Angespielt: CARRION

(Artikel)
Merle B., 24. August 2019

Angespielt: CARRION

Guck mal, Mama, wie groß ich geworden bin!

Es ist kein Geheimnis, dass ein ikonisch designtes Monster sämtlichen Held_innen die Show stehlen kann. Bei CARRION kann dies jedoch nicht passieren, denn hier ist das Monster die Hauptfigur. In dem als "Reverse Horror Game" vermarkteten Spiel steuern wir eine namen- und formlose Tentakelkreatur, die nach langer Gefangenschaft in einem Untergrundlabor ausbricht und blutige Rache nimmt.

Carrion - Screen 4

Vom Spielprinzip her gestaltet sich das Ganze als pixeliges 2D-Action-Adventure. Wir schleichen durch Laborgänge, infiltrieren die Umgebung mit immer mehr Tentakelnestern und machen vor allem kurzen Prozess mit jeglichen Menschen, die uns unter die Fittiche kommen. Nebenbei müssen wir ein paar einfache Schalterrätsel lösen, um uns unseren Weg durch Türen und Belüftungsschächte zu bahnen – Richtung Freiheit! Und Richtung Menschenfleisch...

Zunächst sei gesagt, dass es ein absolutes Fest ist, in die blutrote Haut des Monsters zu schlüpfen. Das Spiel lebt von der extrem fluiden und geschmeidigen Bewegung der Kreatur durch ihre Umgebung. Als dynamische Tentakelmasse hangeln wir uns ebenso flink wie tödlich durch die Laborgänge und verwandeln alles, was wir sehen, mühelos in blutiges Chaos. Das Mitverfolgen der flüssigen, fast schon grazilen Bewegungen des Ungetüms machte schon im Trailer Spaß – diese Bewegungen selbst zu steuern war ein Power-Trip sondergleichen. Das Schreien der (wissenschaftsethisch bestimmt sehr verachtenswerten) Wissenschaftler, sobald ich aus der Wand platzte, ließ mich jedes Mal grimmig lächeln – und man hat einfach nicht richtig gelebt, bis man einen Wachmann durch den Raum geschwenkt hat wie ein jähzorniges Baby eine Rassel, um einen zweiten Wachmann mit selbigem zu verprügeln. Die besten Elemente von CARRION geben einem ein Gefühl von Macht und tödlicher Eleganz, von dem selbst AAA-Games oft nur träumen können.

Carrion - Screen 6

Das Leveldesign um diese so eindrucksvollen Bewegungen herum erweist sich im Vergleich jedoch leider als etwas unterwältigend. Die Schalterrätsel sind besonders zu Anfang des Spiels nicht gerade umwerfend vielfältig gestaltet – wir öffnen Türen, um Schalter umzulegen, um wieder neue Türen zu öffnen... Zu einem deutlich späteren Zeitpunkt erhaschte ich einen Blick auf dynamische Laserfallen, doch der Weg dahin fühlte sich mit der Zeit ein wenig repetitiv an. Zwischendurch erarbeitete ich mir zwar neue Fähigkeiten und wurde mit zunehmendem Menschenfleischkonsum vor allem größer und größer (was sich toll anfühlte), doch mit der eher routinierten Progression durch die Level büßte das erst so ekstatische Monsterleben dann doch einiges an Glamour ein.

Da CARRION erst 2020 erscheint (zunächst nur für den PC) und seine finale Form noch lange nicht erreicht hat, bleibt abzuwarten, ob das Spiel am Ende den nötigen Biss haben wird oder ein monströses One Trick Pony bleibt. Doch egal wie es wird, wünsche ich jetzt schon jedem, einmal für fünf Minuten in die Rolle der gefräßigen Tentakelkreatur zu schlüpfen und das dynamische Todeswunder für sich zu erleben. Es ist einfach Selfcare.

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13. November 2019 um 11:46 Uhr
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