Oculus Rift: Versteckte Kosten?

(Artikel)
Benjamin Strobel, 11. Januar 2016

Oculus Rift: Versteckte Kosten?

Wie viel das VR-Headset wirklich kostet

In den sozialen Netzwerken und einigen Medienberichten halten sich die Gerüchte wacker: Zusätzlich zum stolzen Preis von rund 700 Euro für Oculus Rift fürchten viele potenzielle Kunden versteckte Kosten in Form von Einfuhrumsatzsteuer, Mehrwertsteuer und Zollgebühren. Wir haben Oculus Rift bestellt und räumen auf mit den Gerüchten.

UPDATE (03. Februar 2016)
Nachdem wir von Oculus nicht zurückgehört haben, haben wir selbstständig unsere Support-Anfrage geprüft. Etwas schockiert mussten wir feststellen, dass unsere Anfrage still und heimlich geschlossen worden war mit der Begründung "Diese Anfrage lässt keine Kommentare zu." Eine Rückmeldung an uns gab es dazu nicht. Es kommt uns seltsam vor, dass die Frage nach dem Versandstandort konsequent umgangen und ignoriert wird. Wir müssen unser bisheriges Fazit daher zurückziehen und empfehlen interessierten Käufern, mit ihrer Bestellung abzuwarten, bis es nachweiskräftige Berichte oder neue Informationen seitens Oculus gibt. Ohne Wissen darüber, aus welchem Land die Ware versandt wird, lassen sich die Zusatzkosten nicht abschätzen und eine Beurteilung ist nur auf Vertrauensbasis möglich.

Wie auch immer die Lage aussieht, die Kommunikation von Oculus bleibt katastrophal. Es spricht Bände, wenn ein Unternehmen vollständig dabei versagt, seine Kunden zu betreuen.

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UPDATE (13. Januar 2016)
Wir haben bei Oculus nachgefragt, ob die Angaben im Bestellbericht korrekt sind und tatsächlich keine weiteren Gebühren auf uns zukommen. Ein Mitarbeiter vom Oculus Support antwortete uns, "Der Gesamtpreis in der Bestellung enthält alle Versandkosten mitsamt den Steuern und Einfuhrgebühren.". Auf die Frage, aus welchem Land die Ware an den Kunden versandt wird, haben wir allerdings keine Antwort erhalten. Wir haben erneut nachgefragt und werden den Beitrag updaten, wenn wir zurückhören.

Ursprünglicher Artikel:
Die Situation ist kompliziert: Für US-Kunden weist Oculus einen Preis von 599 US-Dollar aus. Da jeder US-Bundesstaat individuelle Steuersätze erhebt, beinhaltet dieser Preis weder Steuern noch Versandkosten. Folgt man der Bestellmaske bis zur Eingabe der Adresse, stellt man als deutscher Kunde fest, dass der Preis sich auf stolze 699 Euro erhöht - zuzüglich Versandkosten. Kurz nachgerechnet: das sind nach aktuellem Wechselkurs etwa 763 US-Dollar, also gute 150 US-Dollar mehr als der ursprüngliche Preis. Da die Shop-Seite von Oculus an dieser Stelle keine weiteren Infos angibt, gehen Vorbesteller aus Deutschland vermehrt davon aus, dass neben Versandkosten auch eine Einfuhrumsatzsteuer und Zollgebühren anfallen. Ein Twitter-User schätzt die zusätzlichen Kosten auf insgesamt 260 Euro. Kann das sein?



Erst wenn man das VR-Headset bestellt, wird man vom Oculus-Shop über die tatsächlichen Kosten informiert. Viele machen diesen Schritt gar nicht erst. Wir listen alle Zusatzkosten für euch auf.

Wie hoch sind die Versandkosten für Oculus Rift?
Diese Kosten sind den meisten schon bekannt. Wie vielerorts nachzulesen, weist auch der Bestellbericht 42 Euro für Shipping (Versandkosten) aus. Wir sind also bei einem vorläufigen Gesamtpreis von 699 + 42 = 741 Euro.

Wie hoch sind Steuern (Einfuhrumsatzsteuer, Mehrwertsteuer)?
Nach Umsatzsteuergesetz fällt bei der Einfuhr von Waren aus Drittländern in Deutschland die Einfuhrumsatzsteuer an. Damit holt sich der Staat quasi die Mehrwertsteuer, die ihm sonst entgehen würde. Für Oculus Rift wären das vermutlich 19% auf den gesamten Preis inklusive der Versandkosten, also 741 Euro x 19% = 141 Euro. Aber fallen diese Kosten tatsächlich an? Palmer Luckey von Oculus schrieb auf Twitter:



Doch europäische Kunden sind noch immer verunsichert. Nur wer tatsächlich eine Bestellung aufgibt, bekommt am Ende Gewissheit. Im Bestellbericht heißt es über dem Preis: "Tax is included in order total." (Steuern im Gesamtpreis enthalten). Es fallen demnach keine zusätzliche Kosten für Steuern an. Der Preis bleibt bei 741 Euro.

Wie hoch sind die Zollgebühren?
Ab einem Warenwert von 150 Euro fallen Zollgebühren an. Die Zollsätze variieren je nach Art der Ware. Für Notebooks, Smartphones und Spielekonsolen liegt dieser Satz zum Glück bei 0%. Oculus Rift könnte im weitesten Sinne aber auch als Monitor gewertet werden - hier liegt der Satz bei bis zu 14%. Im schlimmsten Fall könnten also 751 x 14% = 104 Euro fällig werden. Fallen diese Kosten tatsächlich an? Die Unsicherheit wird erneut im Bestellbericht aus dem Weg geräumt: Dort wird ein Betrag von 0 Euro für Customs (Zollgebühren) ausgewiesen. Das bedeutet vermutlich, dass Oculus die Geräte selbst nach Europa überführt und sie anschließend innerhalb Europas an die Endkunden verschickt. Es bleibt tatsächlich bei einem Preis von 741 Euro.

Ist der Preis für Deutschland fair?
Stellen wir uns vor, Oculus würde Rift nicht selbstständig nach Europa überführen. Dann läge der Endkundenpreis nach aktuellem Wechselkurs bei etwa 549 Euro (599 USD) + 42 Euro Versandkosten = 591 Euro insgesamt. Die Einfuhrumsatzsteuer würde dann mit 128 Euro zubuche schlagen. Je nach Zuordnung könnten die Zollgebühren entfallen, im schlimmsten Fall könnten aber rund 83 Euro dazu kommen. Auf diese Weise läge der Gesamtpreis im günstigsten Fall bei 719 Euro, könnte aber auch bei bis zu 802 Euro liegen. Aus Gründen der Unsicherheit nehmen wir als Referenzpunkt die Mitte, also 760 Euro. Legt man diese Rechnung zugrunde, kommt der tatsächliche Preis von 741 Euro dem Kunden sogar etwas entgegen. Sollten tatsächlich keine Zollgebühren anfallen, läge die Ersparnis auch nur bei rund 22 Euro. Die Kosten werden offenbar nicht zusätzlich aufgeblasen.

Bonus-Rechnung: Berücksichtigt man, dass jedem Oculus Rift ein Xbox-One-Controller mit Wireless-Adapter für PC beiligt (ca. 70 Euro), kann man die tatsächlichen Kosten weiter reduzieren, sollte man die Beigabe nicht benötigen. Macht man den Controller für einen fairen Preis (ca. 60 Euro) zu Geld, reduzieren sich die Nettokosten für Rift auf etwa 680 Euro.

Laut Angabe im Bestellbericht werden Kunden auch erst dann zur Kasse gebeten, wenn Rift tatsächlich verschickt wird. Das ist nach aktuellem Stand nicht vor Juni 2016. Bis dahin können Vorbesteller die Lage ohne finanzielles Risiko beobachten und im Zweifel rechtzeitig stornieren.

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Fazit
Der Gesamptreis für Oculus Rift liegt für Kunden aus Deutschland bei 741 Euro und enthält bereits die Versandkosten sowie anfallende Steuern und Zollgebühren. Versteckte Kosten gibt es offenbar keine. Diese Angaben könnt ihr auch in unserem Bestellbericht prüfen. Sparfüchse, die den beigelegten Controller nicht benötigen, können den Preis mit kleinem Aufwand auf ca. 680 Euro drücken. Im Vergleich zum US-Preis halten wir die Kosten bei einer Bestellung aus Deutschland für relativ fair - zumindest scheint Oculus sich nicht an einer günstigen Umrechnung der Steuern zu bereichern. Ob man jedoch den Grundpreis von 600 US-Dollar für angemessen hält, bleibt eine andere Frage. Ben

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