Evoland

(Artikel)
Marcin Pal, 31. Mai 2013

Evoland

Vom Pixelhaufen bis zum Renderchara

Es war ein eigentlich ganz normaler Dienstag - bis mich meine Freundin vor den Rechner setzte. "Da. Guck. Evoland. Was für dich. Spiel!" Und ich tat, wie mir geheißen.

Ich war mir erst unsicher, was sich hinter diesem Namen verbergen mochte und was für eine Welt sich mir darbieten würde. Schon der Trailer war verwirrend: Im einen Moment sah ich ein Bild aus liebevoll zusammengewürfelten, grauen Pixeln, die sich wie schon zu Game-Boy-Zeiten mit ein wenig Zeit erfolgreich als die angedeuteten Objekte identifizieren ließen. Im nächsten Moment hatten die Pixel an Farbe gewonnen! Kurz darauf blickte ich auf eine elaborierte, wenn auch etwas einfache 3D-Welt, gefolgt von einem 2D-Kampfsystem, das mich stark an den RPG-Maker erinnerte. Ein weiterer Szenenwechsel und mir schoss nur Eins durch den Kopf: Final Fantasy VII? Ich war verwirrt. War das EIN Spiel? Ja, natürlich: Evoland. Ein Spiel, das die Grafikentwicklung der letzten Jahrzehnte gekonnt in drei bis vier Stunden Spielzeit zusammenfasst und das RPG-Gamerherz mit unzähligen nostalgischen Momenten unter Dauerbeschuss nimmt. Und ich rate allen RPG- und Action-Adventure-Fans mit Retro-Durst, augenblicklich dieses Spiel zu spielen und sich nicht noch mehr verraten zu lassen. Es lohnt sich auf jeden Fall!

Evoland 2013-05-28 16-46-57-61 Erst nach Durchspielen des Games war mir klar: das ist ein Zelda-Titelbildschirm!

Bereits der Titelbildschirm hatte mich mit seinem Charme in eine längst vergangene Zeit zurückgebracht. Ich brauchte lange, um herauszufinden in welche: die gute, alte 2D-Zelda-Zeit! Kaum startete ich das Spiel, erwartete mich bereits eine wunderschöne Low-Level-Grafik: der Held, plaziert in einem farblosen, pixeligen horizontalen Balken - und Gehen kann er nur nach rechts. Bis jetzt! Denn in Evoland gilt es mittels des Auffindens von Kisten eure Ingame-Grafik voranzutreiben und gelegentlich auch mal Spielsteuerungselemente freizuschalten.

Der Weg nach rechts führt euch zu einer Kiste. Öffnet ihr diese, so ist es eurem Helden erlaubt horizontale Bewegungen JEDER Art zu vollführen, also nach rechts UND links! Dies wird fröhlich durch eine Messagebox am unteren Bildschirmrand zelebriert, die euch das ganze Spiel über begleiten wird. Tatsächlich fühlte ich mich schon ziemlich mächtig, nun in zwei Richtungen gehen zu können! Unglaublich! Doch dabei bleibt es nicht. Bereits die nächste Kiste sorgt dafür, dass die Balkenansicht verschwindet und ihr jede beliebige Richtung einschlagen könnt - allerdings (noch) nicht diagonal.

Evoland 2013-05-28 16-47-27-79Held mit zwei Kisten links und rechts von ihm. Zu Beginn des Spiels kann der Held sich nur nach rechts bewegen. Ein hartes Schicksal!

So lootet ihr euch ein bisschen weiter durch die RPG-Geschichte, bis zu eurem ersten Schwert! Damit konnte man rechnen, aber etwas später erhaltet ihr unerwarteter Weise... die Story des Spiels! Jaja, die Story fällt bei Evoland nicht einfach so vom Himmel! Man erinnere sich an die Zelda-Handheld-Zeiten. Das Erste, was man tat, bevor irgendetwas passierte, war: ein Schwert zu finden! Und die Story, die darauf folgte, war recht selbsterklärend und einfach gehalten. Einige würden es vielleicht noch nicht einmal Story nennen.

Evoland wird nach dem Auffinden eurer Story reichlich Leben eingehaucht. Während ihr weiter in euren Grafik- und Steuerungsfeautures voranschreitet, trefft ihr irgendwann auf eure auserkorene Mitstreiterin: Kaeris! Wem der Name irgendwie vertraut vorkommen mag, der wird spätestens beim Erhalt des 3D-Kampfsystems wissen, wem dieser Charakter nachempfunden wurde. Ebenso erfahren wir endlich den Namen unseres blonden, ganz in Grün gekleideten Charakters: Clink! Nach dem Erhalt von "Clauds Schwert" machen wir uns schließlich auf den Weg, um Kaeris' Dorf zu helfen, denn das umliegende Land ist verdorben. Grund dafür ist der abgestorbene Mana-Baum. Wer oder was den wohl zu verantworten hat?

Evoland 2013-05-28 18-01-51-92Auch in Evoland hüpfen Charaktere nach Kampfende sinnfrei umher, um gute Laune zu verbreiten.

Auch die Musik und das Kampfsystem entwickeln sich im Verlauf des Spiels enorm. Habt ihr anfangs durch unmittelbaren Druck auf die Aktionstaste einem Monster tonlos einen Schwerthieb verpasst, so findet ihr euch später in einem musikalisch untermalten ATB-Kampfsystem wieder. Das Spiel wechselt geschickt zwischen verschiedenen Kampfmodi hin und her, immer der aktuellen Grafik entsprechend. Zum Glück ist die Musik während der ATB-Kämpfe wirklich gelungen, denn diese sind für mich nun mal das, was sie genre-typisch sind: lästig. Vor allem wenn sie einen entweder jeden dritten oder vierten Schritt wie eine Krankheit befallen. Da kann einem schon mal der Kragen platzen! Wer jedoch lange genug durchhält, den belohnt das Spiel immer mal wieder mit sehr gelungenen Phasen. Zum Beispiel das Beschreiten eines Dungeons im Diablo-Stil. Dieses Dungeon ist nicht zuletzt durch die wirklich extrem nützlichen Gegenstände, die man finden kann, und wegen seines genialen Endboss' zu meinem Lieblingsareal geworden.

Natürlich bedient Evoland auch das genre-typische Sammel-Dinge-Prinzip. Entweder sucht ihr nach eher weniger spannenden 30 Sternen, oder aber nach den total abgefahrenen Spielkarten, mit denen ihr das spielinterne Kartenspiel bestreiten könnt. Ich persönlich fand schon immer, dass das Final-Fantasy-VIII-Kartenspiel eines der gelungensten Minispiele überhaupt ist (mit einem unheimlich hohen Suchtfaktor). Und eben diesem ist der Evoland-Ableger nachempfunden, wenn auch ohne Kombos, Elemente oder weitere geniale Einfälle. In bis zu vier Schwierigkeitsstufen kann man sich mit seinem einzigen Gegner messen!

Evoland 2013-05-28 18-13-54-36Das kenn ich doch?

Evoland führt euch nach allen Regeln der Kunst durch die hellsten und auch dunkelsten Momente der RPG- und Action-Adventure-Welt, vom ersten Graupixel bis hin zur wirklich schön gerenderten Grafik, wie ich sie für ein solch kurzes Spiel gar nicht erwartet hatte - und ist dabei sogar anspruchsvoll. Wer sich in allen Kämpfen gleich beim ersten Versuch behaupten kann: Hut ab! Ich hatte vor allem in den nicht-ATB-Kampfsystemen einen erhöhten Adrenalinspiegel! Auch die Rätsel des Spiels sind sehr angenehm und reichen von sehr einfach bis komplex. Vor allem die Rätsel, für deren Lösung zwischen den Grafikzeitaltern gewechselt werden muss, bringen den alten Tüftlersinn wieder in Fahrt. Alles in allem ein wirklich sehr schönes Spiel. Nichts Überragendes, aber eine wirklich schöne Zusammenfassung der letzten Jahre. ff-freak

Evoland

(Ranking)
A
RANK
Reife Leistung. A-Spiele machen alles richtig oder sind nah dran. Kleine Schwächen werden durch Stärken mehr als wett gemacht. Das ist Spieldesign auf hohem Niveau.

Kommentare

Rallenbird
10. Juni 2013 um 21:10 Uhr (#1)
Muss deinem Beitrag leider stark widersprechen.
Das einzig gute an dem Spiel ist die Grafik und die ersten paar Spielminuten. Danach mutiert Evoland jedoch immer mehr zu einer traurigen Parodie seiner selbst, die auf gar keinen Fall 10€ wert ist. So sind beide Kampfsysteme nicht sehr ausgereift, sondern auf Dauer eher frustrierend, und das, was eigentlich parodiert werden sollte, wird im Laufe des Spiels immer mehr zur Qual. Solche Knaller wie "Zephyros" nahmen mir dann gegen Ende noch jeglichen Spaß am Spiel.
Gast
16. September 2019 um 02:40 Uhr
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Sparte - Sieht alt aus, ist es aber nicht! Wer tatsächlich alte Sachen sucht, denkt an Nostalgie.
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Spiele des Artikels

RELEASE
04. April 2013
PLATTFORM
Mac
Plattform
PC
Plattform - PC-Spiele haben mit die älteste Tradition. Heutzutage laufen die meisten Games unter dem Microsoft Windows.

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