Heavy Rain

(Artikel)
Benjamin Strobel, 28. Januar 2010

Heavy Rain

Spiel = Film

"Wie weit würdet du gehen, um jemanden zu retten, den du liebst?"

Mit dieser Tagline spricht Heavy Rains Entwickler Quantic Dream direkt zu unserer emotionalen Ader. Schließlich ist das eine ernstzunehmende Frage! Wozu bin ich bereit? Würde ich für jemand anderen sterben? Oder töten? Und: Was ist Liebe?

Im Rahmen dieser Fragen haben die fleißigen Wichtel von Quantic Dream vier Hauptcharaktere erschaffen, deren Schicksale sich umeinander weben. FBI-Profiler Norman Jayden, Privatdetektiv Scott Shelby, Architekt Ethan Mars und Journalistin Madison Paige. Sie alle suchen aus verschiedenen Gründen eine unheimliche fünfte Person, den Origami-Killer. Auf diesem Wege kreuzen sich immer wieder ihre Pfade, vermutlich auch in Abhängigkeit der Spielweise. Oder auch nicht, denn: Sehr typisch für dieses Genre beeinflussen die Entscheidungen des Spielers nämlich immer wieder den Spielverlauf. Und wenn der Spieler aus Versehen stirbt, ist der Charakter zwar tot, aber das Spiel geht weiter! Doch was ist hier eigentlich das Genre?

Eigentlich ist Heavy Rain ein Film Noir-Thriller - Es lässt den Spieler tief in die Gedanken- und Gefühlswelten der Charaktere eintauchen. Gedanken werden dem Spieler in Monologen offen zugänglich gemacht und schüren so die Nähe zu den Charakteren. Hierin zeigt sich auch das Kernkonzept des Spiels: Der Transport von Emotion. Die Gefühle der Charaktere sollen für den Spieler im Vordergrund stehen. Um das zu ermöglichen, orientierte sich das Entwicklerteam sehr stark an filmischen Stilmitteln: Verschiedene Kameraperspektiven verheimlichen oder enthüllen wichtige Elemente, solche Wechsel und Schnitte werden unmittelbar ins Gameplay integriert. In Trailern und Spielsequenzen bemerkt man außerdem den häufigen Gebrauch von Musik - ein wichtiges Element, wenn es darum geht, Emotionen herumzufahren. Aus dieser Vorgehensweise heraus gilt Heavey Rain auch als interaktiver Film, da man weniger mit einem aktivem Spielen beschäftigt ist, als viel mehr mit dem Erleben der Geschehnisse.

Emotionsgeladen: Die Präsentation ist wirklich filmreif.

Auch Wikipedia gibt als Genre Interaktiver Film an. Interessanterweise müsste man die dortige Definition allerdings mal überarbeiten. In der Beschreibung bei Wiki geht man nämlich noch davon aus, dass ein interaktiver Film vollständig aus Full Motion Video (FMV) bestehe (also eine Filmsequenz, die nicht in Echtzeit berechnet wurde) - im Anbetracht der heutigen Technik ist filmreife Optik jedoch längst auch in-game möglich. Quantic Dreams Indigo Prophecy (hierzulande Fahrenheit) hat bereits vor fünf Jahren gezeigt wie gut das funktioniert. Und wenn man sich heute Heavy Rain ansieht, kann man nur sagen: Mein lieber Scholly! Die Grafik ist sehr beeindruckend, ziemlich effektreich und erzeugt bereits rein optisch eine phänomenale Atmosphäre.

Heavy Rain, Heavy Graphics.

Vor wenigen Tagen ist in der Röhre übrigens auch ein Video aufgetaucht, das die ersten neun Minuten des Spiels zeigt. Obwohl der Anfang eher sowas wie ein Tutorial ist, macht es trotzdem Spaß zuzusehen, wie das Spiel sich aufbaut und welche Elemente hier und dort aufschillern. Und wenn man ganz genau hinsieht, findet man sich plötzlich in Shenmue wieder! Dieser Titel hat diese Spielmechaniken vor etwa zehn Jahren quasi erfunden! Als Action-Adventure völlig fehlklassifiziert, hatte Shenmue schon damals ein ähnliches Prinzip vor Augen. Der Spieler befand sich in einer interaktiven Umwelt und jagte über zahlreiche Quicktime-Events und Dialoge hinweg dem Ausgang der Story entgegen. Und wie bei Heavy Rain konnte man auch schon damals seinen Kleiderschrank durchwühlen und jedes bekackte Bild an der Wand betrachten! Und weil das hier ein interaktiver Film für Erwachsene ist, gibt es natürlich auch jede Menge nackte Haut und angeblich sogar die ein oder andere Sex-Szene! Eins haben die Entwickler klar gesagt: Sie wollen Heavy Rain zwar möglichst vielen Spielern zugänglich machen, Beschneidungen auf Kosten der Atmosphäre wird es aber keine geben.

Es ist ein sonniger Morgen! Zeit aufzustehen! Dann erstmal auf's Klo, schnell duschen, rasieren (keine Sorge, der coole Drei-Tage-Bart wächst während des Spiels wieder nach) und Zähneputzen nicht vergessen! Nicht nur seitwärts, sondern auch senkrecht auf und ab. Hierzu bedient sich das Spiel sogar der Sixaxis-Power des PS3-Controllers. Aber ist euch aufgefallen, dass er beim Duschen keine Seife benutzt? Ich hoffe, das wird bis zum Release noch ausgebessert. Und irgendwie klingt das jetzt alles nicht so spektakulär. Aber jede Geschichte muss ja irgendwie anfangen. Vom morgendlichen Klogang bis zum Origami-Killer - was für ein Werdegang! Bei Heavy Rain bin ich mir jedenfalls sicher, dass die Geschichte umso spannender weitergehen wird. Nex

Kommentare

Rian
28. Januar 2010 um 01:53 Uhr (#1)
Shenmue als interaktiven Film zu bezeichnen ist total deplatziert. In Shenmue spielt man Leben! Man IST Ryo Hazuki, auf der Suche nach dem Mörder seines Vaters. Aber ob und wie man das macht, kann man selber vollkommen frei entscheiden! Man kann auch das ganze Spiel über Gabelstapler fahren, Geld verdienen und Figürchen kaufen.
Damien
28. Januar 2010 um 09:18 Uhr (#2)
Ich muss Rian da zustimmen. Außerdem hat man in Shenmue noch dieses wunderbare beat em up gameplay und eine Spielhalle :).

Auf Heavy Rain freue ich mich besonders. Endlich mal wieder ein vielversprechnder Titel für die PS3!
Kristin
28. Januar 2010 um 11:31 Uhr (#3)
Oh man. Die Sims können sich wenigstens alleine abtrocknen. XD
Ben
28. Januar 2010 um 11:32 Uhr (#4)
Der Vergleich sollte sich eigentlich auf das Gameplay beziehen(siehe Video), nicht auf die Klassifikation "interaktiver Film". Aus dem Kontext wird das eigentlich klar.. Da hat der Korrekturleser wohl meine falsche Formulierung auf Kosten von Sinn, zugunsten Meckerns übersehen.
Rian
28. Januar 2010 um 11:56 Uhr (#5)
Man vergleicht Shenmue einfach nicht. Shenmue ist DAS Spiel. Neben Shenmue gibt es keine anderen Spiele! Aber mal ganz davon ab: Es ist total albern, wie man jeden kleinen Mist mit Schütteln des Controllers machen muss, aber nicht das Fernlenkauto selbst steuern darf!
Ben
28. Januar 2010 um 15:37 Uhr (#6)
Aber genau solche Passagen meine ich eben! :P Habe mal im entsprechenden Absatz "Genre" auf "Gameplay" geändert, so drückt es aus, was ich meine.
Phno
28. Januar 2010 um 19:44 Uhr (#7)
Wie ihr euch hier unterhaltet, obwohl ihr euch mit Faustschlägen direkt den Rest geben könntet!
Rian
28. Januar 2010 um 20:45 Uhr (#8)
Faustschläge hebe ich mir für die Gelegenheiten auf, in denen Shenmue direkt beleidigt wird.
Ben
28. Januar 2010 um 20:49 Uhr (#9)
Eigentlich habe ich indirekt ja auch nur gesagt, dass Shenmue das Trinken aus Tetrapacks in Spielen bereits erfunden hat!
Gast
31. März 2020 um 14:51 Uhr
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