Angespielt: Valorant Closed Beta

(Artikel)
Torsten Ingendoh, 19. April 2020

Angespielt: Valorant Closed Beta

Hero-Counter-Strike von Riot

Eines muss ich Riot lassen: sie wissen wie sie uns neugierig auf ihren neuen Shooter machen. Angefangen hatte es als mysteriöses "Project A". Alles was wir wussten: es wird ein Counter-Strike mit Heroes. Verrückte Idee, doch unser Interesse wurde geweckt. Es folgten Infos zu den Helden, erste Berichte gingen live und dann bekam das Kind einen Namen: Valorant.

Zurzeit befindet es sich in einer Closed Beta. Wer mitmachen will, muss seinen Riot-Account mit Twitch verbinden und mindestens zwei Stunden lang Valorant-Streams von ausgesuchten Streamerinnen und Streamern ansehen. Wer dann noch das nötige Glück hat, wird mit Zugang zur Beta belohnt. Dieses Glück wurde mir zuteil.

Was ist Valorant?
Valorant ist ein komtetivier 5-gegen-5 Taktik-Shooter und spielt sich wie Counter-Strike mit Heroes. Die Mischung funktioniert tatsächlich besser als ich dachte. Aus Counter-Strike stammt das Spielprinzip mit zwei Teams: ein Team muss eine Bombe legen, hier Spike genannt, das andere Team muss das verhindern. Mit Geld können die Waffen eingekauft werden. Gezielt wird per Fadenkreuz, wer genauer schießen möchte, muss stehen bleiben, idealerweise sich sogar hinknien, und nach dem ersten Schuss verziehen die Waffen nach einem vorgegebenen Muster. Der Schlüssel zum Erfolg in Feuergefechten liegt also darin zu wissen, ab wann man still stehen und wie man das Rückstoß der Waffen kompensieren muss, um weiterhin den Gegner zu treffen.

Als kleine Hilfe hat Riot vielen der Hauptfeuerwaffen einen Zielmodus verpasst, wie man ihn aus vielen Shootern kennt. Dabei wird über ein Visier gezielt, man bekommt einen Zoom und das Rückstoßmuster wird verkleinert. Doch dieser Modus verlangsamt bei vielen Waffen die Schussfrequenz oder wechselt von Dauerfeuer zu einem Feuerstoß. Es will also gut überlegt sein wie man schießt.

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Heroes und ihre Fähigkeiten
Die Wahl der Heldeninnen und Helden bestimmt die Fähigkeiten, die man während der Runde einsetzen kann. Diese ersetzen die Granaten in Counter-Strike und erfüllen teilweise auch dieselben Aufgaben. So kann z.B. Phoenix einen Lichtblitz um die Ecke schicken, der Spieler blendet - wie eine Blendgranate eben. Mehrere Charaktere haben Fähigkeiten, die wie Rauchgranaten funktionieren, diese aber unterschiedlich einsetzen. Jett wirft eine Rauchkugel vor sich, Brimstone kann bis zu drei Rauchgranaten als Luftschlag ordern und Viper kann eine Kugel werfen, die eine Giftwolke erzeugt. Diese Giftwolke verdeckt nicht nur die Sicht, sondern verursacht auch Schaden. Man muss sich zweimal überlegen, ob man da wirklich durch möchte.

Jede Figur hat insgesamt vier Fähigkeiten. Eine dieser Fähigkeiten kostet nichts und kann daher jede Runde benutzt werden. Zwei davon müssen mit Credits erst gekauft werden und können teilweise auch zwei oder drei Aufladungen haben. Diese Aufladungen gehen beim Tod nicht verloren. Als letztes hat jeder Held noch einen Ultimate. Dieser muss sich erst aufladen, für jeden Kill und für jeden eigenen Tod erhält man einen Punkt. Zusätzlich finden sich auf jeder Karte zwei Ultimate-Punkte zum Aufheben, diese sind aber für beide Teams gleich gut erreichbar.

Die Ultimates haben die Macht, eine Runde komplett umzudrehen. So kann Sage mit ihrer Ultimate mal eben ein gestorbenes Teammitglied wiederbeleben, Brimstone einen Luftschlag anfordern und Viper ein großes Gebiet in eine Giftwolke hüllen. Die Kunst ist es zu wissen, wann und wie man sie einsetzt. Brimstones Luftschlag kann man leicht ausweichen, doch er sorgt für eine ganz klare No-Go Zone. So kann man verhindern, dass die Gegner den Spike entschärfen. Ein wiederbelebter Kamerad kann die Überzahl wieder herstellen, doch wenn man eine Mitstreiterin im Zielvisier eines Feindes wiederbelebt, ist sein neues Leben nicht von langer Dauer.

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Balancing
Ansich sind die Hero-Fähigkeiten gut ausbalanciert, jede Figur hat ihren Platz im Spiel, Alleskönner gibt es nicht. Wie in anderen Hero-Shootern ist das Zusammenspiel entscheidend. Viele der Fähigkeiten sind auch eher kontrollierender Natur. Durch den richtigen Einsatz lenkt man die Wege der Gegner in unvorteilhafte Positionen bzw. verhindert dass sie sich ins Schussfeld trauen. Einzig Raze sorgt für wortwörtliches Kopfzerbrechen, da ihre Fähigeiten direkt zu Kills führen. Sie hat als einzige Sprenggranaten und ihre Ultimate ist ein Raketenwerfer.
Die Waffen selbst folgen dem Counter-Strike-Vorbild, je mehr die Waffe kostet, desto besser ist sie, aber durch das verfügbare Geld wird das ausbalanciert. Das Arsenal ist dabei weitaus übersichtlicher als beim Klassiker, da beide Seiten die gleiche Auswahl haben. So gibt es zum Beispiel nur zwei Maschinenpistolen, eine kostet wenig, feuert schnell und ist total ungenau (Mac-10), die andere kostet mehr und ist auf Distanz zuverlässiger (MP7). Die M4- und AK-Äquivalente kosten gleich viel, hier ist es eine Frage der Präferenz, wofür man das Geld ausgibt: garantiert mit einem Kopfschuss töten oder leichter einen zweiten Schuss aufs Ziel abgeben?

Das wohl Genialste an Valorant findet sich in den Details. Anstatt wie in Counter-Strike jedem Team eine fünf-sekündige Kaufphase zu geben, in der sie sich nicht bewegen können, hat Valorant diese auf 30 Sekunden erhöht. In dieser Phase verhindern Kraftfelder den Zugriff auf die andere Seite der Karte. Man kann aber an jedem Ort frei einkaufen und versehentlich erworbene Waffen wieder zum Vollpreis zurückgeben. Wer also schon SMG und Rüstung gekauft hat, sich dann aber den anderen beim Sparen anschließen will, tauscht die Ausrüstung einfach wieder um. Im Kaufbildschirm kann man auch anfragen, ob jemand einem etwas spendiert. Das vereinfacht die Wirtschaftsplanung des Teams ungemein.

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Das Potenzial
Valorant soll im Sommer für PC erscheinen und dem bekannten Free-to-Play-Modell folgen. Monetarisiert wird das Ganze durch Skins, die sich in der Beta bereits käuflich erwerben lassen.

Riots neuer Shooter hat das Potential, eines der großen eSport-Spiele zu werden. Was durch Vereinfachungen im Spielablauf an Komplexität des Vorbildes Counter-Strike weggenommen wird, gewinnt das Spiel durch die Heroes und ihre Fähigkeiten wieder dazu. Für mich spielt sich Valorant weitaus flotter als Counter-Strike. Die Maps sind kleiner, die Matches sind kürzer (13 Runden gewinnen für den Sieg vs. 16 Runden gewinnen) und durch die vielen Quality-of-Life-Funktionen kann man entspannter in die Runden einsteigen. Nur wie das Matchmaking die Teams zusammenstellt, ist mir noch nicht ganz ersichtlich.

Im Herzen ist Valorant ein Hardcore-Taktik-Shooter: wer das Gunplay beherrscht und die Karten kennt, ist klar im Vorteil; wer hirnlos drauf los ballert, wird bis auf Glückstreffer nichts reißen können. Der Comicstil macht es auch leichter, die Feinde zu identifizieren. Und dass man hier bewusst kein Grafikmonster erschaffen hat sondern möglichst vielen 144 Frames bieten möchte ist auch ein Pluspunkt. Riot, ihr habt da war Großes am Start.

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04. Juni 2020 um 10:15 Uhr
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