Cityconomy: Service for your City im Test

(Artikel)
Adrian Knapik, 06. Dezember 2015

Cityconomy: Service for your City im Test

Schwarzarbeiter des Monats

Simulatoren haben ein Image-Problem. Entweder sie bieten zu wenig Inhalt fürs Geld, können ihren erhobenen Simulations-Aspekt nicht erfüllen oder sind ein technisches Desaster. Abgesehen davon wird der Markt überflutet von Simulatoren wie dem "Sonderfahrzeug Simulator" oder dem Autobahnpolizei Simulator, was nicht nur unansprechend klingt, sondern auch viel zu kleinkariert ist. Da ist es kein Wunder, dass man thematisch zu eingeschränkt ist und inhaltlich recht anspruchslose Titel auf den Markt werfen muss. Mit Cityconomy: Service for your City wagt Nano Games einen Schritt in die andere Richtung und vereint fünf Simulatoren in einer Open World.

Skill-Systeme und Furzgeräusche
In Cityconomy werdet ihr also in eine recht große Stadt gesetzt, in der ihr der Chef einer Firma seid, die Aufgaben für die Stadt erledigt. Ihr kümmert euch um die verschiedensten Aufgaben, wie Müllsammeln, Rasenmähen oder Straßenreinigung. Dafür müsst ihr euch um die Wirtschaft kümmern und Geld verdienen, damit neue Fahrzeuge den Weg in euren Fuhrpark finden. Auch Gebäude wie Tankstellen oder Werkstätten könnt ihr euch kaufen, damit ihr bei der Wartung sparen könnt. Insgesamt habt ihr fünf Aufgabenbereiche, dabei beginnt ihr damit Müll einzusammeln und erhaltet mit jeder Quest, die ihr abschließt, Geld, Erfahrung und Zufriedenheit der Bürger. Um einen neuen Aufgabenbereich freizuschalten, müsst ihr eine bestimmte Menge an Zufriedenheit ansammeln. Wenn ihr die Schwelle erreicht habt, könnt ihr im Menü aus einer der weiteren vier Aufgabenbereiche einen wählen und freischalten. Jeder Aufgabenbereich hat außerdem verschiedene Skills, die ihr mithilfe der erlangten Erfahrungspunkte leveln könnt. Zum Beispiel gibt es Skills, die euch nach einer abgeschlossenen Quest 20% mehr Zufriedenheit bringen oder durch die ihr mehr Einkommen erhaltet.

cityconomy_papiermüll

Sobald ihr einen neuen Bereich freischaltet, wird auch ein weiterer Teil der Stadt geöffnet, in dem ihr nun auch Quests erhaltet. Um diese erledigen zu können, müsst ihr euch meistens ein neues Fahrzeug kaufen. Im Gärtnerbereich stehen euch dafür zum Beispiel der kleine und der große Mäher zur Verfügung. Beginnen müsst ihr also mit dem kleinen Mäher und braucht daher auch am Anfang viel mehr Zeit für eine Rasenfläche als im späteren Verlauf. Einige Fahrzeuge aus dem Spiel sind außerdem originale Modelle vom Hersteller MAN, die allerdings bis auf das offizelle Logo keinen wirklichen Mehrwert bieten – außer natürlich, man ist absoluter Fan der MAN-Modelle. Außer der Optik gibt es aber auch nichts an den Fahrzeugen zu loben, denn die Fahrphysik bewegt sich eher auf mittelmäßigem Niveau und der Sound ist unter aller Sau. Vor allem die Motorengeräusche sind so grauenvoll, dass ich manchmal glaubte, dass meine Ohren zu bluten angefangen haben. Wenn sich der Motor nämlich mehr wie ein Furzkissen anhört, als wie ein Motor eines fünf Tonnen schweren Müllwagens, läuft irgendwas gewaltig schief. Auch die Sounds der Müllpresse der Müllwagen wiederholen sich ständig und sind so penetrant, dass man den Sound lieber komplett ausschaltet. Bei anderen Fahrzeugen sind die Geräusche der Maschinen nicht so störend, aber auch nicht wirklich gut.

Leerer Multiplayer und Schwarzarbeiter
Neben dem Singleplayer unterstützt Cityconomy noch einen Multiplayer-Koop mit bis zu fünf Spielern. Während im Singleplayer die Stadt noch recht angenehm bevölkert ist, man einige Passanten sieht und eine optimale Menge an Autos durch die Stadt huschen, verschwindet die Bevölkerung im Multiplayer plötzlich komplett. Fahrzeuge gibt es nur noch als Deko auf Parkplätzen und wenn man Glück hat, begegnet man pro Stunde einem einem Einwohner. Das Questsystem ist sehr unmotiviert in den Multiplayer übernommen worden. Nur der Host kann eine Quest annehmen, um die sich die Spieler dann kümmern – es ist nicht möglich, mehrere Quests gleichzeitig anzunehmen, sodass man schneller Geld verdient. Es macht also auch erst Sinn im Multiplayer zu spielen, wenn man mehrere Fahrzeuge für den gleichen Aufgabenbereich zur Verfügung hat. Denn auch die Möglichkeit zu zweit in einem Auto zu sitzen, gibt es nicht. Genauso wenig kann man sich bei einem Müllwagen hinten auf die Stellfläche stellen, wie man es aus dem alltäglichen Leben kennt. Gerade hier hätte Cityconomy gut punkten können. Stattdessen hatte ich im Multiplayer einfach viel zu oft das Gefühl eingeschränkt zu sein – als wären den Entwicklern in den besten Momenten die Ideen ausgegangen. Auch technische Probleme gibt es im Multiplayer wie Sand am Meer. Wenn man nicht gerade der Framerate beim abstürzen zuschauen muss, kommt der andere Mitspieler plötzlich mit vollem Tempo vom Himmel geflogen und rollt mit seinem Fahrzeug an einem vorbei. Okay, zugegebenermaßen haben diese Szenen für einige Lacher gesorgt, aber ein Statement für ein technisch ausgereiftes Spiel ist das nicht.

cityconomy_abschleppen

Statt die Quests auf die Mitspieler verteilen zu können, hat man genau wie im Singleplayer auch nur die Möglichkeit, Angestellte der eigenen Firma zu entsenden. Die Angestellte scheinen aber nicht offiziell für die Firma zu arbeiten, denn sie tauchen erst auf, wenn ihr sie zu einer Aufgabe losschickt – und auch dann nur auf dem Papier. Sobald ihr Angestellte losschickt, steht euch das zugehörige Auto für eine lange Zeit nicht mehr zur Verfügung, denn die Minuten ticken in Echtzeit runter. So brauchen eure Pseudo-Arbeiter teils vier echte Stunden, um etwas zu erledigen, was ihr in zehn Minuten schafft. Neben der langen Zeit kriegt ihr außerdem weniger Geld und keine Erfahrungspunkte und Zufriedenheit, wenn ihr eure Schwarzarbeiter die Aufgaben erledigen lasst. Prinzipiell lohnt es sich also mehr, einfach Gas zu geben und zu versuchen so viele Quests wie möglich in kurzer Zeit zu erledigen, denn so verdient ihr deutlich mehr Geld als mit euren Angestellten.

Grafisch präsentiert sich Cityconomy nicht wirklich schön. Die meisten Texturen sind verwaschen oder einfach nicht gut gelungen, die ganze Welt wirkt starr und nicht sehr lebendig. Am nervigsten sind aber die schlechte Sichtweite und die wirklich unangenehm ins Bild springenden Gegenstände und Gebäude. Wie bereits erwähnt, sind die Fahrzeuge der einzige visuelle Lichtblick. Auch von der Performance-Optimierung hätte man eine deutlich bessere Leistung abliefern können, denn Cityconomy ruckelt teils sehr stark trotz nicht voll ausgereizter Grafikeinstellungen.

cityconomy_straßenputzen

Cityconomy bietet viele gute Ansätze, baut diese aber nicht aus und verschenkt dadurch an nahezu allen Stellen Potenzial. Bei keinem anderen Spiel habe ich deswegen gedanklich so häufig meinen Kopf auf die Tischplatte gehauen. Während der Multiplayer nur für das Ausnutzen von lustigen Bugs gut ist, hat man im Singleplayer zumindest ein wenig Spaß mit dem Simulator-Teil. Adrian

Cityconomy wurde auf dem PC (Windows 10 64-bit, 8 GByte RAM, Intel Core i5-4670, AMD Radeon R9 270X) getestet. Ein Testmuster wurde uns von Astragon zur Verfügung gestellt.

Cityconomy: Service for your City

(Ranking)
C
RANK
Gut gemeint. C-Spiele haben ihre strahlenden Momente, aber in entscheidenden Situationen wird großes Potential verschenkt. Über keine anderen Spiele kann man sich so sehr ärgern.

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17. November 2018 um 10:06 Uhr
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RELEASE
02. Dezember 2015
PLATTFORM
PC
Plattform - PC-Spiele haben mit die älteste Tradition. Heutzutage laufen die meisten Games unter dem Microsoft Windows.

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