Ich denke, da stoße ich gleich an das erste Problemchen von Yooka-Laylee: Ja, das Spiel fängt den Geist der Rare-Klassiker perfekt ein. Doch es bringt dabei zu wenig Eigenes mit ein, um sich von der Vorlage abzuheben. Vielmehr fühlt es sich stellenweise mehr wie ein Banjo-Kazooie-Klon statt eines geistiger Nachfolgers an. Dazu gehören Dinge wie die Dialoge mit ihren Lauten als Sprachausgabe, dazu gehört der fast schon identische Spielaufbau mit der Hub-Welt, und den Pagies, die man braucht für neue Welten braucht. Im Original lernt man ständig neue Moves, mit denen man in der Hub-Welt neue Orte erreichen kann. Genauso funktioniert es in Yooka-Laylee auch.

20170414105236_1Steel thy Shovel.

Wirklich weiterentwickelt hat man das Spielprinzip nur an wenigen Stellen. So lässt sich jede Welt erweitern, indem man das dazugehörige Buch mit extra Pagies füttert. Wer also die Level schon bis zu Ende erforscht hat, der hat so einen Grund, sie erneut zu besuchen. Natürlich gibt es so noch viel mehr Pagies zu finden, mehr als man fürs Upgrade ausgegeben hat. Damit erklären sich auch die scheinbaren Sackgassen und Brücken ins Nichts im Leveldesign. Dort geht es erst nach dem Upgrade weiter. Wobei ich das gerne gewusst hätte, bevor ich mühselig einen Turm in der ersten Welt erklommen habe, nur um an der Spitze absolut nichts zu finden. Eine andere Weiterentwicklung ist so gesehen eine Reduzierung. Banjo-Kazooie und Banjo-Tooie sind bekanntermaßen Collectathons unzähliger Objekttypen sondergleichen. Yooka-Laylee beschränkt sich beim Sammeln auf Pagies, Quills, Lebensenergie und Ausdauerupgrades. Des weiteren muss man nicht zehn verschiedenen Items sammeln für die verschiedenen Fähigkeiten. Außerdem muss man keine Munition sammeln, sondern jede Fähigkeit verbraucht etwas Ausdauer.

Yooka-Laylee zwängt sich selbst in eine ganz komische Nische. Es ist klar, dass die Macher die Klassiker von Rare leidenschaftlich gerne gespielt haben und deswegen diese Zeit für alle Gleichgesinnten wiederaufleben lassen wollen. Und das gelingt ihnen auch. Zu gut sogar. Der Geist der Spiele wird fortgesetzt und verfeinert, aber es fehlt dem Ganzen dann doch an der Prise Evolution. Playtonic hat sich so sehr darauf versteift, ein neues Banjo-Kazooie zu erschaffen, dass man sich scheinbar nicht getraut hat, über das Alte hinauszuwachsen. Playtronics hat anscheinend ganz vergessen, ein Yooka-Laylee zu machen.

20170416231921_1Die Schlange Trowser verkauft euch neue Moves.

Was nicht zwingend schlecht ist. Banjo-Kazooie und Banjo-Tooie werden nicht umsonst zu den besten 3D-Jump-'n'-Runs gezählt. Insofern ist ein Spiel, das genau dasselbe macht, auch gut, vor allem da Yooka-Laylee sehr kompetent in dieser Hinsicht ist. Es setzt nur zu viele Karten auf die Nostalgiegefühle der Gamer. Und da macht sich bei mir dann doch früher oder später die Ernüchterung breit.

Hinzu kommen noch einige technische Probleme. An jeder Ecke sind kleinere Soundaussetzer zu hören, die Kamera kann durchaus widerspenstig sein, hängt sie doch gerne mal an der Szenerie fest. Die Kollisionsabfrage hat mich teilweise in den Wahnsinn getrieben. Zum einen ist es möglich auf absurd kleine Vorsprünge zu hüpfen und so Wände hochzuklettern, die garantiert nicht dafür bestimmt waren. Bisher konnte ich mir aber auch nicht wirklich einen Vorteil dadurch erarbeiten, es ist nur irgendwie merkwürdig. Viel schlimmer ist es, dass zum anderen die despawnenden Reste zerstörbarer Objekte weiterhin eine Kollision verursachen und man warten muss, bis die Splitter verschwunden sind, ehe man durch ein frisch geöffnetes Loch schlüpfen kann. Viel schlimmer ist noch aber die Tatsache, dass besiegte Gegner während ihrer Sterbeanimation weiterhin Schaden verursachen, wenn ihr sie berührt. WARUM? Ich bin so oft in diese blöden Viecher gerannt und habe unnötig Schaden erlitten, weil ich das einfach nicht bedacht habe. Zudem ist es nicht immer schlüssig, wann man mit seinem Angriff den Gegner trifft und wann der Gegner euch trotz des Angriffes trifft. In einen Gegnertyp bin ich so oft mit dem Luftangriff reingesprungen und habe Schaden genommen, das ist echt nicht mehr witzig. Bitte, bitte bessert da dringendst nach, Playtonic!

Und das ist irgendwie Yooka-Laylee. Ein Spiel von Banjo-Fans für Banjo-Fans und alle, die mal einen N64-Controller in der Hand hatten. Es macht durchaus Spaß und die Umsetzung ist bis auf einige technische Stolpersteine äußerst gut gelungen. Doch da hört es schon auf für mich. Zumal ich nicht sooo ein großer Fan der Banjo-Spiele war, mir waren die Level teilweise zu offen und die Aufgaben etwas zu unklar oder zu gut versteckt. Ich bevorzuge die klaren Anweisungen von Super Mario 64. Abgesehen davon bietet es nicht viel mehr als Banjo-Kazooie und Banjo-Tooie. Wer mal wieder ein gutes altes 3D-Jump'n'-Run möchte, der ist mit Yooka-Laylee sehr gut beraten. Wer damit nichts anfangen kann, wird wohl auch hier nicht viel finden, was ihn fesselt. Yooka-Layle ist ein solides Spiel für mich.

Oh, und die Minecart-Abschnitte können sich mal gewaltig ins Knie ficken!

Yooka-Laylee wurde auf dem PC getestet. Ein Testmuster wurde uns von Team 17 zur Verfügung gestellt.

Yooka-Laylee

(Ranking)
B
RANK
Anständig. Stärken und Schwächen halten sich die Waage. Positive Überraschungen sind genauso selten wie negative. Unterm Strich muss man seine Spielzeit keinesfalls bereuen.

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24. April 2017 um 07:19 Uhr
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11. April 2017
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