Moonlighter im Test

(Artikel)
Benjamin Strobel, 03. November 2018

Moonlighter im Test

Charmant und brilliant

In Moonlighter betreut ihr einen Item-Shop für Abenteurer. Nachts steigt ihr in Dungeons hinab, um Artefakte zu sammeln, die ihr bei Tage zu Geld machen wollt. In etwa wie bei Recettear - ein Spiel, das vor rund zehn Jahren mit demselben Konzept aufwartete. Moonlighter geht vergleichsweise unbeschwert mit dem Shop-Management um und setzt den Schwerpunkt auf die Dungeons. Außerdem sieht es ziemlich süß aus.

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Auf ins Abenteuer, kleiner Händler
Der Dungeon-Teil von Moonlighter spielt sich wie ein klassisches Roguelite. In den zufallsgenerierten Gewölben erwarten euch verschiedene Monster und Schatzkisten. Was ihr euch dabei in den Rucksack schaufelt, geht wieder verloren, wenn ihr sterbt. So muss man nach jeder Konfrontation gut abwägen, ob man sich noch einen Raum vorwagt oder die Dungeon-Tour verfrüht abbricht, um nachhause zurückzukehren. Progression gibt es immer dann, wenn ihr die drei Stockwerke eines Dungeons im Stück durchspielt und den Bossgegner am Ende besiegt.

Die Kämpfe in den Dungeons sind motivierend und abwechslungsreich genug, um auch nach mehreren Versuchen nicht langweilig zu werden. Frisch bleibt Moonlighter vor allem durch eine große Zahl von Gegnertypen, die thematisch zu den jeweiligen Dungeons passen. Im ersten Golem-Dungeon gibt es verschiedene Steinmonster, im Dschungel bekommt man es mit angriffslustigen Pflanzen zu tun und so weiter. Auf der anderen Seite kann man auf ein Arsenal unterschiedlichen Waffentypen zurückgreifen, um auf die verschiedenen Strategien der Monster zu reagieren. Das Langschwert hat gute Reichweite, ist aber träge. Mit dem Bogen kann man auf Distanz bleiben, verursacht aber nur geringen Schaden. Zu den interessantesten Waffen zählen definitiv Schild und Schwert - dieses Set bietet einen ausgeglichenen Mix aus Defensive und Offensive. Vermutlich erinnert es nicht zufällig an die Standardausrüstung in klassischen 2D-Zelda-Spielen. Auch das Artdesign der Dungeons ist ein klares Zitat des Nintendo-Klassikers.

Die Dungeons sind zwar zufallsgeneriert, folgen aber - ähnlich wie bei Dead Cells - vorgegebenen Prinzipien. So findet ihr in jedem Stockwerk eines Verlieses eine heiße Quelle, in der ihr Lebensenergie auftanken könnt. Das Layout der Räume unterscheidet sich ebenfalls von Dungeon zu Dungeon und jedes Areal entfaltet mit individueller Gestaltung seinen eigenen Charakter. Ähnlich wie Dead Cells platziert das Spiel in den Dungeons auch kleine Story-Abschnitte. Das sind Räume, in denen es keine Monster gibt, dafür aber Aufzeichnungen von früheren Abenteurern, über die ihr Hintergrundgeschichte und mitunter nützliche Informationen erfahrt. Etwa, dass heiße Quellen immer auf dem Weg zum Ausgang erscheinen.

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Kaufe, Verkaufe, Häusle baue
Schon bevor man in die Stadt zurückkehrt, um dem Tagesgeschäft nachzugehen, beginnt das Item-Management. Der Rucksack hat nur eine begrenzte Anzahl an Slots. Ist er voll, muss man abwägen, ob man billige Gegenstände wegwirft, um Platz für seltene Artefakte zu machen. Mit einem magischen Item, das man früh im Spiel erhält, kann man jedes Item für Gold ins Nirvana verschwinden lassen, erhält aber nur einen Bruchteil des tatsächlichen Wertes. Erschwerend kommt hinzu, dass Gegenstände mit verschiedenen Flüchen belegt sein können. Viele davon sind schädlich, aber es gibt auch einige, die hilfreich sind. Beispielsweise gibt es Artefakte, die angrenzende Gegenstände in einer bestimmten Richtung verschwinden lassen, wenn man nachhause zurückkehrt und solche, die man nur oben, unten oder an den Seiten des Rucksacks platzieren darf. Auf der anderen Seite gibt es Artefakte, mit denen Flüche aufheben kann und welche, die einen Item-Stack sofort in die Sicherheit der heimischen Truhe teleportieren. Flüche sind ein nettes System, das aus dem Item-Management ein kleines Puzzle-Spiel macht, ohne aber zu aufdringlich zu sein.

Zurück in der Stadt könnt ihr Gegenstände verkaufen und euren Shop managen. Dazu zählt auch, dass ihr andere Unternehmen mit Kapital unterstützen könnt, um sie in die Stadt zu locken - beispielsweise einen Schmied, der Waffen und Rüstungen herstellt und eine Alchemisten, die Tränke für euch braut. Wenn ihr etwas mehr Geld in die Hand nehmt, könnt ihr auch den Shop ausbauen. So erhält man beispielsweise mehr Staurum, Platz für Deko-Gegenstände und sogar eine Assistentin, die für 30% des Gewinns den Shop für euch betreut, damit ihr auch tagsüber durch die Dungeons strolchen könnt.

Das Shop-Management selbst basiert hauptsächlich darauf, dass ihr den Wert neuer Gegenstände ermittelt, um den größten Gewinn herauszuschlagen. Hierzu stellt ihr ein Artefakt einfach ins Regal und denkt euch einen passenden Preis aus. Während der Geschäftszeiten müsst ihr dann, die Reaktionen der Kundinnen und Kunden beobachten und den Preis anpassen. Ist eine Person erbost und stapft wutschnaubend wieder fort, war der Preis definitiv zu hoch. Glitzern die Goldmünzen in den Augen der Leute, habt ihr den Gegenstand deutlich unter Wert verkauft. Die Nachfrage für bestimmte Gegenstände kann steigen oder sinken, sodass ihr den Preis etwas anpassen müsst. Bei geringer Nachfrage kann der Normalpreis ein Artefakt zum Ladenhüter machen - Zeit für einen Sale! Habt ihr die Preise nach und nach geklärt, müsst ihr neue Beute nur noch in die Regale werfen und abkassieren.

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Charmant und brillant
Das hochwertige 2D-Artdesign und die eingängige Musik geben Moonlighter einen besonderen Charme. Nicht nur die Hauptfigur ist toll animiert, auch die zahlreichen Monster und die imposanten Bossgegner glänzen mit aufwändigen 2D-Animationen. Und mit jedem Shop-Upgrade lockt man neue Käuferinnen und Käufer in den Laden, die immer wieder anders aussehen (und im Übrigen auch verschiedene Vorlieben haben). Die ganze Präsentation macht Moonlighter extrem charmant und erinnert dabei mitunter an die Ästhetik - und hohe Qualität - von Bastion und Transistor.

Moonlighter ist ein hübsches kleines Spiel, das perfekt auf die Switch passt. Ein Trip in die Dungeons oder ein Tag im Shop dauern nur wenige Minuten. Durch diese kleinen, in sich geschlossenen Häppchen, eignet sich das Spiel besonders gut für unterwegs. Die verschiedenen Areale sind abwechslungsreich und steigern angenehm die Schwierigkeit. So ist Moonlighter ein Spiel, das nicht nur toll aussieht, sondern auch mit brilliantem Design überzeugt.

Moonlighter

(Ranking)
A
RANK
Reife Leistung. A-Spiele machen alles richtig oder sind nah dran. Kleine Schwächen werden durch Stärken mehr als wett gemacht. Das ist Spieldesign auf hohem Niveau.

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17. November 2018 um 10:03 Uhr
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29. Mai 2018
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Mac
Plattform
Nintendo Switch
Plattform - Hybrid aus Konsole und Handheld. Unter dem Codenamen Nintendo NX angekündigt, soll Nintendo Switch im März 2017 erscheinen.
PC
Plattform - PC-Spiele haben mit die älteste Tradition. Heutzutage laufen die meisten Games unter dem Microsoft Windows.
Playstation 4
Plattform - Die Playstation 4 (PS4) von Sony ist eine Spielkonsole der 8. Generation. Sie erschien am 29. November 2013 europaweit als Nachfolger der Playstation 3.
Xbox One
Plattform - Nachfolger der Xbox 360 von Microsoft. Angekündigt am 21. Mai 2013, ist die Heimkonsole am 22. November 2013 in Deutschland und weiten teilen Eruopas erschienen.

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