Penny Arcade

(Artikel)
Rian Voß, 30. Mai 2008

Penny Arcade

Blablala of Darkness

Um zwei Punkte schon einmal vorweg klar zu stellen:
1. Ich mag Penny Arcade. Habe mich zweimal durch die Archive gelesen und auch wenn's nicht immer die Spitze des humoristischen Eisbergs darstellt, so ist PA doch DER Klassiker unter den Gamer-Webcomics und bringt mich gerne mal zum Lachen.
2. Ich war zwar nicht ekstatisch in Aufruhr wegen des angekündigten Spiels mit dem unmöglichen Titel Penny Arcade Adventures: On the rain-slick Precipice of Darkness von Hothead Games, aber mir gefielen die Screens und vor allem die Atmo. Schöner Mix aus Gotham City, Noir und Steampunk - gefällt! Auch wenn ich diesen elenden Fruitfucker (siehe Header) noch nie ausstehen konnte, aber was soll's.

Nun habe ich mir also die Demo des ersten episodisch, Sam-and-Max-2-esque herunterladbaren Teils dieser Serie über Xbox Live gezogen und musste feststellen, dass ich gänzlich unbeeindruckt eine halbe Stunde meines Lebens verschwendet habe. Was ich, ohne mich vorher groß informiert zu haben, erwartet hätte, sind mindestens gut rübergebrachte Punchlines und die Eloquenz eines Tycho Brahe. Dessen Fingerabdrücke sind auch merklich in jedem hochgestochenen Wort des mysteriösen, auktorialen Erzählers sowie aller Item- und Objektbeschreibungen vorhanden. Woah, und wie viel der Kerl labert. Die ersten dreißig Sekunden waren seine "Mich deucht, iro Gnaden sei unabkömmlich!"-Gebaren ja noch ganz ulkig, aber das ganze Tutorial danach war eine Qual.

Auch ist die Atmosphäre der Stadt, die im schön anzuschauenden, vollends gezeichneten Animationsvorspann aufgebaut wurde (sehr beeindruckend: Der von mir erstellte Charakter kommt ebenfalls gezeichnet vor! Neato!), schnell verpufft. Wo ist die verregnete, dunkle Großstadt hin? Diese miese Vorstadt in lauschiger Abenddämmerung vermittelt kein bisschen ein Gefühl von Coolness. Es ist so, als wäre da jemand konzentriert dazu bestrebt gewesen, sämtliche Illusionen des Spielers mit einem Hauch verpuffen zu lassen. Ich benutze das Wort nur selten, aber das war mal eine Transition von Intro zu in-game, die so richtig lame war.

Und dann das Gameplay an sich: Der sogenannte Exploration-Mode, in dem nicht gekämpft, sondern interagiert und herum-objektet wird, zeichnet sich durch ein herausragend grauenvolles Auto-Aiming aus, das es mir verbietet, Gegenstände anzuvisieren, die sich direkt vor mir befinden. Ich muss erst zwei Meter zurücksetzen, mich umdrehen und dann hoffen, dass ich auch wirklich die LINKE und nicht die RECHTE Mülltonne angucke. Nachdem ich dann meinen Rechen aufgesammelt, fünfzehn Heilungspflaster und mehrere andere, nutzlose Battle-Items aus Kisten und Containern prügelte, durfte ich meine ersten Fruitfucker erlegen. Das Kampfsystem ist echtzeit-rundenbasiert (eh, ja. Es macht Sinn, vertraut mir) und nichts Außergewöhnliches:

Eine Taste für Items, eine zum Angreifen, eine für Spezialattacken, die durch kleine Minigames verstärkt werden können. Einzig nennenswerte Neuerung: Jede Taste hat ihren eigenen Countdown. So kann man als Spieler zwar dran sein und will sein Limit Break am Feind loswerden, dieser Angriff ist aber noch längst nicht aufgeladen - also heißt es weiterhin den Früchteficker mit Orangen bewerfen und mit der Harke zu malträtieren. Und wenn man zu lange überlegt, was man als nächstes macht, dann greift der Gegner schon an. Insgesamt fühlt sich das ganze Prinzip recht halbherzig an und wirkt im Nachhinein enttäuschend. Während des Spiels war ich zum Großteil nur genervt vom Repetitionsfaktor von... allem.

Ich möchte gar nicht sagen, dass PAA:OtrPoD ein schlechtes Spiel ist - kann ich auch gar nicht, schließlich habe ich es ja eigentlich nicht gespielt und mit der Zeit weiß man als Spieler ja auch, dass man Games nicht unbedingt anhand einer Demo bewerten kann. Vor allem Rollenspiele nicht. Was mich an der Sache allerdings nervt, ist die Gegebenheit, dass über 600.000 Debut-Downloads in den ersten drei Tagen getätigt und etwa 330.000 US-$ im selben Zeitraum eingespielt wurden. Somit hat PA mal locker alle Rekorde auf Xbox Live Arcade geschlagen. Ich frage mich: Warum? Vertrauen die Leute so sehr auf einen großen Namen, dass sie mit 1.600 Points gut das Doppelte wie für alle anderen Arcade-Spiele ausgeben? Denn an dieser gänzlich mittelmäßigen Demo allein hätte man eigentlich niemandem rund 20 Euro aus der Tasche ziehen können.

Ach, was frage ich überhaupt? Natürlich liegt's am Namen. Das einzige Trademark, das noch mehr Gamer zu einem Blindkauf überreden könnte, wäre Mario. Hachja, it's raining in Shanghai. Rian

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06. Dezember 2022 um 14:45 Uhr
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