American Truck Simulator im Test

(Artikel)
Adrian Knapik, 28. Februar 2016

American Truck Simulator im Test

Ick habe Vorfahrt, my friend!

Als der Euro Truck Simulator 2 im Jahr 2012 das Licht der Welt erblickte, war es die Simulator-Überraschung des Jahres. Mit einem tollen Konzept, einer gut ausgearbeiteten Spielwelt, einer Menge originaler LKWs und einer aktiven Mod-Community mauserte sich der Truck Simulator zu einem der Top-Simulatoren der letzten Jahre. Mit dem American Truck Simulator will man nun an den Erfolg anknüpfen und verschiebt das Setting, wie der Name schon verrät, in das ferne Nordamerika.

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Alles beim Alten?
Das Amerika-Pendant unterscheidet sich nicht sehr von seinem Vorgänger – es sind schließlich beides Truck-Simulatoren. Aktuell kann man nur an der Westküste in den Staaten Kalifornien und Nevada Unheil stiften, Arizona soll in absehbarer Zeit als kostenloses DLC hinzukommen. Für ein großes Land, wie den USA, klingt das im ersten Moment nach recht wenig, allerdings muss man auch betrachten, dass das Grundspiel nur 20 Euro kostet. Es ist also anzunehmen, dass nach und nach weitere Staaten als DLCs nachgereicht werden, möglicherweise auch wie beim Euro Truck Simulator in Paketen, sodass man nicht jeden Staat einzeln kaufen muss. Aber schon die beiden enthaltenen Westküstenstaaten sind groß und abwechslungsreich. Während man in Kalifornien durch Metropolen wie San Francisco und Los Angeles fahren kann oder eine Spazierfahrt am Meer unternimmt, fährt man in Nevada durch staubtrockene Wüsten mit langen, nie endenden Landstraßen. Auch verschiedene Wahrzeichen, wie die Golden Gate Bridge oder der "Hollywood"-Schriftzug in LA wurden eingebaut, auch wenn bei Letzterem etwas gepfuscht und es kurzerhand durch "World of Trucks" ausgetauscht wurde.

Im Vergleich zum Euro Truck Simulator 2 sind die einzelnen Städte auch deutlich dichter und größer ausgefallen, sodass man nicht das Gefühl hat, dass die ganze Welt aus vielen kleinen Dörfern besteht. So gewinnt die Spieltwelt noch deutlich an Glaubwürdigkeit hinzu. Auch außerhalb der Städte findet sich mal eine einsame Fabrik mitten im Nichts, sodass man nicht immer von einer Metropole zur anderen fährt, sondern auch mal unbekanntere Ziele ansteuern muss. Gerade die endlosen Straßen in Nevada laden zur Herausforderung ein, denn mir ist es schon öfters passiert, dass mir unterwegs letztendlich der Sprit ausgegangen ist, weil es natürlich kaum Tankstellen dort gibt. Da hilft dann auch nur noch der Abschleppdienst, der einen zur nächstgelegenen Stadt in Richtung Ziel bringt und ein paar Tropfen Diesel in den Tank füllt, damit man zur nächsten Zapfsäule rollen kann.

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150 Liter auf 100 Kilometern? Kein Problem!
Bei den Trucks haben wir die Auswahl aus mehreren typisch amerikanischen Monstern, die beim Antippen des Gaspedals mehr Treibstoff verbrauchen als in einen gewöhnlichen Autotank passt. Dementsprechend fühlt es sich auch gewaltig an, wenn man hinterm Steuer eines solchen Monsters sitzt. Wenn man beschleunigt und der Motor sich anhört wie ein herannahender Tornado, ist das unglaublich befriedigend. Sobald ihr genug Geld habt, könnt ihr euren LKW sowohl mechanisch als auch optisch tunen. Mit individuellen Lackierungen und weiteren Tuningstunden am Motor könnt ihr so ein noch größeres Ungeheuer erschaffen, das alle konkurrierenden Trucker in Grund und Boden stampft.

Das Fahrgefühl der Zugpferde ist dabei stets stimmig und auch teils sehr herausfordernd. Während man ohne Anhänger oder mit leichter Fracht problemlos um Kurven kommt, gibt es auch sehr lange Anhänger und Gefahrgüter, mit denen man sehr vorsichtig umgehen muss. Jede auch noch so lange Kurve wird da zur Millimeterarbeit und verlangt viel Behutsamkeit und Geduld vom Spieler. Ebenso muss man darauf achten, dass man das maximale Gewicht der Zugmaschine nicht überschreitet, denn auf den Straßen von Amerika warten gerne die Ordnungshüter mit ihren speziellen Gewichtsmessstationen. Bei Übergewicht drohen Strafzahlungen, die eure Geldbörse leeren. Auch durch Geschwindigkeitsüberschreitungen oder anderen Verkehrsdelikten bekommt ihr Geldstrafen aufgebrummt. Gerade wenn eine Streife in der Nähe ist, müsst ihr besonders vorsichtig sein. Auch Blitzer verbergen sich an diversen Orten – und die sind oft dermaßen versteckt, dass ihr sie erst bemerkt, wenn der Staat schon die Finger in eurer Brieftasche hat.

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Auf dem Weg zur Selbstständigkeit
Für jeden abgeschlossenen Auftrag erhalten wir Geld und Erfahrungspunkte. Während wir am Anfang als Angestellter unseren Lohn verdienen und der LKW, den wir untern Arsch gesetzt bekommen, abhängig vom Auftrag ist, können wir uns, wenn wir genug Geld verdient haben, eigene Trucks kaufen und ebenso Mitarbeiter anstellen. Die Erfahrungspunkte fließen in unseren Fahrer-Level, der uns durch bei jedem Aufstieg einen Fähigkeitspunkt gewährt. Diese können wir dann in verschiedene Skills investieren, die uns für besondere Frachten wie Gefahrengüter mehr Vergütung gewähren oder unseren Spritverbrauch reduzieren. Auch um längere Fahrten angeboten zu bekommen, muss man erst mal Fähigkeitspunkte in den Fernfahrer-Skill stecken.

Optisch ist der American Truck Simulator sehr ansehnlich. Gerade die Trucks sind gut ausgearbeitet und bestechen mit absolut grandios detaillierten Cockpits, die so keine Konkurrenz kennen. Im Morgengrauen und bei Sonnenuntergang zeigen sich außerdem die gut gelungenen Lichteffekte, die gerade an Landmarken wie der Golden Gate Bridge besonders toll auffallen. Vom Sound her präsentiert sich der Truck Simulator eher unauffällig im guten Mittelfeld, abgesehen von den überzeugenden Motorensounds. Wer Lust hat, kann auf den oft langen Fahrten mithilfe des Ingame-Players eigene Musik von der Festplatte abspielen, Links für Radiostreams hinzufügen oder von den Entwicklern ausgewählte Radiosender hören. Mit feinsten American-Country-Sendern kommt da richtiges USA-Feeling auf.

Fazit
Der American Truck Simulator macht vieles richtig und hat keine bemerkenswerten Fehler. Technisch überzeugt die Simulation und auch das Fahrgefühl und die Spielwelt hinterlassen einen sehr guten Eindruck. Schade ist die aktuelle Limitierung auf die zwei Staaten Kalifornien und Nevada, für den Preis ist das aber in Ordnung. Solange hier zügig per DLC nachgeliefert wird, ist auch der lange Spielspaß gesichert. Durch eine tolle Mod-Community gibt es sogar schon den ersten Versuch eines Multiplayers, der noch einen deutlichen Mehrwert hinzufügt. Insgesamt gebe ich dem American Truck Simulator ein A – für America, yeah! Adrian

American Truck Simulator wurde auf dem PC (Windows 10 64-bit, Intel Core i5-4670, 16 GB RAM, Radeon R9 270X) getestet. Ein Testmuster wurde uns von SCS Software zur Verfügung gestellt.

American Truck Simulator

(Ranking)
A
RANK
Reife Leistung. A-Spiele machen alles richtig oder sind nah dran. Kleine Schwächen werden durch Stärken mehr als wett gemacht. Das ist Spieldesign auf hohem Niveau.

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08. Dezember 2019 um 10:16 Uhr
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02. Februar 2016
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Plattform - Am 23. September 2013 kündigte Valve das erste eigene Betriebssystem an: SteamOS ist als Kombination aus Linux und Steam völlig kostenlos und optimiert für das Gaming-Wohnzimmer.

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