PUBG im Test

(Artikel)
Torsten Ingendoh, 05. März 2018

PUBG im Test

Winner Winner, Chicken Dinner!

Es ist immer schön, wenn ein neues Konzept frischen Wind in die Gaming-Szene bringt. 2017 war dieser Wind das Battle-Royale-Genre - ein Wind, der sich schnell zu einem wahren Sturm entwickelte. An vorderster Front dieses Sturms lag PlayerUnknown's BattleGrounds, kurz PUBG, selbsterklärter Erfinder des Genres und Early-Access-Hit. Kaum ein Twitch- oder YouTube-Kanal war vor PUBG noch sicher. Jetzt haben wir 2018 und seit Dezember letzten Jahres hat das Spiel offiziell den Entwicklungsstatus abgelegt und bezeichnet sich als vollwertiges Spiel. Grund genug, es auch als solches zu testen.

Battle Royale in a Nutshell
Für die wenigen unter euch, die noch nicht mitbekommen haben, wie ein Battle-Royale-Spiel funktioniert, eine kurze Erklärung: 100 Leute werden auf einer großen Karte abgesetzt und müssen sich dort mit Waffen und Ausrüstung eindecken. Ziel ist es, der letzte Überlebende (oder das letzte Team) zu sein. Damit die Spieler auch gezwungen sind, sich zu bekämpfen, verkleinert sich der Spielbereich in regelmäßigen Abständen, bis nur noch ein kleiner Punkt übrig bleibt. Wer sich außerhalb des Spielbereiches aufhält, der nimmt kontinuierlich Schaden und je länger die Runde anhält, desto mehr Schaden nimmt man.

PUBG2Schnelles looten per Inventar müsst ihr lernen

Den Startpunkt kann man dabei halbwegs frei selbst wählen. Am Anfang der Runde sitzen alle Spieler in einem Flugzeug, dessen Flugbahn zufällig ausgewählt wird. Alle dürfen aussteigen, wann sie wollen, und mit einem Fallschirm zu Boden gleiten. Wer bis zum Ende sitzen bleibt, wird irgendwann automatisch rausgeworfen. Da fällt schon die erste strategische Entscheidung an: Wo gehe ich hin? Loot gibt es nur in Gebäuden, weswegen in größeren Siedlungen natürlich auch bessere Beute zu finden ist, oder zumindest mehr. Aber da werden viele Spieler hingehen, also muss man mit frühen Gefechten rechnen, im schlimmsten Fall sogar, bevor man überhaupt eine Waffe gefunden hat. Landet man bei kleinen Hütten, kann man die Runde etwas ruhiger angehen, hat aber schlechtere Chancen auf gute Ausrüstung.

Die zu findende Ausrüstung ist überschaubar, was mir gut gefällt, denn man muss sich nicht mit all zu vielen ähnlichen Waffen herumschlagen. Die Pistolen sind dabei die wohl uninteressantesten, da diese eigentlich nur am Anfang Verwendung finden, wenn man nichts Besseres eingesammelt hat. Jede Schrotflintensorte ist einmal vertreten, es gibt eine Handvoll Maschinenpistolen, die sich merklich voneinander unterscheiden, eine AK, ein M16 und zwei hochwertigere Sturmgewehre, dazu noch zwei halbautomatische Scharfschützengewehre und eins mit Bolzenverschluss. Dazu gesellen sich noch ein paar Exoten, wie eine Winchester und eine Armbrust. Nach ein paar Runden hat man raus, wann welche Waffe am nützlichsten ist und mit welchen man sich am wohlsten fühlt. Abgerundet wird das Arsenal noch durch ein paar Granatentypen und Nahkampfwaffen, unter denen eigentlich nur die Pfanne interessant ist. Diese war unbeabsichtigt kugelsicher, ist dann aber absichtlich nicht "gefixt" worden. Abseits von Waffen kann man noch Rucksäcke finden, welche das Inventar erweitern, dazu Schutzwesten und Helme, alles in drei verschiedenen Schutzstufen, und ein paar Heilitems. Für die nötige Würze sorgen Airdrops, in denen man exklusive Waffen findet. Diese sind heiß begehrt und nicht selten umkämpft. Wer sie plündern will, der geht immer ein Risiko ein. Übrigens verwendet PUBG ein Ballistiksystem à la Battlefield. Zielt also höher und weiter vor, wenn ihr auf entfernte Gegner schießen wollt.

PUBG4Pecado ist immer umkämpft

Eine Prise Glück
Eines lässt sich bei PUBG nicht von der Hand weisen: Glück spielt eine nicht zu verachtende Rolle. Es fängt damit an, welche Ausrüstung man findet, denn diese wird bei jedem Match per Zufall über der Karte gestreut. Wo man im letzten Match noch ein Scharfschützengewehr mit Zielfernrohr gefunden hat, kann in der nächsten Runde nur eine alte Flinte liegen. Mal findet man eine Level-3-Weste und kann sich furchtlos den anderen Spielern stellen, mal findet man nicht mal einen lumpigen Helm. Das Gute: Kein Match ist wie das andere.

Der größte Glücksfaktor im Spiel stellt die Spielzone dar. Es gibt keine Möglichkeit, vorherzusagen, welcher Teil der Karte als nächstes sicher sein wird. Oftmals ist aber das Zentrum der aktuellen Spielzone vermutlich in der neuen Zone zu finden, wenn auch nur am Rand. Wie matchentscheidend die Zone sein kann, zeigt sich oftmals ganz am Ende. Mein erster Einzelsieg kam zustande, weil die letzte Zone genau auf meiner Position lag und mein Gegner keine andere Wahl hatte als mir vor die Flinte zu laufen. In anderen Matchen war ich nicht selten selbst dieser Gegner, der anderen vor die Flinte getrieben wurde.

Die eigenen Geschichten
PUBG ist eines dieser Spiele, in dem man seine eigenen Geschichten schreibt. Von Heldentaten, in denen man mit dem M16A4 ganz allein ein Vierer-Team erledigt, von absolutem Glück, bei dem man einfach mal durch eine der Holzhütten fährt und dabei jemanden tötet, von dem man gar nicht wusste. Aber auch von unglaublichem Pech, wenn man eine Granate so blöd wirft, dass sie zurück rollt und einem im explodiert. YouTube ist bereits voll von solchen Videos. Diese Momente sind der wohl größte Reiz des Spiels. Und am besten ist das Spiel, wenn man es mit Freunden zusammen in einem Squad spielt. Egal wie oft ich antrete, wenn man es unter die letzten Zehn geschafft hat, dann geht der Puls mächtig in die Höhe. Man hat es so weit geschafft und jeder Fehler könnte der letzte sein. In kaum einem Spiel fühlt sich gewinnen so gut an wie in PUBG.

PUBG1Airdrops lassen sich super campen.

Wirklich fertig?
Schon vor dem offiziellen Release im Dezember wurde PUBG von vielen als Spiel des Jahres bezeichnet. Eine beinahe einzigartige Ehre für einen Early-Access-Titel, die zuvor eigentlich nur Minecraft zuteil wurde. Man könnte aber sagen, allein die Popularität gab der Forderung nach diesem Titel schon recht. PUBG hat damals schon das Potential gezeigt, zu einem ganz großen Titel zu werden. Aber ich muss hier dann doch einen großen Dämpfer aussprechen: Den Titel hat sich das Spiel aus meiner Sicht nicht ganz verdient, auch nicht nach dem offiziellen Release. Denn dieser wirkt auf mich ein wenig scheinheilig. Mittlerweile hat PUBG ein Micro-Transaction-System wie CS:GO: man bekommt verschlossene Lootboxen und muss sich Schlüssel kaufen, um diese öffnen zu dürfen. Etwas, das die Entwickler in der Early-Access-Phase nicht tun wollten und jetzt aber tun können, weil die Phase vorbei ist. Der Xbox-One-Release und die Chance auf GOTY-Titel könnten auch dazu geführt haben, dass man sich als "fertig" bezeichnet.

Ich nenne PUBG allerdings nicht fertig. Klar, es läuft weitestgehend flüssig und die schlimmsten Bugs sind beseitigt. Aber an vielen Stellen wirkt das Spiel mehr funktional denn ausgereift. Ganz vorne ist das Interface, welches seinen Job tut, aber immer noch sehr spartanisch wirkt. Grafikfehler sind nicht gerade eine Seltenheit, auch wenn sie meistens nicht stören. Und die Fahrphysik macht oftmals, was sie will. Am meisten regt mich aber auf, wie laggy das Spiel in der Anfangsphase jeder Runde ist. Jedesmal, wenn ich auf einem Dach landen möchte, muss ich beten, dass der Server mich auch auf diesem absetzt und nicht beschließt, dass ich ja eigentlich neben dem Geländer aufgeschlagen bin und ich erstmal in die Tiefe stürze, Fallschaden inklusive. Und dann noch die Hoffnung, dass ich die aufgenommene Waffe auch wirklich aufgenommen habe, bevor ich weiterlaufe. Es gibt nichts Ärgerlicheres als mit loser Munition umherzuwandern.

Der Hauptgrund, warum PUBG so viel Zeit fressen kann, liegt in der Größe des Spiels. Die Karte ist gigantisch, vielleicht sogar eine Spur zu groß. Für eins der heißbegehrten Chicken Dinner muss man mindestens 40 Minuten spielen. Erst dann ist der Kreis so klein, dass die letzten Spielerinnen und Spieler sich bekämpfen müssen. Und diese 40 Minuten können mit sehr viel Leerlauf gefüllt sein, insbesondere wenn man ganz weit ab von den anderen Spielern gelandet ist. Und was gibt es Schöneres, als 30 Minuten lang keine Menschenseele zu sehen, keinen Schuss abzufeuern, nur um dann von einem Pro-Sniper, der die AWM aus einem Airdrop gezogen hat, einen Kopfschuss verpasst zu bekommen, weil man eine Sekunde unachtsam war. Sehr häufig stirbt man in diesen Leerlaufsituationen, weil man einfach nicht mehr so richtig aufpasst. Ich meine, die letzten 20 Häuser waren ungelootet, warum sollte in diesem Haus einer... ach Mist, der hat auf mich gewartet. Andererseits muss man auch erwähnen, dass es nicht um Kills geht. Wer geschickt allen Kampfhandlungen ausweicht, der kann es ohne größere Probleme unter die besten zehn schaffen. Aber sind wir mal ehrlich, das ist auf Dauer auch etwas langweilig. Ich persönlich fände eine dritte, kleinere Map durchaus interessant.

PUBG3Wer NVIDIA Shadow Play hat, der kann Kills automatisch aufzeichnen lassen

So wie das Spiel sich momentan präsentiert, ist es, als würde ich einen Action-Film ohne Spezialeffekte schauen. Die Substanz ist da und das Erlebnis ist durchaus ein unterhaltsames, aber man sieht noch die Drähte, an denen die Schauspieler durchs Bild gezogen werden. Ich kann PUBG daher keine überragende Wertung geben, es ist halt doch noch einiges zu tun, auch wenn mir gefällt, was bereits existiert. Eines muss ich aber gestehen: der Hype ist durchaus gerechtfertigt. Nicht ohne Grund habe ich zum Zeitpunkt des Schreibens bereits fast 250 Stunden gezockt. Mit nur zwei Maps ist das Angebot aber noch etwas dürftig, vor allem wenn man bedenkt, dass die erste Map in der Early-Access-Phase noch Regen und Nebel als Wettereffekte anbot. Diese sind mit Version 1.0 seltsamerweise verschwunden. Auch wären ein paar alternative Spielmodi interessant. Mal sehen, was 2018 für das Spiel noch auf Lager hat.

PlayerUnknown's Battlegrounds wurde auf dem PC getestet. Für den Test hat sich der Redakteur das Spiel selbst gekauft.

Playerunknown's Battlegrounds

(Ranking)
B
RANK
Anständig. Stärken und Schwächen halten sich die Waage. Positive Überraschungen sind genauso selten wie negative. Unterm Strich muss man seine Spielzeit keinesfalls bereuen.

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20. Juni 2018 um 18:39 Uhr
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2017
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