Super Smash Bros. for 3DS im Test

(Artikel)
Benjamin Strobel, 06. Oktober 2014

Super Smash Bros. for 3DS im Test

Nintendos Stars kloppen in der ersten Runde

Nintendo schmeißt mit Smash Bros. nicht gerade um sich. Während andere Publisher erfolgreiche Franchises Jahr für Jahr erneuern, erscheint Super Smash Bros. traditionell nur einmal pro Konsolengeneration. Dieses Jahr bekommen wir allerdings zwei Titel, und zum ersten Mal einen für den Handheld. Super Smash Bros. for Nintendo 3DS bringt Nintendos große Prügelei auf den kleinen Bildschirm.

Super Smash Bros. for Nintendo 3DS grenzt an Magie. Die hochwertige Grafik bietet einen Level an Details, der Vergleiche mit dem Wii-Vorgänger Super Smash Bros. Brawl rechtfertigt. Dabei sind nicht nur die visuellen Effekte erstklassig, auch die Performance kann sich sehen lassen. Das Spiel läuft in sauberen 60 Bildern pro Sekunde, lediglich Charaktere aus Helfertrophäen sind auf 30 FPS beschränkt. Doch das technische Wunderwerk kommt mit einem Preis: vor dem Start und nach dem Beenden von Smash Bros. muss der Nintendo 3DS rebooten und zeigt seinen Spielern beängstigend lange einen schwarzen Bildschirm. Auch zwischen den Kämpfen gibt es moderate Ladezeiten, die deutlich machen, dass der 3DS hier am Limit arbeitet. Aber das ist kein Grund zur Sorge, denn es gibt wohl kein anderes Spiel, das auf Nintendos portabler Spielekonsole so gut aussieht wie Super Smash Bros. for Nintendo 3DS.

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Bevor ich weiter ins Detail gehe, möchte ich ein paar der größten Sorgen im Voraus abfangen. Ist der Bildschirm des Nintendo 3DS zu klein für das Spiel? Ist die Steuerung mit dem 3DS unpräzise? Breche ich das Schiebepad aus der Fassung, wenn ich Smash spiele? Brauche ich ein Wristband, damit ich den 3DS nicht versehentlich gegen die Wand werfe?

Ist der Bildschirm des Nintendo 3DS zu klein für das Spiel? Der Bildschirm des Nintendo 3DS XL ist für das Spielerlebnis deutlich angenehmer als die kleineren Bildschirme vom 3DS und 2DS. Wenn weit herausgezoomt wird, können die Figuren ziemlich klein erscheinen. Je nachdem, was für euch angenehm ist, könnt ihr die Konturen der Figuren stärker oder schwächer einstellen, damit ihr sie auch auf großer Distanz im Blick behaltet. Auf dem 3DS XL konnte ich die Konturen getrost abstellen und erkenne alle Figuren noch immer sehr gut.

Ist die Steuerung mit dem 3DS unpräzise? Nein. Diese Sorge finde ich nach 30 Stunden Spielzeit völlig unberechtigt. Das Schiebepad tut nach kurzer Eingewöhnungsphase immer das, was es soll, und machte keinem von uns Probleme. Solltet ihr das Gefühl haben, einige Tasten sind schwer zu erreichen, könnt ihr sie in den Optionen frei belegen. Einige platzieren Springen auf dem A-Knopf, andere den Griff auf der X-Taste. Probiert einfach aus, was für euch am besten funktioniert.

Breche ich das Schiebepad aus der Fassung, wenn ich Smash spiele? Nein. Auch diese Sorge stellte sich als unbegründet heraus. Ich spiele manchmal schon recht hitzig im Hart-auf-Hart-Modus, aber es ist noch alles an seinem Platz und wirkt weit davon entfernt kaputt zu gehen.

Brauche ich ein Wristband, damit ich den 3DS nicht versehentlich gegen die Wand werfe? Nee! Kommt, so teuer ist ein 3DS nun auch nicht.

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Der Umfang des Spiels kann sich sehen lassen. Der volle Roster umfasst 49 Kämpfer (51, wenn man die drei Kampfstile für die Mii Kämpfer einzeln zählt), die sich auf 34 verschiedenen Stages kloppen. Aus dem alten Roster kehren einige Kämpfer nicht zurück, darunter Lucas, Wolf, die Ice Climbers und Snake. Außerdem wurden die Haustiere vom Pokémon Trainer auf den Publikumsliebling Glurak reduziert. Dafür sind Zelda/Shiek und Samus/Zero Suit Samus jetzt separate Kämpfer und transformieren nicht mehr. Die meisten Änderungen in der Riege sind auf die Hardware-Limitationen des 3DS zurückzuführen und im Grunde vermisse ich nur Snake. Der Animal-Crossing-Bewohner scheint aber ein passender Ersatz für diejenigen Spieler zu sein, die Gimmicks lieben oder andere gerne trollen.

Das Kabinett der neuen Recken bringt unter anderem auch Little Mac (Punch Out), Mega Man und Pac-Man ins Spiel. Die Entwickler haben es erneut geschafft, jede Figur einzigartig zu gestalten - lediglich fünf Klon-Charaktere haben sich dieses Mal eingeschlichen. Besonders spannend finde ich Little Mac, der ausschließlich mit Faustschlägen im Nahkampf arbeitet, oder sein absolutes Gegenteil Mega Man, der mit fast jedem Angriff etwas abfeuert. Dann gibt es noch die Wii-Fit-Trainerin, die etwas Rhythmus erfordert, und Shulk, der mit Monado-Techniken seine Statuswerte modifiziert. Es gibt zwar überproportional viele Schwertkämpfer (Hallo, Fire Emblem, ich schiele zu dir!), aber das bedeutet nicht, dass sich die Figuren auch ähnlich spielen. Während Link so allerhand Zeug aus den Taschen zieht, ist Ike ein langsamer Haudruff, Shulk ein verschlagener Taktiker und Robin ist im Grunde ein Zauberer, der nur zufällig einen langen Dolch in der Tasche trägt. So viel Abwechslung hat es bisher in keinem Smash Bros. gegeben und der Roster hat es geschafft, dass ich jeder Figur etwas abgewinnen kann. Das schafft kaum ein Prügelspiel.

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Bei den Spielmodi findet sich ein Mix aus alten und neuen Dingen. Der Subraum Emissär hat Platz gemacht für den neuen Modus Smash-Abenteuer, der auf Story völlig verzichtet, aber ähnlich große Level verwendet. Spieler können hier entweder allein gegen die CPU antreten oder zu sich zu viert miteinander messen. Alle Spieler werden einzeln ins Level gesetzt und müssen von dort an Feinde vermöbeln und so viele Boni wie möglich sammeln, die ihre Stats verbessern. Nach fünf Minuten Sammelwahn werden alle Kämpfer für einen abschließenden Kampf in den Ring gestellt und profitieren dort von den Boni, die sie vorher gesammelt haben. Dieser Modus ist ziemlich kurzweilig und lässt den vergleichsweise langatmigen Subraum Emissär nicht vermissen.

Zudem kommt hier ein neues Feature besonders zur Geltung: Character Customization. Einerseits kann man mit bis zu drei Items die Statuswerte seiner Kämpfer anpassen (Geschwindigkeit für Angriffsstärke aufgeben oder Angriff für Verteidigung usw.), andererseits kann man die Spezialangriffe gegen völlig neue austauschen. Jeder Spezialangriff besitzt jetzt zwei Alternativen, die die Spielweise der Figur deutlich verändern. Beispielsweise kann Captain Falcon seinen Falcon Kick gegen einen Lightning Kick austauschen, der zwar keinerlei Knockback hat, aber ordentlich Schaden reinknallt. Diese alternativen Moves müsst ihr allerdings erst freispielen, indem ihr das Smash-Abenteuer und andere Modi spielt. Wenn ihr im Multiplayer spielt, kann in den Optionen festgelegt werden, ob angepasste Kämpfer erlaubt sind oder nicht. Bis zu zehn verschiedene Varianten können pro Figur inklusive präferierte Farbe abgespeichert werden. Das ist jede Menge Raum für Anpassung.

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Die Einzelspieler-Modi werden durch die Modi Classic, All-Star, Training und viele Minispiele im Stadium ergänzt. Der Klassische Modus wurde für dieses Smash Bros. deutlich aufgewertet und ist etwas kürzer und knackiger als früher. Auf dem Weg zurm Endkampf kann der Spieler vor jedem Kampf einen von bis zu drei Wegen einschlagen, die ihrerseits noch mal verschiedene Schwierigkeitsstufen repräsentieren und entsprechend viele Belohnungen geben. Am Ende wartet natürlich die Meisterhand als Bossgegner und auf höheren Schwierigkeitsgraden lauern auch noch ein paar Überraschungen.

Im All-Star-Modus müsst ihr eine Reihe von Figuren nacheinander besiegen ohne dabei selbst den Löffel abzugeben. Schaden bleibt zwischen den Fights erhalten und kann nur durch eine begrenzte Anzahl Heilitems verringert werden. Der Trainings-Modus ist total super, wenn ihr Combos üben wollt. Im Stadium-Menü finden sich altbekannte Spielmodi wie Multi-Man-Smash, Target Blast und der Home-Run-Contest. Der neue Target-Blast-Modus ist allerdings ein kärglicher Ersatz für die einst interessante Spielvariante. Vorher gab es hier einen individuellen Parkour für jede Figur, bei dem man in kürzester Zeit möglichst alle Zielscheiben zerstören musste. Target-Blast dagegen ist im Grunde eine Variante des Home-Run-Contest, bei der ihr zehn Sekunden Zeit habt, auf eine Bombe einzuprügeln und sie anschließend in Angry-Birds-Manier auf einen Haufen Zielscheiben abzufeuern. Mit zwei Bomben müsst ihr dann möglichst viel kaputt machen, um Punkte zu kassieren. Die ausgewählte Figur spielt eigentlich nur eine Rolle für die Schläge, die ihr der Bombe geben müsst und danach ist viel Zufall im Spiel. Sehr schade, dass dafür der klassische Zielscheiben-Modus gehen musste.

Im Einzelspieler-Modus fehlen mir vor allem aber die umfangreichen Challenges und Event-Kämpfe der Vorgänger. Es gibt zwar modiübergreifende Herausforderungen, sie sind aber eher simpel gestrickt und kommen vom Umfang her auch nicht ihren Vorgängern gleich. Es ist leider auch viel zu einfach geworden, die geheimen Kämpfer und Stages freizuspielen. Meist muss man nur eine gewisse Anzahl von Matches spielen und der neue Herausforder erscheint - oft gleich zusammen mit seiner Stage. Hier hätte ich mir herausfordernde Aufgaben gewünscht, sodass man sich etwas ins Zeug legen muss und sich über neues Spielzeug umso doller freut. Das serielle Freischalten über die Anzahl der Kämpfe führt einfach nur dazu, dass Leute gegen CPU-Gegner auf Level eins mit einem Leben spielen, um den nächsten Char zu grinden. Spaß macht das nicht und so ist es schade, dass dem ambitionierten Einzelspieler so wenige Herausforderungen geboten werden, während die tollen Belohnungen (Kämpfer, Stages) schnell verfeuert sind.

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Der größere Teil des Spiels wird allerdings vom Multiplayer-Modus eingenommen. Hier kann man sich lokal im Smash-Abenteuer duellieren oder frei nach allen Regeln kämpfen. Online gibt es die größten Änderungen im Vergleich zu Brawl und das nur zum Guten. Man kann entweder Geplänkel (For Fun) oder Hart auf Hart (For Glory) spielen. Spielt ihr nur zum Spaß, könnt ihr aus allen Stages wählen und alle Items stehen zur Verfügung. In Hart auf Hart sind die Gegenstände abgeschaltet und jede Stage wird in ihrer Final-Destination-Form gespielt. Das bedeutet, dass das Level den Hintergrund und die Musik des Originals hat, aber die einzige Plattform nimmt Form und Größe der Final-Destination-Stage an. Hier hat man die Möglichkeit, alle gegen alle, im Team oder eins gegen eins zu spielen. Die Optionen sind wie in einem Turnier voreingestellt und können nicht geändert werden.
In diesem Modus kloppen sich die Pros und es geht deutlich härter zu als im Geplänkel. Allerdings kann man nur hier echte Duelle austragen. Dieser Modus gefällt mir deshalb besonders gut, weil ich bisher noch keinen Lag bemerken konnte. In Spielmodi mit vier Teilnehmern kommt es häufiger vor, dass es mal ruckelt oder etwas langsamer läuft. Nicht immer macht es das Match kaputt, aber ist doch sehr schade, weil das Timing nicht mehr stimmt und der Vorteil von guten Reflexen flöten geht. Im Spiel mit Freunden habe ich bisher auch bei maximaler Spieleranzahl kaum Latenz festgestellt. Es scheint hier recht stark von den Verbindungen der einzelnen Spieler abzuhängen. Insgesamt kommen mehr gute und flüssige Spiele zusammen als seinerzeit bei Brawl, doch nach oben sehe ich noch viel Luft für Verbesserungen.

Ob lokal oder online mit Freunden, ich vermisse schmerzlich die Spezial-Modi aus den Vorgängern. Hier konnte man die Geschwindigkeit einstellen, alle Spieler winzig oder riesig machen oder die Schwerkraft verändern. Es lassen sich zwar zusätzliche Regeln freispielen, aber auch hier kann man hauptsächlich nur kosmetische Änderungen vornehmen und beispielsweise die Pausefunktion deaktivieren. Auch die Häufigkeit, mit der Items auf dem Spielfeld erscheinen, kann man nicht mehr einstellen. Gegenstände lassen sich insgesamt oder einzeln ein- und ausschalten, aber die Häufigkeit ist fix. Ich wünsche mir, dass ein Patch diese Funktion nachreicht, habe aber irgendwie das Gefühl, dass die Option bewusst ausgespart wurde. Vermutlich kommt der 3DS mit zu vielen Items nicht gut zurecht. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt!

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Das Spielgefühl bei Super Smash Bros. for Nintendo 3DS ist insgesamt großartig. Die Geschwindigkeit liegt irgendwo zwischen dem langsamen SSB Brawl und dem schnellen SSB Melee und versucht den Spagat zwischen Profi-Spielern und allen anderen, die einfach nur Spaß haben wollen. Definitiv profitieren alle davon, dass Smash Bros. superflüssig läuft. Die angepassten Kämpfer werden vermutlich eher im Casual-Bereich gespielt, während die zahlreichen Möglichkeiten zur Customization in der kompetitiven Szene allesamt unter den Tisch fallen werden. Ein netter Wink für die Profis ist allerdings die Möglichkeit, alle Stages als Final Destination zu spielen, sodass sich das Spiel auch dort abwechslungsreich anfühlt und anhört. Dass sich die Profis in Hart auf Hart auch online gezielt suchen und finden können, wird sicher dazu beitragen, die Szene am Leben zu erhalten und sie vielleicht sogar zu vergrößern, weil es viel leichter geworden ist, sich mit Spielern auf einem höheren Niveau zu messen. Einzig der Lag beim Spielen mit mehreren Spielern macht die Ambitionen etwas zunichte.

Das neue Smash Bros. bietet mehr Kämpfer als je zuvor und hält eine abwechslungsreiche Palette an Stages bereit. Doch obwohl man viele Spielmodi entdecken kann, fehlt bei fast allen die große Belohnung oder Herausforderung, sie mehr als einige wenige Male zu spielen. Nach ein paar Spielstunden hat man den Roster und die Liste der Stages komplettiert und ist im Grunde auf den Mehrspieler-Modus angewiesen. Sicher wird euch allein der Multiplayer über Jahre an das Spiel fesseln. Der geringe Wiederspielwert im Singleplayer ist allerdings ein ärgerlicher Verlust. Letztlich fordern auch die Grenzen des 3DS einen kleinen Tribut in Form von Ladezeiten und fehlenden Kämpfern, die einem das Gefühl geben, dass der Titel knapp an der ultimativen Version von Smash Bros. vorbei segelt.

Es gibt kleine Abstriche, aber Super Smash Bros. for Nintendo 3DS ist trotz allem ein großes Spiel. Auf dem Nintendo 3DS sollte es in keiner Sammlung fehlen und wird sicher noch lange Menschen zusammenzubringen, die sich virtuell verprügeln wollen. Ben

Super Smash Bros. for Nintendo 3DS wurde auf dem Nintendo 3DS getestet. Ein Testmuster wurde uns von Nintendo zur Verfügung gestellt.

Super Smash Bros. for Nintendo 3DS

(Ranking)
A
RANK
Reife Leistung. A-Spiele machen alles richtig oder sind nah dran. Kleine Schwächen werden durch Stärken mehr als wett gemacht. Das ist Spieldesign auf hohem Niveau.

Kommentare

Ralleeeee
Gast
07. Oktober 2014 um 19:56 Uhr (#1)
Darf ich dich vermöbeln? =3
Rian
07. Oktober 2014 um 20:42 Uhr (#2)
Darfst mich auch gerne vermöbeln!
Ben
08. Oktober 2014 um 09:27 Uhr (#3)
Du kannst uns gern deinen Friendcode mailen ;)
Ralleeeeeeeee
Gast
08. Oktober 2014 um 23:16 Uhr (#4)
Du hast Post. :)
Ich fürchte mich jetzt schon vor Rians Hexer-Hax'n!
Gast
12. Dezember 2019 um 03:05 Uhr
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RELEASE
03. Oktober 2014
PLATTFORM
Nintendo 3DS
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