Apex Legends im Test

(Artikel)
Torsten Ingendoh, 23. Februar 2019

Apex Legends im Test

Battle Royale hat ein neuen Champion

Battle-Royale-Shooter sind mittlerweile ein eigenes Genre, ein besonders populäres noch dazu. So populär, dass bereits die großen Namen einen Stück vom Kuchen abhaben wollen: Call of Duty hat einen Battle-Royale-Modus, Counterstrike hat einen, Fortnite ist dank Battle Royale überhaupt ein Thema geworden und Battlefield will ab Frühling ebenfalls mitmischen. Jedes Spiel bringt dabei sein eigenes Flair und seine eigenen Methoden mit. Und wie aus dem Nichts taucht auf einmal Respawn Entertainment auf, zeigt uns Apex Legends, ihr Battle Royale im Titanfall-Universum, und sagt: "Bitte, könnt ihr ab sofort kostenlos spielen." Niemand hat danach gefragt, niemand hat davon gewusst, aber alle sind begeistert. Vielen Dank, Respawn.

Apex-Legends-HeroBild: Electronic Arts / Respawn Entertainment

Battle Royale, neu gedacht
Wie ein Battle-Royale-Shooter funktioniert, sollte mittlerweile wohl den meisten bekannt sein: Auf einer großen Map verteilen sich alle Spielerinnen und Spieler, sammeln Waffen und Ausrüstung ein. Im Laufe des Matches verkleinert sich der Spielbereich bis am Ende nur noch ein kleiner Teil der Map und schließlich nur noch eine Person bzw. ein Team übrig bleibt. Bei Apex Legends hat sich Respawn viele Gedanken gemacht, wie man dieses interessante Spielprinzip nochmal anders umsetzt und wie man nicht in dieselben Fallen tappt, in die andere und insbesondere ältere Vertreter des Genres getappt sind.

Das fängt schon vor dem Match an, denn Apex Legends ist zugleich ein Hero-Shooter und kann nur in 3er-Teams gespielt werden. Jede Figur hat dabei eine aktive Fähigkeit, eine passive Fähigkeit und einen Ultimate. Kämpferin Wraith kann für kurze Zeit in eine Paralleldimension flüchten, sie hat eine Stimme im Kopf, welche sie warnt, sollte ein Feind auf sie zielen und als Ultimate kann sie zwei Portale platzieren, um schnelle Positionswechsel zu ermöglichen. Es macht durchaus Sinn, das eigene Team anhand dieser Fähigkeiten zusammenzustellen, da es einige Synergien gibt. So kann man als Bangalore ein Team mit Rauchgranaten einnebeln und dann den Bloodhunter-Ultimate nutzen, um die Gegner durch den Rauch sichtbar zu machen. Im Vordergrund liegt aber ganz klar das reine Shooter-Können. Wer nix trifft, der kann nix gewinnen und wenn die Teammitglieder sich keine Gedanken über das Zusammenspiel der Figuren machen, dann ist das Match nicht automatisch verloren.

Durch den Zwang zu 3er-Squads ist Teamplay allerdings sehr wichtig. Apex tut dabei alles, um es euch einfach zu machen, als Einheit zu agieren. Am Anfang des Matches wählt das Team die Figuren nacheinander aus - wer als letztes an der Reihe ist, wird zum Jumpmaster erkoren. In dieser Rolle bestimmt man, wann das Team aus dem Shuttle springt und man steuert alle gemeinsam zur Landezone. Teammitglieder können wahlweise vorher allein abspringen oder sich während des Sprunges von der Führung des Jumpmasters lösen, das ist aber selten empfehlenswert. Nettes Detail: Jedes Team hinterlässt eine farbige Spur, somit lässt sich auf einen Blick erkennen wo andere Teams landen wollen und wieviele Teams in der Nähe eures Gebiets landen.

Apex-Legends-HerosBild: Electronic Arts / Respawn Entertainment

Komfort-Kuschelfaktor
Am Boden geht es natürlich ums Looten von Waffen, ihrem Zubehör, ihrer Munition und Heilungsitems sowie Granaten. Respawn hat hier viele Komfortfunktionen eingebaut, damit man nicht unnötig lange im Inventar herumwerkeln muss: Waffen auf dem Boden haben bereits Munition im Magazin, also muss man nicht erst nachladen. Hat man bereits Zubehör im Inventar, welches auf die Waffe passt, dann wird es automatisch ausgerüstet. Findet man besseres Zubehör, dann wird das schlechtere gleich ersetzt und sofort aus dem Inventar geschmissen. Das Zubehör ist dabei farbcodiert, weiß bietet den geringsten Bonus, dann kommt blau, violett und schließlich goldgelb. Dasselbe Farbschema wird auch für Rüstung und Rucksäcke verwendet, wobei die gelbe Ausführung im Grunde so gut wie violett ist, nur mit höherer Wahrscheinlichkeit einen weiteren Bonus mit sich bringt. Im Falle des Rucksacks werden Heilungsitems schneller benutzt.

Bleiben Items übrig? Informiert eure Mitstreiter darüber. Das wohl beste Feature des ganzen Spiels ist das vielseitige Ping-System. Einfach auf das zielen, was ihr eurem Team zeigen wollt, mittlere Maustaste drücken und schon gibt eure Spielfigur Meldung. Wenn ihr Waffen oder Items pingt, erscheint die Meldung auf dem HUD der Teammitglieder und diese können sogar mit einem Ping antworten, wenn sie es haben wollen. Mit derselben Funktion kann man im Inventar sogar nach Munition fragen. Auch Gegnerpositionen kann man so direkt markieren. Damit ist man selbst ohne Mikrofon in der Lage, mit dem Team zu kommunizieren. Eure Spielfiguren geben zudem auch per Voice Line Situationsabhängige Meldungen ab, sei es, dass jemand auf sie schießt, oder dass sie gerade ein Heilitem verwenden.

Jeder Winkel der Karte könnte eine eigene Map sein
Heimlicher Star des Spiels ist das Design der Map, denn auch hier vermeidet Respawn übliche Battle-Royale-Fallen. Zunächst ist diese nicht überdimensional gestaltet, was auch zum Teil daran liegt, dass sich hier maximal 60 Spieler tummeln müssen. Dann wurde die Map sinnvoll in größere Abschnitte unterteilt, entweder durch hohe Klippen oder durch Gebäude. So wird eine gute Balance getroffen zwischen offenen Arealen und kleinen Arenen. Man könnte jeden beliebigen Teil der Karte nehmen und als Team-Deathmatch-Map in anderen Shootern verwenden. Nicht zuletzt weil diese Areale sich auch visuell unterscheiden. Auf der einen Ecke hat man eine kleine Wüstenstadt im Schatten eines riesigen Skelettes, eine Ecke weiter ist ein begrüntes Flusstal und am anderen Ende befindet sich ein Sumpf. Dem Auge wird nie langweilig.

Apex-Legends-MapBild: Electronic Arts / Respawn Entertainment

Nicht in die Fallen getappt
Ein großes Problem vieler Battle-Royale-Shooter liegt darin, dass die Teams, welche die Feuergefechte überlebt haben gegen Ende des Matches meistens benachteiligt sind gegenüber Teams, die allen Konfrontationen entgehen konnten. Warum? Weil ihre Schutzausrüstung oftmals schon angeschlagen ist oder gar zerstört wurde. Auch dies umgeht Apex Legends, indem die Schutzausrüstung nur bestimmt, wieviele Schildpunkte man zusätzlich haben kann. Werden einem diesem im Gefecht weggeballert, so kann man sie mit Items wieder auffüllen. Dadurch geht man aus den meisten Schießereien genauso stark hervor wie man in sie hineingegangen ist. Oder vielleicht sogar stärker, weil die Gegner bessere Rüstung trugen.

In so einem Gefecht kann man aber auch Teammitglieder verlieren, was in so ziemlich jedem Battle-Royale-Spiel ein herber Verlust ist. Apex hat auch hier eine Idee: Zunächst verlieren Spieler, die ausgeknockt wurden, nicht kontinuierlich Lebensenergie, stattdessen läuft ein separater Timer runter. Man scheidet also aus, indem man entweder zuviel Schaden genommen hat, oder nicht früh genug aufgehoben wurde. Wer also mit 5 Lebenspunkten in Deckung kriechen konnte muss sein Team nicht hetzen. Für diesen Zustand gibt es auch Knockdown-Schilde zu finden, mit denen man sich vor weiterem Schaden schützen kann. Ist man draufgegangen, bedeutet das aber noch nicht das Ende. Eure Teammitglieder haben 90 Sekunden Zeit, euer Banner von eurer Leiche zu bergen. Schaffen sie das, können sie euch jederzeit an einer Respawnstation zurückholen.

All diese guten Antworten auf die klassischen Battle Royale Probleme würden natürlich nichts bringen, wenn das Battle Royale selbst nichts taugt. Aber mit verlaub, wir reden hier von Respawn Entertainment, die haben schon vor Jahren bewiesen, dass sie gutes Shooter Gameplay beherrschen. Apex Legends ist dabei keine Ausnahme. Dabei glänzen sie erneut wieder mit ihren Balancing denn jede Waffe hat ihre Situationen oder Spielstile in denen sie glänzen können, mit Ausnahme vielleicht von den Pistolen. Konfrontationen spielen sich flott, da es sich einfach nicht lohnt vorsichtig Distanzschüsse abzugeben. Dafür bietet das Spiel zu viele Möglichkeiten zu flüchten oder nah an den Gegner heranzukommen und nur wer die Kraber Sniper aus einem Airdrop geborgen hat kann auf Distanz Gegner mit einem Schuss töten.

Apex-Legends-1Bild: Electronic Arts / Respawn Entertainment

Rasant zum Erfolg
Apex Legends ist schon jetzt eine Erfolgsgeschichte für Respawn. Binnen vier Stunden wurde die Millionenmarke geknackt, mittlerweile sind es über 25 Millionen Spielerinnen und Spieler, was zum Teil wohl auch am Free-to-Play-Modell liegt. Mit echtem Geld lässt sich eine Premiumwährung kaufen, welche man für Skins und neue Champions ausgeben kann. Die Champions kann man natürlich auch mit der erspielbaren Währung kaufen. Für Premiumgeld gibt es außerdem Lootboxen zu kaufen. Auch wenn jede Lootbox mindestens einen Gegenstand in seltener Qualität enthält und es keine Duplikate gibt, Lootboxen bleiben Lootboxen. Viele Skins sind auch nur in den Boxen erhältlich oder man muss eine dritte Währung zum Freischalten verwenden, welche man wiederum nur aus Lootboxen bekommt. Für jedes Level gibt es immerhin eine Box geschenkt - genau wie bei Overwatch. Auf den Lootbox-Wahnsinn hätte man aber auch verzichten können.

Fazit
Mir gefällt so vieles an diesem Spiel. Ich mag den Squad-Fokus. Ich mag das Jumpmaster-System. Ich liebe das Pingsystem - viel mehr Spiele sollten das verwenden! Ich mag die Waffen und wie sie sich anfühlen. Ich mag, dass man durch Nummern erfährt, wieviel Schaden man gemacht hat. Ich mag, dass man gleich erfährt, ob man den Schild eines Gegners getroffen hat, welchen Schildlevel jemand hat und wann der Schild zerstört wird. Ich mag das Respawn-System. Ich mag die Map, auf der gespielt wird. Ich mag das Movement, auch wenn ich Wallrunning und Doppelsprünge vermisse. Ich mag die Charaktere und ihre Fähigkeiten. Und ich mag, wie flott das Spiel ist, sodass ich nicht mal sauer sein kann, wenn ich früh raus bin. Einfach nochmal versuchen.

Apex Legends ist schnell zu meinem liebsten Battle-Royale-Spiel avanciert, da Respawn einfach so vieles richtig macht. Ich bin sehr gespannt, was die Jungs noch so in der Pipeline haben - das Potential für neue Helden, neue Waffen und neue Maps ist da. Vielleicht kommt ja ein Held mit Titanfall-Movement? Ich jedenfalls kann gerade gar nicht aufhören dieses Spiel zu spielen.

Apex Legends wurde auf dem PC getestet. Das Spiel ist kostenlos verfügbar.

Apex Legends

(Ranking)
S
RANK
Herausragend. S-Spiele erweitern Horizonte. Sie bieten intensive Erlebnisse oder halten den Spieler noch lange am Bildschirm gefesselt. Selbst wenn man sie nicht jedem empfehlen kann, will man doch mit jedem über sie reden.

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21. September 2019 um 19:41 Uhr
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RELEASE
04. Februar 2019
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