Heavy Bullets

(Artikel)
Torsten Ingendoh, 29. Juli 2014

Heavy Bullets

Früher Zugang zur Langeweile

Es ist immer schön, wenn jemand eine etwas andere Idee für einen Shooter hat. Mal was Frisches, was Unverbrauchtes, was noch nie zuvor Gesehenes. Die Indie-Szene liefert gerne neue Ansätze für bekannte Konventionen. So auch Heavy Bullets, welches momentan auf Steam im Early Access zu finden ist. Ein Revolver, viele Gegner und ein zufallsgeneriertes Dungeon lauern dort auf den Spieler. Das Ganze noch in einen knallbunten Neon-Gewand. Was kann da schief gehen?

Die Story ist sehr einfach. In einem nicht näher definierten Gelände spielt das Sicherheitssystem verrückt. Um die Situation unter Kontrolle zu bringen, muss der Spieler sich durch acht zufallsgenerierte Level kämpfen, um den Mainframe zu deaktivieren. Als Hauptwaffe bekommt man einen Revolver. Der verschießt die titelgebenden schweren Kugeln, die man nach der Benutzung am Einschlagsort wieder einsammeln und erneut verwenden kann. Die Schüsse sollten also sitzen, da man nur mit sechs Kugeln anfängt. Wer sich aber genau umguckt, der wird hier und da Extramunition finden. Oder man nutzt das Geld, das man von getöteten Feinden erbeutet, und kauft sich einfach welche, sofern eine Munitionsstation in der Nähe platziert wurde. Das Spiel möchte bedacht und vorausschauend gespielt werden.


Ja, möchten tut es vieles, bieten tut es aber momentan eher wenig. Alles, was hier auch nur ansatzweise interessant klingt, wird von vielen Unstimmigkeiten überschattet. Das fängt schon beim Grafikstil an, der aussieht, als hätte sich ein N64 mit einer Diskokugel gepaart. Alles hat wenige Polygone und strotzt nur so vor grellen Farben oder silbrig glänzenden Oberflächen. Man kann bestimmt etwas aus diesem Look machen, Heavy Bullets tut es aber nicht. Jeglicher Witz ist nach ein paar Minuten verloren, weil alles dann doch irgendwie gleich aussieht. Leider ändert sich das kaum, wenn man ins nächste Level gelangt. Die Grundbausteine der zufallsgenerierten Welt wiederholen sich, nur ist hier und da mal ein Objekt platziert, das es vorher nicht gab.

Da fällt schon eher auf, wenn neue Gegner erscheinen. Aber auch hier stellt sich schnell Langeweile ein. Die KI ist rotzeblöde und kennt nur den Sturmangriff. Das macht es lächerlich einfach sie abzuschießen, da viele nur im Nahkampf angreifen können und somit genau in die Kugeln hineinlaufen. Bei den Geschütztürmen muss man etwas mehr aufpassen, da man ihren Schwachpunkt treffen muss, um sie zu zerstören. Absolut hassen gelernt habe ich die pinken Würmer. Nicht nur, dass die Viecher einen vergiften, was oftmals dazu führt, dass man fast alle Trefferpunkte auf kurz oder lang verliert, die Scheißteile spawnen zu allem Überfluss noch in pinkem Gestrüpp. Jetzt versucht mal bei dem Grafikstil zu erkennen, wo die pinken Würmer im pinken Gestrüpp sind. Die meisten Ableben habe ich ihnen zu verdanken, weil sie mich überrascht haben. Und wenn man tot ist, dann muss man wieder von vorne anfangen.

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Tiefgang will man hier unter anderem mit dem Geldsystem erreichen. Jeder Gegner hinterlässt Moneten, welche man an verschiedenen Itemstationen entweder für neue Kugeln, Items oder Heilung einsetzen kann. Da diese aber nicht nur zufällig in die Welt gesetzt werden, sondern auch noch zufällig bestückt werden, kann man mit nichts rechnen. Nett ist die Idee mit den Bankautomaten, an denen man gesammeltes Geld einzahlen abheben kann. So kann man eventuelle Reichtümer über den Tod hinaus für den nächsten Versuch retten. Aber auch hier stört der Zufallsaspekt sehr. Eine Strategie, um durch das Spiel zu kommen, wäre erst mal ganz viel Geld zu sammeln, um sich dann am Anfang voll auszurüsten. Dazu müssten die Gerätschaften aber spawnen. Wenn man Pech hat, findet man zwar sofort einen Bankautomaten, stirbt aber auf der Suche nach den anderen Automaten. Oder man findet die Item und Waffenautomaten, kann aber nirgends Geld abheben.

Viel zu viel hängt hier vom Zufall ab. Selbst die Länge der Level ist zufällig. Immer wieder werden die Räume durch Türen abgetrennt. Zum nächsten Level gelangt man über Luken im Boden. Diese Luke kann bereits hinter drei Türen sein, manchmal müssen auch erst zehn Türen durchquert werden. Und dann wären da noch die verschlossenen Türen. Hinter denen findet man oft sehr nützliche Items, aber es fällt pro Tür nicht immer ein Schlüssel. Meistens gar keiner. Oder es fällt einer fünf Türen weiter und dann gibt es keine verschlossene Türe mehr. Diese übertriebene Zufallslust steht dem Spiel viel zu oft im Weg. Klar ist hier kein Durchlauf wie der andere, aber mal kriegt man tolle Items direkt am Anfang geschenkt, mal überhaupt nichts. Es fehlt an Struktur. Dazu noch die mangelnde Abwechslung und man kann sich im jetzigen Spielzustand eigentlich nicht weiter von einer Kaufempfehlung entfernen. Als Schulprojekt könnte man Heavy Bullets noch durchgehen lassen, für den Preis von rund 10€ wird allerdings derzeit viel zu wenig geboten. Aber wer weiß, vielleicht ändert sich das im Laufe der Entwicklung.

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19. Oktober 2019 um 04:17 Uhr
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2014
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PC
Plattform - PC-Spiele haben mit die älteste Tradition. Heutzutage laufen die meisten Games unter dem Microsoft Windows.

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