Hamstern in Videospielen

(Artikel)
Joshua Peters, 12. Juli 2017

Hamstern in Videospielen

"Why can't I hold all these runes?!"

Ihr habt doch sicherlich auch alle Diablo 2 gespielt, oder? Klar habt ihr das, denn schließlich war das damals Pflicht. Ich persönlich habe das Spiel sehr, sehr lange zusammen mit meinem Bruder und/oder diversen Freunden immer und immer wieder gespielt - und es war auch das erste Spiel, in dem mir eine ärgerliche/nutzlose Angewohnheit aufgefallen ist: Das Hamstern von Gegenständen. Und selbstverständlich beschränkt sich das nicht nur auf Diablo 2, sondern zog sich durch mein ganzes Zocker-Leben, bis ich dann irgendwann (wahrscheinlich aus Frust) der Anti-Hamster zum Vorschein kam. Glücklicherweise durfte ich aber feststellen, dass ich bei Weitem nicht der Einzige bin, der nutzlose Items bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag aufbewahrte.

Dieser Beitrag wurde erstmals am 9.7.2013 veröffentlicht.

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Ach ja. Ich denke, dass die Runen aus dem Header wirklich das perfekte Beispiel für dieses Verhalten sind. Zusammen mit den Edelsteinen natürlich. Diese werden GRUNDSÄTZLICH immer mitgenommen und in der Stadt in die Truhe geschmissen. Wenn man genug hatte, wurden sie dann zwar im Horadrim-Würfel zur nächsthöheren Stufe verschmolzen, aber am Ende hatte man dann gefühlte 25.000 perfekte Edelsteine, die man am Ende doch nicht benutzt hat. Also ich zumindest nicht und auch viele andere, die ich kenne, nicht. Die Runen waren da dann schon etwas nützlicher, denn schließlich konnte man damit Runenwörter bilden. Dafür brauchte man aber Rüstungen/Waffen, die genug Sockel und ausreichend gute Stats hatten, dass es keine Verschwendung war. Und die waren selbst auch nur durch unendliches Grinden zu finden. Fallen für Jozu also auch flach. Aber Hauptsache die Runen besitzen!
Schlimm wurde es dann auch noch mal, wenn man ein Low-Level-Set oder Unique gefunden hat. Das konnte der größte Mist auf Gottes Erden sein, und trotzdem: Ich bewahrte es auf. Schließlich kann man das ja vielleicht noch mal für die Anfangsphase eines neuen Chars gebrauchen. Zwar hörte ich irgendwann mit Diablo 2 auf, aber so eine Angewohnheit verschwindet ja nicht einfach. Ich glaube, am stärksten kam das mit Torchlight 2 zurück, welches aber im Grunde auch nur ein neues, schickes Diablo 2 ist. Kein Wunder also. Aber auch die Elder-Scrolls-Spiele verleiteten mich stark dazu, einfach ALLES aufzubewahren. Bestimmte Tränke, Köpfe, Waffen, Wurzeln... Alles, was den Anschein machte, irgendwie besonders zu sein, wurde mit sich rumgeschleppt oder auch zu Hause in die Truhen geschmissen. Sortiert natürlich. Eine Truhe für Kleidung, eine für Waffen, eine für alchemistische Erzeugnisse und so weiter und so fort. Wurden die irgendwann noch einmal gebraucht? Selbstverständlich nicht. Aber irgendwann hat man auch einfach so unglaublich viel Geld, dass es egal ist, ob man sie behält oder verkauft. Eine andere Alternative wäre, sie gar nicht erst einzustecken. Okay, jetzt wird es albern.

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Was mir gerade bei Skyrim noch im Besonderen aufgefallen ist: Durch die verästelte Inventar-Struktur und die vielen Items, die kein Gewicht haben, müllt man sich häufig auch so unglaublich mit irgendwelchen aus Versehen aufgehobenen Briefen, Büchern, Broten, Buttermessern und was weiß ich nicht noch was voll. Und das geht dann immer so weiter, weil es einem nicht mal besonders auffallen muss. Irgendwann schaut man mal wieder intensiv sein Inventar durch und kann mit all dem Scheiß darin ein ganzes Haus befüllen. Ihr seht schon, am schnellsten wird man in Rollenspielen zum Messi. Überall sonst sammelt man aber auch eher selten viele Items. MMORPGS sind davon nicht ausgeschlossen. Aber als ich mit Guild Wars 2 anfing, hatte ich dieses Verhalten zum Beispiel schon weitesgehend abgelegt. Das mag aber auch daran liegen, dass man sich im Auktionshaus fast alles nachkaufen kann, was man irgendwie unabsichtlich verkauft hat. Außerdem erschien es mir immer viel einfacher und auch sinnvoller, all meine Items, die ich nicht brauche, im Auktionshaus zu verkaufen und mir für das Geld das Equip zuzulegen, welches ich gerne hätte. Außerdem hält man so auch die Preise für gecraftete Items niedrig. Schließlich übersättigt man den Markt mit billigen Materialien. Und ich habe doch keine Lust, stundenlang zwischen Auktionshaus, Bank und Craftingstation zu pendeln, nur um meine Handwerksfähigkeiten hochzuleveln und mir meine Ausrüstung selbst herzustellen. Apropos Craften. Monster Hunter 3 Ultimate. Hier sammelt man ja auch en masse Materialien. Allerdings kann man auch hier alles Erbeutete in einer bodenlosen Truhe lagern. Dort gammeln sie dann vor sich hin, bis sie vielleicht irgendwann mal verwendet werden. Ich denke aber nicht, dass ich jemals noch mal 356 Eisenerze verbrauchen werde. Aber in der Truhe stören sie ja keinen und was Besseres kann man damit eh nicht anfangen.

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Vorhin erwähnte ich ja schon mal Guild Wars 2 - da war ich ja schon weniger hamsterig. Aber auch schon wieder etwas mehr als vorher, da ich in den Jahren zuvor mit dem bisher stärksten Anti-Hamster eine ganz schlechte Erfahrung gemacht habe. Und zwar beim besten Spiel der Welt, also NieR. Da NieR eine japanische Produktion ist, gibt es auch hier per Definition eine ganze Menge Grinding. Hauptsächlich, um an Materialien zu kommen, mit denen man seine Waffen verbessern kann. Ja. Damals habe ich jedes mal, nachdem ich irgendwie aus dem Dorf raus war und irgendwelche Quests erledigte, ALLES an Items verkaufte, welche ich nicht für meine Hauptwaffe brauchte. FÜR MONIS! Später stellte sich dann heraus, dass ich einige echt seltene Items verkauft hatte, für dich ich dann später stundenlang bestimmte Gebiete abfarmen musste.
Oh, und dann ist da noch die Geschichte mit Far Cry 3. Gerne habe ich mal ein bestimmtes Upgrade übersehen und dann alle benötigten Häute verscherbelt, da ich dachte, ich würde sie nicht mehr brauchen... Wahrscheinlich könnte ich jetzt noch ewig Anekdoten vom Hamstern und Verkaufs-Fails erzählen, aber ich denke, ihr habt euch inzwischen bestimmt schon an der einen oder anderen Stelle wiedergefunden. Vielleicht auch nicht, aber es würde mich wundern. Joshua

Kommentare

Haris
10. Juli 2013 um 13:03 Uhr (#1)
Also so ein Videospiele-Messi bin ich jetzt nicht, aber je nach Spiel fällt es mir auch ziemlich schwer, Sachen zu verkaufen. Bei manchen Spielen kann man einfach nicht abschätzen, ob ein Item später noch nützlich sein wird oder nicht...
Da lobe ich es mir, dass in manchen Spielen zumindest der Mist, der verkauft werden kann, in der Beschreibung auch als solcher klassifiziert ist.
Ben
10. Juli 2013 um 18:49 Uhr (#2)
Ich finde es vor allem auch sinnvoll, wenn es einen Button für "kompletten Müll auf einen Schlag verkaufen" gibt. Dann hat man direkt ausgemistet und kann zwischen den nützlichen Dingen nochmal schauen, was man wirklich braucht. So hab ich es z.B. auch bei Far Cry 3 gemacht.

Ich hasse es übrigens, wenn man Sachen findet, von denen man keine Ahnung hat, ob / wozu sie wichtig sind. Dann heißt es: Hamstern bis der Hamster kommt.
Gast
23. Oktober 2017 um 17:27 Uhr
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