Bus Simulator 16 im Test

(Artikel)
Adrian Knapik, 13. März 2016

Bus Simulator 16 im Test

Hier vergeht die Zeit langsamer

Lang ist's her, dass der letzte Bus Simulator von Astragon erschien, genau genommen vier Jahre. Jetzt feiert die Simulation mit Bus Simulator 16 ihr Comeback. Den Spielern werden eine große Open World, originalgetreue Busmodelle und die volle Kontrolle über ihr eigenes kleines Busunternehmen in Aussicht gestellt. Ob die Simulation was taugt oder ihr lieber auf den nächsten Versuch warten solltet, erfahrt ihr in diesem Test.

bussim16_haltestelle

Das erste galaktische Imperium!
Im Bus Simulator 16 übernehmt ihr eure eigene Firma und versucht dann, das größte und bösartigste Imperium – ähm, das größte Busunternehmen aller Zeiten aufzubauen. In einer als Tutorial verkauften Einführung bekommt ihr zu Beginn alles erklärt, was ihr zum Fahren eines Busses braucht. Nach diesem Tutorial wird euch noch fix das Prinzip der Wirtschaftssimulation erklärt, sodass ihr nicht nach fünf Minuten Insolvenz anmelden müsst. Die Zeitpunkte für Erklärungen sind gut gewählt, denn anders als in vielen anderen Simulationen, die euch möglichst alles zu Beginn erklären wollen, wird hier erst dann eine Spielmechanik erklärt, wenn sie für euch wichtig ist. So erfahrt ihr alles Schritt für Schritt, wodurch der Bus Simulator 16 deutlich unkomplizierter ist als andere Genre-Vertreter.

Als Grundlage werden sechs verschiedene Busmodelle geboten. Ein bisschen mehr Variation wäre hier schon nett gewesen. Vor allem, dass nur zwei Modelle offiziell von MAN lizenziert sind, ist mir aber ein Dorn im Auge – denn eine Simulation spielt sich natürlich deutlich angenehmer, wenn man mit den bekannten Originalbussen fahren kann. Stellt euch vor, Need for Speed würde nur die Marken BMW und Mini lizenzieren und ansonsten könntet ihr nur mit "Marken" wie Audo und Lamborghana fahren – irgendwie blöd, oder? Zumindest lassen sich die Busse in zahreichen Farben umlackieren und mit Decals bekleben. So könnt ihr auch Werbung auf euren Bussen platzieren, die euch pro Fahrt weitere Einnahmen bringen.

bussim16_decals

Zwischen Simulation und Spiel
Vom Fahrgefühl wurde eine angenehme Mischung aus Simulation und "Spiel" gefunden. Das Fahren der Busse ist relativ schnell erlernt, macht dennoch weiterhin Spaß und bietet gerade in engen Kurven eine tolle Herausforderung. Gerade mit einem Gelenkbus rutscht man da häufiger in Problemsituationen, als es einem lieb ist. Die NPC-Autos vollbringen ihren Job mittlerweile so wie sie sollen, zum Release aufgetretene Fehler wie das abrupte Abbremsen ohne Grund oder ewiges Warten an einer Vorfahrtskreuzung sind mittels Patch behoben worden. Schön ist, dass die Autos bremsen und warten, wenn man in einer Haltestellenbucht steht und den Blinker anschaltet. Andererseits ist es unschön, dass die NPC-Autos an einer Haltestelle ohne Haltebucht stumpf hinter dem Bus stehen bleiben, ohne auch nur Anstalten zu machen überholen zu wollen. Dadurch erhält man schnell den Hinweis, dass hinter einem eine Kolonne steht und man doch bitte weiterfahren sollte.

Ihr müsst euch außerdem um den Ticketverkauf während des Fahrens kümmern. Passagiere, die vorne einsteigen, wollen gerne mal ein Ticket von euch haben, woraufhin ihr das richtige ausdrucken und aufpassen müsst, dass ihr nicht zu viel Rückgeld rausgebt. Die Charaktermodelle sind dabei relativ einseitig gestaltet und auch nicht wirklich schön. Wenn jemand in den Bus reinkommt und aussieht wie 30, aber eine Schülerfahrkarte kaufen möchte, ist das schon etwas merkwürdig. Auch andere kleine Herausforderungen, wie klemmende Türen oder dumme Passagiere, die einfach mal in der Tür stehen bleiben, müssen überwunden werden.

bussim16_cockpit

Die Open World ist sehr gut gelungen. Die Stadt bietet verschiedene Viertel, die alle ihren eigenen Charme haben – von typischer Großstadt zu einzelnen Reihenhäusern und einem Stadtteil voller Einbahnstraßen. Dabei sind die Haltestellen jeweils fest vorgegeben und ihr könnt euch mit wenigen Klicks ein eigenes Liniensystem durch die ganze Stadt ziehen. Um auch alle Linien zu versorgen, müsst ihr mit eurem verdienten Geld neue Busse kaufen und sie für die Linien zuteilen. Außerdem müsst ihr Leute anstellen, die ihr dann ebenfalls den Linien zuteilen könnt. Die fahren dann parallel zu euren eigenen Fahrten die Linien ab und verdienen euch zusätzlich Geld. Falls ihr eine Linie vergessen habt, macht euch ein kleines Symbol schnell darauf aufmerksam.

Wieso ist hier alles so langsam?
Kommen wir zum Knackpunkt vieler Simulationen: die Technik. Eins vorweg: der Release-Zustand vom Bus Simulator 16 war absolut inakzeptabel. Trotz locker ausreichender Leistung meines PC-Systems traten so dermaßen heftige Bildratenprobleme auf, dass ich kaum über die 30-FPS-Schwelle rüberkam. Viel gruseliger ist aber, dass die In-Game-Zeit vom Bus Simulator 16 scheinbar an die FPS gekoppelt ist, wodurch plötzlich alles langsamer wurde. Ja, richtig gelesen, sogar die Sekunden auf dem Timer, der anzeigt, wann man an der nächsten Haltestelle ankommen muss, vergingen langsamer. Das ist wirklich einfach nur kurios. Mittlerweile hat sich die technische Lage durch einen Patch etwas entspannt, auch wenn vor den Entwicklern noch viel Arbeit steht. Zumindest werden in den Steam-Foren weiterhin Verbesserungen in Aussicht gestellt. Die Grafikpräsentation würde ich als mittelmäßig beschreiben. Die Stadt und die Busse sind ganz nett anzusehen, während die Menschen und die Animationen mein Frühstück wieder hochkommen lassen.

Fazit
Der Bus Simulator 16 hinterlässt mich zwiegespalten. Einerseits macht das Fahren wirklich Spaß und auch das Aufbauen des eigenen Busunternehmens hat seine Reize. Dabei kam bei mir schon das allseits bekannte "Nur noch eine Runde"-Gefühl auf. Andererseits ist die geringe Anzahl an Bussen wirklich madig und auch technisch ist alles eher schlecht als recht. Somit kann man sagen: der Bus Simulator 16 ist alles andere als perfekt, aber auch nicht vollkommen daneben. Ein perfektes B eben – B, für Bus Simulator. Hihi. Adrian

Bus Simulator 16 wurde auf dem PC (Windows 10 64-bit, Intel Core i7-4720HQ, 8 GB RAM, Nvidia GTX 960M) getestet. Ein Testmuster wurde uns von Astragon zur Verfügung gestellt.

Bus Simulator 16

(Ranking)
B
RANK
Anständig. Stärken und Schwächen halten sich die Waage. Positive Überraschungen sind genauso selten wie negative. Unterm Strich muss man seine Spielzeit keinesfalls bereuen.

Kommentare

blackmaniac
13. März 2016 um 11:53 Uhr (#1)
B wie Bus
Gast
17. November 2018 um 10:02 Uhr
GASTNAME
E-MAIL (nicht öffentlich)
      
SICHERHEITSFRAGE
Mit wie vielen "d" schreibt sich "dailydpad"?
ANTWORT

Themen

Review
Sparte - Wenn es nicht bei drei auf dem Baum ist, testen wir es.

Gefällt dir unser Artikel?

Spiele des Artikels

RELEASE
02. März 2016
PLATTFORM
Mac
Plattform
PC
Plattform - PC-Spiele haben mit die älteste Tradition. Heutzutage laufen die meisten Games unter dem Microsoft Windows.

Ähnliche Artikel