Geralt schnetzelt wieder!

(Artikel)
Rian Voß, 30. August 2010

Geralt schnetzelt wieder!

The Witcher 2: Assassins of Kings

Ich mag CD Projekt RED, ganz ehrlich. Als ich dem polnischen Entwickler wegen Messe-Terminen angeschrieben habe, kam folgende Antwort:

"See The Witcher fan here :)) Glad to hear that - this means yuo gotta good
sense of taste and look for ambitoius games not a mass crap :) [...]"


Als ich dann bei CDPRED leicht verspätet aufschlug, bekam ich erst mal megafettes Loot: The Witcher 2 - Papercraft of Kings in Oldschool-Pappschachtel nebst drei Papercrafts, einem Notizblock, einer Kurzgeschichte und noch ein bisschen Krimskrams.


Im Notizblock waren sogar, wie ich erst nach der Präsentation von The Witcher 2 - Assassin of Kings feststellte, alle meine Notizen schon drin. Wie kamen die denn da hinein? Gibt es einen polnischen Copperfield?


Aber genug vom Bonus. The Witcher 2 wird jetzt ohnehin schon von mir später ein gutes Review bekommen, ich muss das Fazit nun nur noch gut begründen. Erste Frage aus dem Publikum: Bedeutet der Untertitel des Spiels, dass Geralt von Königreich zu Königreich läuft und einen Herrscher nach dem anderen absticht? Antwort: Nein. Los geht's!
Wie schon beim ersten Hexer wird wieder ein maßloser Fokus auf das Storytelling gelegt: Die Gesamtlänge von Cutscenes wurde fast verdreifacht, es kommen ein paar tausend Zeilen Dialog dazu, es gibt 16 Enden und sogar drei verschiedene Starts - außerdem kann man sein Savegame aus dem Vorgänger importieren. Und natürlich gibt's weder gut noch böse, sondern einfach nur Konsequenzen.


Da beginnen wir auch schon mal ein Beispielquest: Geralt ist in einem Kerker eingeschlossen, weil er mal wieder irgendeinem Lehnsherren auf den Schlips getreten ist. Bleiben wollen wir in dieser Situation natürlich nicht, also geht's ans Selbstbefreien. Wie wir das machen liegt bereits hier schon beim Spieler: Wachen provozieren (das Dialogsystem ist jetzt direkt im Bild und sexy) und so schon mal einen Gegner ausschalten, sobald Geralt die Ketten sprengt, oder gleich beide wegboxen. Wo wir schon beim Verprügeln sind: Das Faustkampfsystem ist herrlich cineastisch verbessert worden, ich war mir wirklich nicht sehr sicher, ob das nur ein abgekartetes Spiel war oder ob da tatsächlich jemand Tastenkommandos an Geralt schickte - auf jeden Fall sind die Animationen äußerst flüssig und aufeinander abgestimmt und ich sah keine Bewegung zweimal.
Um nun weiter zu kommen kann man sich durch das Verlies schleichen (mit integriertem Stealth-System) oder einfach das Schwert ziehen und von A nach B metzeln. Manche Leute im Spiel würden es wahrscheinlich bevorzugen, wenn man ihre Untergebenen beim Ausbruch heile lässt, aber vielleicht wollen wir ihnen den Gefallen ja gar nicht tun? Um effizient zu sneaken wurde die bekannte Cat-Potion, die vorher einfach nur Nachtsicht ermöglicht hat, in der Formel verbessert und verleiht nun eine Art Röntgenblick durch Wände (und Frauenkleidung?) hindurch.


Auf unserem Weg durch das Gemäuer treffen wir auf einen jungen Mann, der ein klein wenig gefoltert wird - dieses Meeting ist die Konsequenz einer Entscheidung, denn Geralt hätte den Kerl auch vorher im Spiel schon erschlagen können. Wollen wir mal weiterhin den Netten spielen und den Inquisitor schlachten, am besten mit dem neuen Kampfsystem, das aber essentiell Freunde des alten KS befriedigen dürfte, es gibt schließlich immer noch zwei verschiedene Schwerter und zwei Stile - der Massenstil wurde rausgekürzt, aber den brauchte eh keiner.
Haben wir den Jungen erst einmal befreit, gibt er uns preis, dass seine Mutter hier auch gefangen gehalten wird, die eine Adlige ist und eigentlich nicht sonderlich gut auf Geralt zu sprechen. Wir verstehen das. Ein paar Räume weiter finden wir die barbusige Dame, der man ihr Alter an keiner Stelle ansieht ("meine" Notizen sagen Folgendes: "Better art direction: - More Polygons -> Rounded shapes -> women"), befreit auch diese und so wird der ganze Plot schon auf den Kopf gestellt. Erinnerung: 16 Enden.


Kommt man erst einmal nach draußen, sieht man erst recht das schöne Gesicht der neuen TSOOD-Engine: Ein Hafen im schillernden Abend(Morgen?)licht mit prächtigem Glitzer, vollen Farben und einer Menge Details. Huh? Was? Wie? Farben? Glitzer? OH GOTT, WAS HABEN SIE NUR MIT DEM DRECKIGEN, WUNDERSCHÖNEN SETTING GEMACHT?! Keine Sorge: The Witcher 2 wird weiterhin Dark Fantasy sein, aber man möchte ja auch mit der tollen Engine ab und zu angeben, wenn man sie schon hat, und selbst in einer zynischen Welt scheint auch mal die Sonne. Die TSOOD-Engine wurde übrigens extra für das Verwirklichen von nicht-linearen Rollenspielen verwirklicht - die Präsentatoren haben eine Grafik gezeigt, in der versimpelt alle Plot-Wege über verbundene Ereignisse eingetragen sind, und ich wusste da schon: Du wirst nie alles von diesem Spiel sehen. Nie, nie, nie, nie, niemals. Niemals.

Wir machen einen kleinen Sprung: Eine weitere und letzte vorgestellte Neuerung sind epische Schlachten. Geralt und sein Zopf befinden sich auf einem riesigen Kampffeld, wo natürlich eine Seite gegen die andere battlet und Geralt munter mitmischen kann, allerdings ist sein Hauptziel ein Dämonen... ding. Es hat einen abgerissenen, feuerspeienden Mast als Kopf. Ja, ich weiß auch nicht. Ist die Zwischensequenz erst einmal getriggert, kommt die riesige Rüstung auf den pupsigen Geralt zugelaufen - von seinem Feind sieht man auf dem Bildschirm höchstens die Knie.
Hat der Hexer es dann doch mal geschafft, dem Vieh Schaden zuzufügen, verwandelt es sich wutentfacht in einen Tornado aus Monstern, Menschen, Kampfmaschinerie und Kühen und reißt alles auseinander, was ihm im Weg steht - da hilft natürlich nur fliehen. Geralt schafft das auch gerade so noch und die Demo endet.

The Witcher 2 sieht gut aus, richtig, richtig gut. Es ist wie The Witcher, nur eben mit allem verbessert und das sage ich nicht nur, weil ich bestochen wurde (ich sage es auch weil ich bestochen wurde). Sofern nicht noch urplötzlich eine Fortsetzung zu Planescape: Torment angekündigt wird oder Mass Effect 3 herauskommt, gibt es somit eigentlich nur ein RPG, das 2011 zu interessieren hat. Rian

Kommentare

Rian
30. August 2010 um 00:48 Uhr (#1)
Ich möchte noch anmerken, dass die Kurzgeschichte "Der Hexer", die dem Loot beilag und einen Teil der Buchserie von Andrzej Sapkowski darstellt, die vor den Geschehnissen von The Witcher spielt, durchaus amüsant zu lesen ist und vom DPad empfohlen wird.
Ben
30. August 2010 um 13:37 Uhr (#2)
Ich war von der Präsentation ebenfalls beeindruckt. Stealth freut mich sehr, davon werde ich Gebrauch machen.

BTW: Ich vermisse eine Rekonstruktion der Plotverlaufsgrafik!
Damien
31. August 2010 um 21:04 Uhr (#3)
War da nicht auch mal eine Konsolenfassung des ersten Teils geplant?
Der erste Teil konnte mich leider nicht so überzeugen, obwohl sie damals auch sehr viel versprochen haben. Vielleicht wirds diesmal ja anders. Bei so Sachen wie ultra-nonlinear-storytelling bin ich nach Dragon Age und Heavy Rain aber erst mal grundsätzlich skeptisch.
Ben
31. August 2010 um 21:14 Uhr (#4)
Solange es ein gutes Storytelling ist, das nicht durch verschiedene Wege beinträchtigt (also irgendwie langweiliger oder schleppender) wird, finde ich nonlineare Rollenspiele durchaus interessant. Aber in dieser Hinsicht hat mir der erste Witcher ja auch schon gefallen. Ich freue mich bei Teil zwei ganz besonders auf die Gameplay-Verbesserung (Stealth, Combat) und die endlos guten Dialoge, die maßgablich dadurch so gut sind, weil Geralt ein interessanter Charakter ist. Und weil ich seine englische Stimme mag. Ich fidne es auch angenehm, sich in der Story, so wie man sie eben erlebt, zu verlieren. Man amcht sich, denke ich, auch etwas damit kaputt, wenn man ständig fragt: Wäre die andere Entscheidung besser? Würde mir ein anderer Weg mehr zusagen? Dafür gibt es den Second Playthrough!
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