Nether

(Artikel)
Daniel Fink, 10. Mai 2014

Nether

Gebündeltes Potenzial im Early Access

Auf dem Horizont ploppen immer mehr DayZ-likes auf und wirken auf den ersten Blick fast immer sehr solide. Nachdem War Z bzw. nun Infestation: Survivor Stories sich als eine herbe Ernüchterung herausstellte, wurden Genre-Fans deutlich skeptischer, was neue Umsetzungen des neuen Zombie-Survival-Konzepts anbelangt.
Ein kleiner Zeitsprung in die Zukunft und uns stehen die ersten vielversprechenden Titel vor der Tür, die sich nicht scheuen von der ursprünglichen Vorlage abzuweichen und neue Ideen zu implementieren, wie zum Beispiel Rust. Nether ist ein weiteres Spiel, das auf dem Gerüst von DayZ basiert, sich jedoch clever mit neuen Features präsentiert, um sich von dem Urvater abzugrenzen. Das beginnt schon mit dem Setting.

Das Spielgeschehen siedelt sich ca. zehn Jahre nach einem kataklysmischen Ereignis an, welches unter dem Namen The Cull bekannt ist. Was damals wirklich vorgefallen ist, ist unklar, es kursieren lediglich Theorien, was den Cull verursacht hat. Fakt ist jedoch, dass dieser die gesamte Welt verwüstete und zwei Drittel der Menschheit zu Kreaturen mutieren lies, die unter dem Namen Nether bekannt sind.

Die Nether sind wahrlich furchteinflößende Kreaturen. Zum größten Teil folgen sie den Zombie-Archetypen aus Left 4 Dead: Normale Crawler, Spitter und Tanks sind da. Es gibt kleinere, coole Abweichungen, wie zum Beispiel den fliegenden, feuerspeienden Mantis oder die Watcher, aber insgesamt gibt es da nicht viele Überraschungen. Was den Kampf gegen diese Monster erschwert und den Vorgang deutlich spannender Macht, ist ihre Fähigkeit sich zu teleportieren. Sie öffnen einen Portal unter sich und verschwinden im Boden und man kann nur abwarten, ehe sie irgendwo hervorspringen und die Krallen in die Spielerrücken bohren.

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Da die Nether wegen ihren Teleports in Horden neben euch aus dem Nichts erscheinen können, braucht ihr Gefährten. Das Ödland auf eigene Faust zu erkunden ist zwar eine Option, aber gleicht oftmals einem One-Way-Ticket in die Hölle, denn die Chancen lebendig zurückzukehren sind äußerst gering. Hier kommt das Tribe-System ins Spiel – man hat die Möglichkeit sich einer Fraktion anzuschließen.
Dadurch findet man wirklich schnell Leute, mit denen man die Welt erkunden kann, und weiß ziemlich genau, auf wen man schießen darf und auf wen nicht. Innerhalb des Tribes herrscht quasi eine Bruderschaft. Als ich halb tot und ohne Loot von einem Raid mit ein paar Freunden zurückkehrte, sah ich einen Spieler aus meinem Tribe. Ich begrüßte ihn und fragte, ob er ein Medkit für einen freundlichen Mitstreiter hätte. Er war nicht nur so nett, mir das absolut notwendige Medkit zu geben, sondern gab meiner Gefolgschaft auch noch bessere Waffen. Anschließend eskortierten wir ihn zu einer anderen Safe Zone, da er dort eine Quest einreichen musste und er half uns wiederum bei unseren.

Und hier kommen wir zu der Sache, die das Spiel wirklich abhebt: es gibt etwas zu tun. Mein größtes Problem mit DayZ und Konsorten ist die Tatsache, dass es mich nicht wirklich fesselt einfach nur Essen zu suchen und gelegentlich auf Leute und Zombies zu schießen. Nether bietet dem Spieler tatsächlich Ziele, falls sie es denn möchten. Man kann Pakete an Trader liefern. Auch kann man auf der Map Eskortmissionen finden, bei denen man Kistentransportierende Spieler begleitet. An dieser Kiste ist ein Gerät angebracht, das die ganze Zeit biept und Nether anlockt, weshalb die Person Schutz braucht. Falls man diese Kiste erfolgreich liefert, gibt es für die ganze Party (ja, es gibt ein Party-System) Erfahrungspunkte und Geld.
Neben den Quests, gibt es auch noch Events, wie Supply-Drops, die von Spielern umkämpft werden, Nether-Surges, bei denen große Mengen an Nether spawnen, und Safe-Zone-Ausfälle, wenn Nether eine Safe Zone überfallen, was meistens in einem Blutbad unter den Spielern endet.
Außerdem kann man Territorien für seinen Tribe einnehmen. Bestimmte Gebiete geben seinem Tribe bestimmte Boni, wie zum Beispiel mehr Geld bei Erfüllung von Quests oder zusätzliche Waffenspawns, weshalb der Kampf um das Land einen extrem wichtigen Stellenwert hat.

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Um sich im Kampf zu helfen, sollte man die Erfahrungspunkte, die man für so ziemlich alles bekommt, auch in Skills stecken. Diese erhöhen unter anderem Schaden mit Nahkampf- und Fernkampfwaffen, Sprintdauer, Traggewicht, Zielgenauigkeit und Effektivität von Nahrungsmitteln und Medkits. Den Vorteil der Upgrades merkt man deutlich: Spieler, die nicht rigoros durchgelevelt sind, haben definitiv das Nachsehen. Allerdings verliert man beim Sterben alle seine Skill-Punkte, weshalb man sich auf dem höchsten Level nicht wie ein Gott fühlen darf. Dem Himmel sein Dank geht das Leveln recht flott und man kann verlorenen Fortschritt recht schnell nachholen, um wieder für Fraktionsgefechte bereit zu sein.

Das Geld, welches man für Quests bekommt oder auch einfach in der Welt finden kann, kann man im In-Game-Shop der Safe Zones ausgeben. So kann man sich einen kleinen Jump-Start verschaffen, indem man sich eine Nahkampfwaffe und ein wenig Proviant kauft. Auch später kommt man so schneller an Medkits und Essen, um weiterhin am Kampf ums Territorium teilnehmen zu können.
Manche Gegenstände gibt es auch für echtes Geld, aber die Preise in der virtuellen Währung für dieselben Items sind extrem fair und außerdem ist es nicht schwer an das virtuelle Geld zu kommen. Die einzigen Items, die man nur für echtes Geld bekommt, sind rein kosmetischer Natur und verleihen dem Spieler keinen Vorteil.

An sich ist das Looten im Spiel auch eher problemlos, man findet eigentlich ziemlich viele Ressourcen, nervig sind nur die Kisten, die man mit Schlüsseln öffnen kann. Die Schlüssel gibt es im oben beschriebenen Shop für echtes Geld. Der einzige Vorzug an diesen Kisten ist wohl, dass daraus auch kosmetische Items droppen können. Aus der Ferne sehen diese Container den normalen extrem ähnlich, weshalb man sich immer ärgert, wenn man hinläuft und einem auffällt, dass man seine Zeit verschwendet hat.
Vollständige Waffen kann man nur an bestimmten Orten finden, meistens plündert man aber nur Waffenteile. Diese kann man dann zu den jeweiligen Waffen mit anderen Teilen vervollständigen oder typische, post-apokalyptische McGyver-Waffen basteln, die allesamt sehr cool sind.

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Das größte Problem des Spiels ist die technische Umsetzung. Grafisch ist das Spiel auf einem recht hohen Niveau und die Atmosphäre ist großartig, aber an den Spielmechaniken muss noch gefeilt werden. Das Bereisen der Map fühlt sich hakelig an, Animationen sind stellenweise sehr rau, Hitboxen sind eigenartig und Knarren fühlen sich komisch an.

Insgesamt lässt sich deutlich erkennen, was die Entwickler mit dem Spiel verfolgen, und die Konzepte, die sie aufgestellt haben, sind überwiegend überzeugend. Was nun wirklich fehlt, ist mehr Umfang und Feinschliff. Da das Spiel momentan über Steam Early Access verfügbar ist, würde ich eher zum Kauf raten, wenn Nether sich dem Release nährt, da es sich in beide Richtungen entwickeln kann. Dennoch, definitiv ein Titel, den man in der Zukunft auf seinem Radar behalten sollte.

Bis dahin! - Dan

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09. Dezember 2022 um 16:45 Uhr
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RELEASE
31. Oktober 2013
PLATTFORM
PC
Plattform - PC-Spiele haben mit die älteste Tradition. Heutzutage laufen die meisten Games unter dem Microsoft Windows.

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