Angespielt: Shadow Tactics

(Artikel)
Haris Odobaši?, 21. August 2016

Angespielt: Shadow Tactics

Im Dienste des Shogun

Es war das Jahr 2006, als die Echtzeit-Taktik starb. Bekannt für Ihren spielerischen Anspruch, musstet ihr in Spielen dieses Genres eine Truppe von Charakteren mit speziellen Fähigkeiten aus der Draufsicht steuern, um Missionen zu erfüllen. Meistens in Situationen, wo ihr komplett in der Unterzahl seid und ein offenes Gefecht der schnellste Weg zum Game Over ist. In Commandos beispielsweise, dem bekanntesten Vertreter der Reihe, nehmt ihr die Rolle von Soldaten ein, die im zweiten Weltkrieg hinter feindlichen Linien agieren.

Andere wichtige Vertreter waren Desperados, mit spannendem Western-Setting, und Robin Hood: Die Legende von Sherwood. Ausgerechnet Commandos war es aber auch, welches 2006 mit Commandos: Strike Force versuchte, auf der Call-of-Duty-Welle zu reiten. Das Spiel war ein Ego-Shooter, bei dem die Echtzeit-Taktik-Elemente homöopathisch dosiert waren. Fans und Kritiker zerrissen den Titel regelrecht und außer ein paar damals schon in Entwicklung befindlichen Titeln, wie Desperados 2, folgte nicht mehr viel. Das Genre war faktisch tot.

Doch jetzt, im Jahr 2016, dürfen Fans des anspruchsvollen Taktierens aus der Von-Oben-Perspektive den Winterschlaf endlich beenden. Denn Shadow Tactics: Blades of the Shogun, will die Echtzeit-Taktik wiederbeleben.

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Wir bekamen auf der diesjährigen Gamescom das Spiel von Dominik Abé, dem Game Director, präsentiert und konnten ihn im Anschluss auch interviewen. Denn wenn man sich das letzte Spiel von Mimimi Productions anschaut, das großartige The Last Tinker, wird klar, dass das hier schon ein ziemlicher Sprung ist.

Wie Dominik aber verriet, ist handelte es sich für ihn um eine absolute Herzensangelegenheit. Denn er selbst ist großer Fans der klassischen Echtzeit-Taktik. Einem Kollegen bei Mimimi Productions hingegen haben es Ninjas angetan. Und als die beiden die Köpfe zusammensteckten, war schnell klar, dass Echtzeit-Taktik und Ninjas perfekt zusammenpassen. Mit Daedalic Entertainment konnte man dann auch einen starken Publishing-Partner gewinnen und prompt war Shadow Tactics geboren.

Markenzeichen des Genres lassen sich dabei schon in den ersten Momenten erkennen. Man hat mehrere Charaktere zur Auswahl, die sich durch grundverschiedene Fertigkeiten auszeichnen und zwischen denen man fliegend wechseln kann. Hayato, der Ninja, hat zum Beispiel einen Shuriken dabei, um Feinde aus der Distanz erledigen zu können. Shinobi Aiko hingegen nutzt die Macht der Verkleidung, und kommt als Geisha oder Tempeldienerin an den Gegnern unbemerkt vorbei.

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Es gilt also je nach Situation die richtige Figur zu wählen, wobei das Spiel so gestaltet ist, dass man viele Möglichkeiten hat, sein Ziel schlussendlich zu erreichen. Um ein Gefühl zu bekommen, gab es auch in den Publikumshallen einen Stand, an dem man selbst Hand in einer speziell für die Gamescom programmierten Mission anlegen konnte. Auch wenn diese nur eine kurze Angelegenheit war, knapp zehn Minuten Spielzeit, war schon die große Menge an Möglichkeiten offensichtlich.

In der Gamescom-Mission ging es darum, eine Zielperson auszuschalten, die in einem kleinen Camp rastete. Ob man nun jeden verdammten Feind auf der Karte auf dem Weg dahin ausschaltet oder den kleinen Rastplatz schnell und heimlich infiltriert, um den Tee den der Zielperson heimtückisch zu vergiften - zwischen diesen zwei Extremen gibt es viele Abstufungen, die man gerne erforschen kann.

Das Kurzfazit ist, dass alles, was man von so einem Spiel erwarten würde an Features, auch in Shadow Tactics geboten wird. Selbst eine Möglichkeit, Aktionen einzuprogrammieren, um sie dann auf Knopfdruck auszulösen, wenn man mehrere Charaktere koordinieren will, findet sich hier wieder. Praktisch, wenn sich Feinde gegenseitig decken und man sie entsprechend zeitgleich ausschalten muss.


Wodurch sich Shadow Tactics aber von den alten Genrevertretern abheben will, ist der stärkere Storyfokus. Es soll mehr sein als nur stumpfes Missionenabhaken, insbesondere auf die Hintergrundgeschichte der Figuren soll viel wert gelegt werden. Shadow Tactics spielt im 17. Jahrhundert nach der Vereinigung Japans, und das Setting verspricht viel Potenzial für Turbulenzen. Nicht alle Kräfte im Land sind von der Zentralherrschaft überzeugt.

Eine kleine Überraschung ist zudem die Controller-Steuerung - und wie gut sie funktioniert. Das hier ist immerhin Strategie, das gehört eigentlich mit Maus und Tastatur gespielt! Und doch: Nach einem kurzen Hands-on war auch für mich klar, dass der Controller mindestens ebenbürtig ist, und das ohne auch nur einen einzigen Funken an Komplexität einzubüßen. Selbst ein komfortabler Quick Save/Quick Load schafft es auf die Tasten, ohne dass die Steuerung überladen wirkt.

Der Release von Shadow Tactics: Blades of the Shogun ist für Herbst diesen Jahres angesetzt und das Spiel erscheint, neben dem PC, auch für Xbox One sowie Playstation 4. Ich kann es kaum noch abwarten zu sehen, ob das Genre nach einem guten Jahrzehnt wieder einen würdigen Vertreter kriegen wird. Die ersten Eindrücke deuten aber sehr stark darauf hin. Und vielleicht kann Mimimi Productions nicht nur Veteranen erfreuen, sondern mit der komfortablen Controller-Steuerung sogar ganz neue Fans für die Echtzeit-Taktik begeistern. Haris

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