Battleborn im Test

(Artikel)
Benjamin Strobel, 23. Mai 2016

Battleborn im Test

Urkomisch und unspektakulär

Battleborn ist eines der wenigen Spiele aus den letzten Jahren, die von Gearbox kommen und nicht Borderlands im Namen tragen. Von dort haben die Entwickler allenfalls den Humor nach Battleborn exportiert, ansonsten ist es etwas ganz anderes. Der Hero-Shooter bedient sich großzügig an Elementen aus dem MOBA-Genre und setzt voll auf Multiplayer.

Vergleiche, Vergleiche
Battleborn lässt sich ganz wunderbar beschreiben, indem man andere Spiele betrachtet. Zuerst drängt sich dieser Tage ein offensichtlicher, aber völlig unpassender Vergleich auf: Battleborn teilt sich ein Releasefenster mit Overwatch - das ist dieser andere Hero-Shooter aus dem Hause Blizzard. Beide haben einen Sack voll Helden mit unterschiedlichen Fähigkeiten. Aber Battleborn ist nicht Overwatch. Eigentlich ist es nicht einmal so ähnlich. Während Overwatch mehr in die Kerbe von Team Fortress schlägt, hat Battleborn deutlich mehr mit SMITE (einem Third-Person-Dota) gemeinsam. So borgt der Titel von Gearbox sich allerhand MOBA-Konzepte, die über aktivierbare Fähigkeiten hinausgehen: In einem Match steigt ihr Level auf, kauft euch Fähigkeiten und schaltet ultimative Angriffe frei. Für verdientes Geld könnt ihr Items aus vorher zusammengestellten Loadouts kaufen, die euch stärker machen. In einigen Spielvarianten gibt es auch Minions, die von zwei Seiten der Karte aufeinander zulaufen.

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Im Multiplayer nichts Neues
Battleborn bekommt ihr in drei Mutiplayer-Varianten: Capture, Incursion und Meltodwn. Capture spielt sich wie der typische Eroberungsmodus in vielen Egoshootern: Auf der Karte befinden sich mehrere Punkte, die man einnehmen und halten muss. Es gibt Levelups, Geld und Items, doch ansonsten ist dieser Modus ein bekanntes Gesicht. Er ist solide, unterhaltsam und völlig ohne Überraschungen. Der Modus Incursion pflegt dagegen bewährte MOBA-Konzepte: Auf beiden Seiten gibt es zwei Spider-Drohnen (lies: Tower), die zerstört werden müssen, um das Spiel zu gewinnen. Von beiden Seiten aus marschieren Minions aufeinander zu und Monster Camps können ausgeräumt werden, um sie als Mitstreiter zu rekrutieren. Meltdown bleibt im Großbereich MOBA und erinnert stark an den Arena-Modus von SMITE. Minions müssen in das gegnerische Portal laufen und bringen dafür Punkte. Damit die Viecher es heil schaffen, muss man sich mit den gegnerischen prügeln oder diese gut ablenken.

Gerade die letzten beiden Modi sind ein heilloses Durcheinander. SMITE hat vor Jahren gezeigt, dass ein MOBA in Third-Person funktionieren kann. Battleborn lässt Zweifel daran aufkommen, ob das auch für die Ego-Perspektive gilt. Zum einen ist Battleborn unglaublich bunt und effektgeladen, was bei Matches mit vielen Minions schnell so aussieht als hätte sich ein Einhorn in Regenbögen eingeschissen. Zum anderen bekommt man aus der Ego-Perspekive keinen guten Überblick über das Schlachtfeld, was jede Taktik im Keim erstickt. Die Maps tragen ihren Teil zur Verwirrung bei, da sie nicht so strikt in Lanes gegliedert sind wie bekannte MOBA-Karten. Selbst nach mehreren Matches auf der gleichen Karte war ich ohne die Minimap völlig verloren und habe Gegner oft erst bemerkt, wenn es zu spät war. Zu allem Überfluss beschleicht mich das Gefühl, dass am Balancing etwas faul ist. Einige Charaktere wirken mächtig überpowert, andere dagegen nutzlos.

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Das Aufgebot an Spielmodi klingt einerseits abwechslungreich, ist andererseits schrecklich bekannt. Ich bin überzeugt davon, dass ich 2006 laut applaudiert hätte, heute kann ich mir nur ein kleines Lächeln abringen. Die Ernüchterung wird dadurch komplettiert, dass jeder Spielmodus mit nur zwei Karten kommt, das macht sechs Karten insgesamt. Die meisten Shooter würde man dafür auslachen - zu Recht. Sicher, kostenlose Updates wurden versprochen. Vorerst sind der Abwechslung jedoch Grenzen gesetzt.

Ein Aufblitzen
Battleborn ist schon eine komische Mischung: Neben MOBA-lastigen Mehrspielermodi gibt es einen aufwändigen Koop-Modus mit neun Missionen, echter Sci-Fi-Story, tollen Sprechern und gutem Humor. Wenn man sich zu fünft durch Gegnerhorden schießt, klopft doch mal kurz das Borderlands-Gefühl an die Tür und zeigt, was Gearbox offenbar am besten kann: unterhaltsame Koop-Kampagnen. Alles beginnt mit einem epischen 80er-Cartoon-Intro, das nur noch von seinem großartigen Soundtrack übertroffen wird. Man kennt zwar die Charaktere noch nicht, aber dieses Video macht einfach Laune!

Die Missionen lassen sich zwar in wenigen Stunden durchspielen, markieren aber ein paar echte Höhepunkte von Battleborn. Hier ist das Balancing der Charaktere nicht ganz so wichtig wie im Versus-Multiplayer. Man darf also guten Gewissens einfach mal mit der Lieblingsfigur abrocken! Stellenweise sind die Level aber so konzipiert, dass auch hier einige Helden Vor- und Nachteile haben. Wer versucht hat, die eine Mission als Sniper zu spielen, weiß, wovon ich rede.

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Ecken und Kanten
Leider bekommt Battleborn einen weiteren Dämpfer durch schlechte Design-Entscheidungen. So gibt es beispielsweise keine Rematches, sondern nach jeder Runde startet ein neues Matchmaking. Das macht die gesamte Spielerfahrung unnötig träge und langsam. Für den Story-Modus gibt es auch keinen Drop-in, sobald man am Charakterbildschirm vorbei ist. Wenn Leute die Party verlassen, hat man permanent weniger Mitspieler. Leider passiert das recht häufig. Das liegt möglicherweise daran, dass man kein Matchmaking für bestimmte Missionen machen kann, sondern immer zwischen dreien aus acht wählen muss. Ich habe auch schon ein Spiel verlassen, weil die letzte Mission, die mir fehlte, einfach nicht zur Auswahl stand. Kommt nach Wartezeiten und Drop-outs mal ein Spiel zustande, kann man sich mit den Teamkollegen nicht abstimmen, wer welche Rolle spielt. Typische MOBAs zeigen die Charakterwahl an, bevor ein Spieler sich final entscheidet, was auch eine Abstimmung mit stummen Kollegen ermöglicht. Bei Battleborn erfahren die Mitspieler erst von eurem Helden, wenn ihr ohnehin nicht mehr wechseln könnt. So passiert es häufig, dass man in unausgeglichenen Teams spielt - und damit natürlich verliert.

Ein anderes Problem sind Levelvorteile von Langzeitspielern. Obwohl man zum Release 60 Euro für Battleborn auf den Tisch legen musste, stehen zu Beginn nicht alle Helden zur Verfügung. Was soll die Schikane? Nur wer viel spielt und auflevelt, darf mit neuen Figuren spielen. Als Neuling kennt man viele Charaktere einfach nicht, weil man noch keinen Zugriff auf sie hat. Wer zudem viel mit einem Helden spielt, schaltet neue Fähigkeiten frei, auf die Anfänger keinen Zugriff haben. Und dann gibt es noch zufälliges Loot, das bestimmt, welche Items im Kampf zur Verfügung stehen. Wer schon länger dabei ist und viel Zeug gesammelt hat, kann sich bessere Loadouts basteln als Spieler, die gerade erst anfangen. Auch können sich die erfahrenen Spieler beim Level-Voting mit ihrer Lieblingskarte durchsetzen, während neue Spieler keine Ahnung haben, was kommt. Bei nur sechs Karten reichen hier immerhin wenige Matches zum Aufholen.

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Fazit
In seinen besten Momenten ist Battleborn ein bunter Spaß mit einem netten Mix aus Shooter- und MOBA-Elementen. Der Koop-Modus macht Laune, ist aber recht bald durchgespielt. Im Versus-Multiplayer zeigt sich das Spiel leider innovationsfaul und nervt mit fragwürdigen Design-Entscheidungen, die das Spielerlebnis weiter trüben. Vielleicht können die richtigen Patches und gute Updates ein tolles Spiel aus Battleborn machen. Bis dahin ist es ein gut geschnürtes Paket Durchschnittlichkeit, das Free-to-Play vielleicht besser angekommen wäre. Ben

Battleborn wurde auf der Xbox One getestet. Ein Testmuster wurde uns von 2K zur Verfügung gestellt.

Battleborn

(Ranking)
B
RANK
Anständig. Stärken und Schwächen halten sich die Waage. Positive Überraschungen sind genauso selten wie negative. Unterm Strich muss man seine Spielzeit keinesfalls bereuen.

Kommentare

Rian
24. Mai 2016 um 01:14 Uhr (#1)
Ich habe so irgendwie im Gefühl, dass Battleborn einen zweiten Release als F2P sehen wird - und das könnte dem Spiel vielleicht sogar gut tun.
Adrian
24. Mai 2016 um 09:18 Uhr (#2)
Es ist aber schon etwas traurig anzusehen, wie stark die Werbetrommel für Battleborn benutzt wurde.. Und dennoch wurden nicht wirklich viele Spieler erreicht.
Ich muss aber auch sagen, dass mir die Werbekampagne mit dem ganzen BADASS und GANGSTER super auf den Sack ging :D
Gast
19. August 2019 um 10:09 Uhr
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