Link's Awakening

(Artikel)
Benjamin Strobel, 23. März 2017

Link's Awakening

Alles nur ein Traum?

Es gibt nicht viele Erzählungen, die mit der Prämisse beginnen, dass alles nur ein Traum ist. Es gibt durchaus einige, die damit enden: großes Drama, schlimme Dinge, aber - oh! - alles nur ein Traum. Oft wirkt so ein Ende künstlich, manchmal verwirrend und für den Rezipienten zumeist unbefriedigend. Er fühlt sich hintergangen und aufs Billigste hereingelegt. Bei The Legend of Zelda: Link's Awakening ist es anders herum: die als Traum verkaufte Welt empfindet der Spieler als reales Fantasy-Reich.

Dieser Beitrag wurde erstmals am 25.2.2013 veröffentlicht.

In diesem Sinne willkommen zurück zur Zelda-Restrospektive! Wer das liest, ist offenbar wach und träumt höchstens von früheren Abenteuern auf dem Game Boy. Link's Awakening erschien 1993 für Nintendos legendären Handheld und ist der vierte Teile in der Zelda-Reihe. Bereits einige Jahre zuvor begann Nintendos Programmierer Kazuaki Morita ein inoffizielles Zelda-Projekt und experimentierte mit Game Boy Development Kits herum, um die Möglichkeiten des System abzustecken. Andere Mitarbeiter kamen nach der Arbeit noch zu ihm, um an dem Spiel mitzuwirken - als wäre es das Nachmittagsprogramm in der Schule. Schließlich beantragte Takashi Tezuka, Director von A Link to the Past, ein offizielles Zelda-Projekt für den Game Boy. Ursprünglich war das Spiel als Portierung von A Link to the Past geplant, entwickelte sich dann aber völlig anders. Schließlich beschloss das Team, den Teil als Spin-Off zu gestalten und daher auf viele bekannte Elemente wie das Triforce und Prinzessin Zelda zu verzichten. Man entschied sich dafür, nicht nur eine ferne Insel, sondern auch einen Traum als Setting zu wählen. So hatte man alle Freiheiten, musste aber nicht die Kontinuität der Serie schänden.

Tatsächlich ist das Gameplay sehr stark an das von A Link to the Past angelehnt, von Paralleluniversen mal abgesehen. Erkundung, Entdeckung und etappenweises Vorankommen des Spielers spannen erneut das Grundgerüst. Bis zur Erscheinung des Titels hatten Kritiker ein derart komplexes Spiel auf dem Game Boy nicht für möglich gehalten. Zwar büßte der Titel im Vergleich zum Vorgänger die bunten Farben und einen gewissen Detailgrad ein, doch das Spielprinzip wurde völlig aufrecht erhalten. Wie im ersten Zelda-Spiel ist die Welt streng in Kästchen eingeteilt, die je exakt einen Bildschirm füllen. Betritt man den Rand eines Bildschirms, so klappt der nächste Bereich auf. Auch dies mag ein technisches Limit aufzeigen, mindert aber keinesfalls den Spielspaß.

Tezuku wollte aber mehr. Mit dem Story-Writer Yoshiaki Koizumi entwickelte er Hintergrundgeschichte und Rahmenhandlung für das Spiel. Inspiriert durch die Mystery-Serie Twin Peaks wurde für den Spielstart ein Dorf mit seltsamen Bewohnern entworfen, die das Story-Board als "the suspicious type" beschreibt. Auch in späteren Zelda-Spielen wurden die merkwürdigen Dorfbewohner häufig übernommen. Für Link's Awakening stellen sie auch die Verankerung im Unwirklichen dar und erinnern durch ihr surreales Wesen immer wieder an die Traumartigkeit der ungewöhnlichen Welt. Zuletzt wird die Entfernung zur Realität noch dadurch verstärkt, dass die Traumwelt eine abgelegene Insel ist, die nicht nur ihrer Art als Traum, sondern auch in ihrer scheinbaren, physisch-greifbaren Erscheinung exotisch und fremd wirkt. Sowohl für die Zelda-Reihe als auch für ein Game-Boy-Spiel der frühen 90er bietet Link's Awakening eine hohe erzählerische Tiefe. Auch Eiji Aonuma, Produzent der Reihe, beschreibt Link's Awakening als "erstes Zelda mit ordentlicher Handlung".

Sowohl die technische Realisierung als auch die elaborierte Erzählung machen Link's Awakening zu einem Meilenstein der Geschichte des mobilen Spielens. Mit etwa zehn Stunden Batterie-Betrieb brachte der Game Boy gerade die richtige Kapazität für Spiele dieser Größenordnung mit. Dass man große Videospielabenteuer aber nicht nur zu Hause, sondern auch unterwegs erleben kann (und will!), wurde erst durch dieses Spiel unter Beweis gestellt. Der heutige Wert steht dem historischen aber in nichts nach. Wie sein Vorgänger bietet auch Link's Awakening auch heute noch zahlreiche Spielstunden, die sich sehen lassen können. Dank Re-Release auf dem Game Boy Color und für die Virtual Console muss sich auch niemand mehr Augenkrebs vom 4-Farben-Oldschool-Game-Boy einfangen. Ein solcher Port lohnt sich heute noch immer! Nex

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20. August 2017 um 21:07 Uhr
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Spiele des Artikels

RELEASE
18. November 1993
PLATTFORM
Game Boy
Plattform
RELEASE
01. Januar 1999
PLATTFORM
Game Boy Color
Plattform
Nintendo 3DS
Plattform

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