Capitalism, ho!

(Artikel)
Rian Voß, 03. September 2010

Capitalism, ho!

Recettear: An Item Shop's Tale

Der Held betritt den Laden. Er begutachtet bedächtig die Ware, vergleicht die vorhandene Ausrüstung mit der, die er in der letzten Stadt erstanden hat, dann die die Wertbeträge mit seinen Goldbeständen, kauft, verkauft und - ohne einmal bitte und danke zu sagen - verschwindet er wieder, ab ins nächste Dungeon. Aber überlegt er sich auch nur einmal, wo der ganze Kram, den er jetzt am Leib trägt, überhaupt herkommt? Ist ja sowieso schon ein Mysterium, wie die erschlagenen Kleintiere nach ihrem Ableben grobe Zweihänder und magische Kampfstäbe hinterlassen, aber dass das nette Mädchen hinter am Tresen jeden Tag hart für die Ware hinterm Schaufenster schuften muss, das fällt niemanden ein. Doch jetzt kommt Recettear, um der Ignoranz Einhalt zu gebieten!


Ich möchte eigentlich an dieser Stelle noch nicht allzu viel zu dem Spiel erzählen, denn en detail werde ich dieses vollwertige Japano-Rollenspiel, erhältlich über Steam (als erster Titel von einem japanischen Entwickler!) und anderen Digital Distribution-Plattformen, ab dem 10. September betrachten. Nichtsdestotrotz möchte ich euch das Spiel schon mal schmackhaft machen, denn für Vorbesteller kostet Recettear nur 13,49 EUR anstatt 14,99 EUR. Das ist zwar nicht viel, aber ich weiß ja genau, wie man bei Indie-Zeugs auf jeden Cent achtet. Wer jetzt schon Interesse hat, der sei herzlich eingeladen die Demo herunterzuladen.


Recettear ist, grob betrachtet, eine Mischung aus Harvest Moon und Princess Maker. Der eine Teil des Spiels besteht aus dem An- und Verkauf von Items, wobei man bei jeder Gelegenheit mit den Kunden feilschen kann. Diese Pfennigfuchserei ist auch aus dem Standpunkt von Recette dringend nötig, denn ihr Vater ist eines Tages, mit dem Hintergrund ein großer Held zu werden, abgehauen - aber nicht ohne auf Pump einen mordsmäßigen Haufen an Ausrüstung zu kaufen, den seine Tochter jetzt zurückzahlen darf. Unterstützt wird die etwas hilflose Heldin bei ihrer gnadenlosen Geldmacherei von der Fee Tear, einer Angestellten des Kreditinstitutes, die Recette bei der Ladeneröffnung und der Instandhaltung hilft. Bevor man die Scharen an kaufkräftigen Mitbürgern in den Shop lässt, sollte man sich natürlich auch noch Gedanken um das Arrangieren der Objekte und das Dekorieren machen.
Der andere Teil des Spiels ist pures Dungeoncrawling: Recette kann natürlich selbst nicht kämpfen (ihre Level bekommt sie nach erfolgreichen Geschäften), allerdings lassen sich in der Abenteurergilde taffe Helden rekrutieren, die man dann als Spieler in den Außenarealen steuert. Das Handling ist dabei so einfach wie spaßig: Ein Knopf zum Angreifer, einer für Spezialangriffe, das war's. Wie viel Schaden man bei den schön gezeichneten Feinden verursacht, kommt darauf an, ob man die Viecher von der Seite oder von hinten slasht und, natürlich, wie stark das eigene Equipment ist. Will man dem Helden bessere Chance auf's Überleben verpassen (wichtig, denn wenn der stirbt, kann man nur EINEN Gegenstand mitnehmen anstelle vom prall gefüllten Inventar), muss man ihm Zeug ausleihen. Alles, was im Dungeon gefunden wird, gehört rechtmäßig Recette und Tear, der Söldner wird ja schließlich schon bezahlt. Trotz des einfach gestrickten Kampfsystems hat sich der Hack 'n' Slay-Anteil nicht als nervig erwiesen. Das Handeln und das Kämpfen balancieren sich anscheinend gut aus.


Und sogar Story gibt's! In der Demo natürlich nicht so viel, aber Recette und Tear unterhalten sich gerne mal in gelungen übersetzten Dialogen und am Ende der Testversion gibt es sogar schon einen Ausblick auf eine Rivalin mit verhätscheltem Charakter. Ooooh!

Kaum hatte ich die erste Kreditrate abgezahlt, war die Demo auch schon vorbei. Ich wollte glatt nochmal anfangen! Als japanischen Einstand in die Welt von Steam hat Recettear sehr gute Chancen auf gelungene, langanhaltende Unterhaltung zum kleinen Preis. Rian

Kommentare

Rian
03. September 2010 um 19:46 Uhr (#1)
Outtakes: Ein Satz lautete vorher "Neben dem Handeln mit kleinen Kindern und alten Männern muss man sich auch noch um das Arrangieren von Objekten und das Dekorieren des Ladens Gedanken machen." - das klang für meine Ohren dann doch irgendwie... falsch.
Gast
16. Januar 2019 um 11:16 Uhr
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