Fernbus Simulator im Test

(Artikel)
Adrian Knapik, 18. September 2016

Fernbus Simulator im Test

Teleportierende Fahrgäste und Texturen aus den 90ern

Im Fernbus Simulator fahrt ihr unter der Flagge des Flixbus-Unternehmens durch ganz Deutschland und befördert Fahrgäste. Mit der offiziellen Lizenz der Busmarke MAN stehen auch die offiziellen Busse passend zur Verfügung. Aber bringt die Fahrerei auch wirklich Spaß oder solltet ihr lieber schnell den Busschlüssel wegschmeißen?

Darf ich vorstellen? Dein Fernbus!
Und schon geht's los: Ihr bekommt einen Bus und dürft euch eure Fahrtstrecke auswählen. Im Karriere-Modus müsst ihr euch einen Start-Bahnhof auswählen und von dort dann jeden weiteren Busbahnhof freischalten, indem ihr ihn anfahrt. Im Menü könnt ihr dabei verschiedene Linien erstellen und so entweder von nur einer Stadt zur anderen fahren, oder mehrere hintereinander abklappern. Das war es auch schon mit dem "Management"-Teil des Fernbus Simulators. Die meiste Zeit werdet ihr sowieso auf der Straße verbringen, deshalb kommen wir auch sofort zum Kern.

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Ihr beginnt mit der Anfahrt zum Busbahnhof, um eure Passagiere einzusammeln. Auf der kurzen Fahrt vom Hof zum ZOB könnt ihr die Gelegenheit nutzen und alle Komfortfunktionen für die Passagiere aktivieren. Damit euch die Mitfahrer nämlich nicht sofort anpöbeln, müsst ihr dafür sorgen, dass das WC offen und das WLAN eingeschaltet ist, die Klimaanlage eine angemessene Temperatur hat und die Leselampen einschaltbar sind. Macht ihr das nicht, werdet ihr mehr oder minder freundlich darauf hingewiesen und erhaltet Minuspunkte in der abschließenden Fahrt-Bewertung.

Der einzige Fernbus im ganzen Land
Kommt ihr am Busbahnhof an, werdet ihr von gähnender Leere begrüßt – mit Ausnahme von den wartenden Leuten. Denn im ganzen, weiten Land existiert kein anderer Fernbus, wodurch die sonst in der Realität so belebten Busbahnhöfe zu traurigen virtuellen Randgebieten mutieren. Alles fährt auf den Straßen umher, LKWs und Autos – nur ihr seid der letzte Verbleibende eurer Rasse.

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Ich kann mir auch gut vorstellen, wieso andere Busse nicht integriert wurden. Denn schon die normale Fahrzeug-KI ist einfach nur doofer als ein Brotkrümel und hat teils mit argen Problemen zu kämpfen. Plötzliche Vollbremsungen auf freier Strecke, spawnen und de-spawnen von Autos in Sichtweite und feststeckende Autos in Kurven gehören zur Tagesordnung. Es vergeht eigentlich keine Fahrt, bei der man wegen eines solchen Fehlers nicht lange warten muss, die Straßenverkehrsordnung missachten muss oder einen Unfall baut und dafür Punkte verliert. Und wenn das wegen einer nicht funktionierenden Fahrzeug-KI passiert, ist das einfach nur noch wirklich frustrierend. Das Verkehrsaufkommen befinde ich allerdings als sehr gut abgestimmt und stets passend.

Hilfe, meine Fahrgäste können sich teleportieren!
Kommen wir aber zurück zur Situation am Busbahnhof. Während ein Heuballen an uns vorbeikullert, begrüßen wir nämlich standesgemäß jeden einzelnen Fahrgast persönlich, um das Ticket zu prüfen oder auch kurzfristig noch eins zu verkaufen. Die Aufgabe ist recht einfach: der Passagier zeigt euch sein Ticket, das originalgetreu wie ein Flixbus-Ticket aussieht, und ihr müsst prüfen, ob er auf eurer Buchungsliste im Handy draufsteht. Für jeden falschen angenommenen oder abgewiesenen Passagier gibt es wieder Minuspunkte. Nehmt ihr einen Fahrgast mit, läuft er nicht in euren Bus rein, sondern beamt sich einfach wie bei Star Trek auf einen Sitzplatz. Geht ja auch viel schneller so.

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Alle eingecheckt, geht es zurück auf den Fahrersitz und los zum Fahrtziel. Doch dafür müsst ihr erst mal von der Stadt auf die Autobahn kommen, was sich bei erhöhtem urbanen Verkehrsaufkommen als Geduldsprobe herausstellt. Es ist vollkommen legitim, wenn ein kleiner Stau durch viele Autos entsteht. Wenn dieser aber dadurch entsteht, dass die KI in Kurven hängenbleibt und somit den gesamten Verkehr blockiert, ist das doch weniger lustig. Wenigstens bemerkt das Spiel irgendwann diesen Fehler und lässt das Auto irgendwann despawnen oder doch auf irgendeine Art und Weise weiterfahren. Solche Aussetzer dürfen aber einfach nicht passieren.

Moderne Engine, super Fahrphysik
Positives gibt es von Seiten der Engine und der Fahrphysik zu vermelden. Zum Einsatz kommt die Unreal Engine 4, die dafür sorgt, dass der Fernbus Simulator kein solches ressourcenfressendes Monster ist wie andere Simulatoren. Die eingebaute Fahrphysik des Busses weiß ebenso zu überzeugen. Das Fahrverhalten scheint durchweg realistisch und in keinem Moment ist mir ein für Busse untypisches Verhalten aufgefallen. Eine angenehme Lösung wurde beim Streitthema der Busneigung in den Kurven gefunden. Im Gespräch mit den Entwicklern klang durch, dass es wirklich schwierig sei, bei der Neigung einen Wert zu finden, der alle zufriedenstellt. Deshalb wurde kurzerhand ein Regler eingebaut, mithilfe dessen ihr die Busneigung ein wenig einstellen könnt. So kann sich jeder die Kurvenlage so anpassen, wie es ihm am besten passt.

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Auch beim Wetter wurde ganze Arbeit geleistet. Gerade wenn der Regen die Fahrmulden des Asphalts füllt und die Regentropfen auf der Windschutzscheibe von den Scheibenwischern hin und her geschubst werden, sieht die Fahrt durch die Landschaft hervorragend aus. Und auch sonst kann sich das Spiel im Allgemeinen sehen lassen, bis auf eine Ausnahme.

Texturen aus den 90ern
Auch wenn die Unreal Engine 4 zum Einsatz kommt, gibt es doch einen riesigen Grafikpatzer: Die Texturen der Häuser und Gegenstände in den Städten sind wirklich nicht gut. Und mit wirklich nicht gut meine ich, dass ihr besser nicht hinschauen und euch auf die Straße konzentrieren solltet. Denn wenn ihr Häuser näher betrachtet, merkt ihr, dass alle Texturen lediglich aufgeklebt sind und somit keinerlei Tiefe oder sonstige Effekte bieten. Für die heutige Zeit ist so eine Texturqualität eigentlich unverzeihlich.

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Um zum Schluss zu kommen: der Fernbus Simulator bietet eine gute Fahrphysik und eine solide Grundlage, um mehr zu schaffen. Alles darauf Aufbauende ist aber mehr schlecht als recht. Lieblos gestaltete Fahrgast-Interaktion, Texturen aus euren schlimmsten Albträumen und eine Verkehrs-KI, die diesen Namen eigentlich gar nicht verdient. Als Fan von Simulatoren hatte ich noch meinen Spaß dran, aber für alle anderen ist der Fernbus Simulator nicht empfehlenswert.

Der Fernbus Simulator wurde auf dem PC (Windows 10 64-bit, Intel Core i5-4670, 16 GB RAM, Radeon R9 270X) getestet. Ein Testmuster wurde uns von Aerosoft zur Verfügung gestellt.

Fernbus Simulator

(Ranking)
C
RANK
Gut gemeint. C-Spiele haben ihre strahlenden Momente, aber in entscheidenden Situationen wird großes Potential verschenkt. Über keine anderen Spiele kann man sich so sehr ärgern.

Kommentare

WarMCT
Gast
27. Januar 2017 um 19:26 Uhr (#1)
Danke habe mir das Spiel gekauft und bin zum Teil überzeugt worden
Gast
17. November 2018 um 10:01 Uhr
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RELEASE
25. August 2016
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PC
Plattform - PC-Spiele haben mit die älteste Tradition. Heutzutage laufen die meisten Games unter dem Microsoft Windows.

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